Auf die Ausschreibung des Forschungspreises Walter Enggist Anfang Jahr ging erneut eine ganze Reihe von sehr guten Arbeiten ein. «Die thematische Spannweite der Einreichungen und die Qualität der Arbeiten machten unsere Arbeit sehr spannend», sagt Prof. Dr. Sibylle Minder Hochreutener, die Vorsitzende der unabhängigen Beurteilungskommission. Diese hat entschieden, dass der diesjährige Forschungspreis an Univ.-Prof. Dr. Urs Markus Nater geht. Der aus dem Kanton Thurgau stammende Professor für klinische Psychologie an der Universität Wien ist im Bereich der Stressforschung tätig. Seit rund zehn Jahren widmet er sich der Frage, inwiefern Musik der Gesundheitsförderung dienen könnte und was die einem solchen Effekt zugrundeliegenden Mechanismen sein könnten.

Mechanismus für Wirkung des Musikhörens identifiziert

Die mit dem Thurgauer Forschungspreis ausgezeichnete Arbeit mit dem Titel «The effects of music listening on somatic symptoms and stress markers in the everyday life of women with somatic complaints and depression» ist 2021 im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht worden. Sie geht der Frage nach, inwiefern Musikhören im Alltag körperliche Beschwerden von Patientinnen, von denen die meisten bereits seit mehreren Jahren unter körperlichen Symptomen wie Schmerzen, Erschöpfung oder Übelkeit litten, lindern kann. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Musikhören eine indirekte Wirkung auf den Körper hat: Musikhören im Alltag hat einen stressreduzierenden Effekt, und diese Stressreduktion zieht eine Besserung körperlicher Symptome nach sich. Somit konnte die Studie einen wichtigen Mechanismus für die Wirkung von Musikhören identifizieren.

«Stressforschung ist hoch relevant für unsere Gesellschaft», würdigt Sibylle Minder Hochreutener die ausgezeichnete Forschungsarbeit. Überzeugend sei insbesondere, dass Urs Markus Nater für seine Forschung statt einer Laborumgebung einen alltagsnahen Ansatz gewählt habe. Anhand der Erkenntnisse könnten nun musikbasierte Interventionen entwickelt werden, die im Alltag gezielt zur Stressreduktion und zur Linderung körperlicher Beschwerden eingesetzt werden können. Hierfür will Urs Markus Nater das Preisgeld für den Forschungspreis Walter Enggist einsetzen. Der Forschungspreis ist mit 15'000 Franken dotiert. Das Preisgeld muss laut Reglement für die weitere wissenschaftliche Arbeit eingesetzt werden.

Mit Urs Markus Nater werde ein erfolgreicher Thurgauer Wissenschaftler ausgezeichnet, sagt Sibylle Minder Hochreutener. Nater ist in Frauenfeld aufgewachsen, hat an der dortigen Kantonsschule die Matura erworben und an der Universität Zürich Psychologie, Psychopathologie und Neurophysiologie studiert. Nach seiner Promotion folgten diverse Forschungstätigkeiten an Forschungsinstitutionen unter anderem in den USA und in Deutschland. Seit 2017 ist Urs Markus Nater Professor für Klinische Psychologie des Erwachsenenalters an der Universität Wien.

Verzicht auf Nachwuchsforschungspreis

Dieses Jahr wird mit dem Forschungspreis Walter Enggist nur der Hauptpreis vergeben. Die Beurteilungskommission hat darauf verzichtet, der Thurgauischen Stiftung für Wissenschaft und Forschung aus den Einreichungen einen Nachwuchsforschungspreis vorzuschlagen. Unter den für den Nachwuchsforschungspreis in Frage kommenden Arbeiten habe sich keine befunden, die herausragend genug gewesen wäre, sagt Sibylle Minder Hochreutener. Sie lädt insbesondere Thurgauer Absolventinnen und Absolventen eines Masterstudiums ein, nächstes Jahr ihre Masterarbeiten einzureichen, wenn sie mit Bestnoten bewertet worden sind.

Preisverleihung am 21. September

Der Forschungspreis Walter Enggist wird am 21. September 2022 im Rahmen einer öffentlichen Feier an Urs Markus Nater verliehen. Der Wissenschaftler wird an dieser Veranstaltung seine Arbeit vorstellen. Die Laudatio wird von Regierungsrätin Monika Knill gehalten. Die Feier findet in der Aula im Neubau der Kantonsschule Frauenfeld statt und beginnt um 19 Uhr.