Wenige Jahre vor seiner Pensionierung erwachte in Renato Fauser eine Leidenschaft, die ihre Ursprünge in seiner Kindheit hat. Sie bringt ihm im AHV-Alter viel Erfüllung. Nun möchte er weitere Pensionierten anregende Beschäftigungen vermitteln.Alles begann mit einem Zeitungsbericht über einen Hobbymusiker vor rund eineinhalb Jahren. Er suchte Mitmusiker für eine „Räntner-Bänd“. „Ich fühlte mich vom Aufruf angesprochen und rief ihn an“, erzählt Renato Fauser.“ Über zwei Dutzend weitere Instrumentalisten meldeten sich ebenfalls.

Proberaum in Wil
Bald kristallisierte sich ein harter Kern an Interessierten heraus. Ab dem Januar 2017 begannen sie sich in einer Wiler Gaststätte zu treffen und über die konkrete Umsetzung ihrer Pläne zu diskutieren.

Es wurde ein Proberaum in Wil gefunden. Mittlerweile übt in ihm regelmässig eine Jazzcombo. „Sie machen auf einem sehr hohen Niveau Musik`“, zeigt sich Renato Fauser beeindruckt.

Im Weiteren findet jede Woche ein freies Muszieren statt, bei dem alle mitspielen können, die ein Instrument beherrschen. Bezüglich Musikrichtungen gibt es keine Einschränkungen. Renato Fauser sitzt bei diesen Treffs am Schlagzeug.

Bereits sind von Veranstaltern erste Anfragen für musikalische Auftritte bei Anlässen eingetroffen.

Offen für alle Stile
Wie der passionierte Drummer erzählt, liegt ihm der Blues am meisten am Herzen. „Aus ihm sind alle weiteren Richtungen, wie Rock, Soul, Jazz und so weiter entstanden.“ Er betont, dass er sich auch leicht auf andere Stile einlassen könne und keinerlei Vorbehalte habe.

Die Faszination für aktives Musizieren begleitete ihn von Kindesbeinen an. „Mein Vater war Berufsmusiker, er spielte verschiedene Instrumente.“ Renato Fauser begann selber Schlagzeug zu spielen. Mit ungefähr zehn Jahren nahm seine musikalische Karriere ein sehr frühes Ende. Andere Interessen rückten in den Vordergrund. „Ganz liess mich die Musik nie los, ich besuchte beispielweise ab und zu Konzerte.“

Musik für die innere Balance
Dann, mit 56, meldet sich der Wunsch nach aktivem Muszieren wieder. „Ich ging in den Unterricht und kaufte mir ein Schlagzeug.“ Seit über zehn Jahren besucht er alle 14 Tage die Lektionen. „In diesem Bereich hat man nie ausgelernt, im Laufe der Zeit kommen immer kompliziertere Rhythmen.“ Musik trage zu seiner Ausgeglichenheit bei, erzählt der Wiler im AHV-Alter. „Zudem ist es auch die Spielfreude, die mich motiviert.“

Spielfreude braucht es auch bei der fastnächtlichen Guggenmusig, bei der Renato Fauser mitspielt. Mittlerweile ist er mit der Wiler `Chrüsimusig` unterwegs. Ursprünglich heuerte er bei der `Drachonia` in Ermatingen an, die per Inserat dringend einen Perkussionisten suchten. „Als sich diese Gruppe nach ein paar Jahren auflöste, wechselte ich zu einer Guggenmusig in Neftenbach.“ In jener Zürcher Gemeinde wohnte er während Jahren.

Renato Fauser wuchs in Zürich Altstetten auf, war aber als Kind oft in seiner Heimatgemeinde Steckborn zu Besuch, sein Vater ist dort gross geworden. “Ich hatte schon immer einen engen Bezug zur Ostschweiz.“

In Wil gut angekommen
Beim Jahreswechsel von 2009 auf 2010 lernte er seine jetzige Frau kennen, die bereits in Wil wohnte und arbeitete. Vor sieben Jahren zog Renato Fauser vom Kanton Zürich in die Äbtestadt in eine gemeinsame Wohnung.

Er habe hier rasch Wurzeln geschlagen. „Meine Frau hat einen grossen Bekanntenkreis, durch sie lernte ich rasch viele Leute kennen. Hier hat es einige sehr tolle Menschen.“ Auch das breite Kulturangebot und die Einkaufsmöglichkeiten erwähnt er lobend.

Neuer Lebensabschnitt
Am 1. Juli 2016 hat Renato Fauser das Erwerbsleben hinter sich gelassen. Die letzten Arbeitsjahre pendelte er zwischen Wil und Zürich. Er arbeitete als Immobilienbewirtschafter bei der Pensionskasse eines Gossverteilers.

Seine langjährige Erfahrung im Liegenschaftenunterhalt bringt er seit 2008 in die strategische Geschäftsleitung einer Sozialfirma ein, die Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung anbietet. Ziel ist es, sie in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Mehr als eine Spesenentschädigung bekommt er für sein Engagement nicht, dafür aber jede Menge Befriedigung und Bestätigung. Er freut sich, auch im dritten Lebensabschnitt einen wertvollen Beitrag an die Gesellschaft leisten zu können.

Geregelter Alltag
„Meine Frau und ich leben einen ziemlich strukturierten Alltag. Meistens stehen wir um 07.30 Uhr auf, dann drehe ich mit dem Hund eine erste Runde. Es folgt das Frühstück. Danach ist Aufbruch zu einer ausgiebigen Tour mit dem Hund. Nach dem Mittagessen gehen seine Frau und er getrennt ihren eigenen Interessen nach. „Manchmal kommt auch unvorhergesehenes, etwa dass ein Kollege kurzfristig einen Chauffeur benötigt.“

Netzwerk für Pensionierte
Die positiven Erfahrungen mit dem gemeinsamen Musizieren, haben Renato Fauser motiviert, auch für andere Pensionierte lose Zusammenschlüsse für gemeinsame Aktivitäten ins Leben zu rufen, sei es gemeinsames Kochen, Jassen, bildnerisches Gestalten, Fotografieren, Wandern, Ausflüge unternehmen, Konversation in Fremdsprachen pflegen und so weiter.

Im digitalen Zeitalter können Gleichgesinnte unkompliziert im Internet zusammenfinden. Eine kleine Arbeitsgruppe um Renato Fauser prüft derzeit, ob eine entsprechende Vermittlungsplattform für die Region Wil einem breiten Bedürfnis entspricht. Interessierte können ihre Mailadresse (renato.fauser@bluewin.ch) bekannt geben und werden dann über die weiteren Fortschritte des Projekts informiert. Ideen für gemeinsame Aktivitäten werden unter dieser Mailadresse gerne entgegen genommen.