ALICE TOLD A SECRET – so nennt sich das Bandprojekt, das Enid Becirovic an der Hochschule für Künste in Zürich zusammen mit einer Kollegin und drei Kollegen als Masterprojekt entwickelt hat. Die Verschmelzung von elektronisch erzeugter Musik, speziellen Klanggebilden, real gespielten Instrumenten und live gesungenen Popsongs gefällt ihrer Fangemeinde, die sich damit auch ins Kino Uzwil locken liess. Es wurde ein heiterer, lockerer Abend in Clubatmosphäre. Genau die richtige Stimmung
Auf der Kinobühne leuchteten zwei nostalgische Ständerlampen, aus der grossen Leinwand über der Band prangte der Bandname: ALICE TOLD A SECRET, dazu fielen virtuelle Schneeflocken auf die Bühne – die richtige Atmosphäre, um bei dieser Kälte sich im Kino-Inneren so richtig schön in die Sitze einzukuscheln. Dabei konnte auch ganz gemütlich darüber gerätselt werden, welches Geheimnis nun Alice wohl zu erzählen habe…

Bezug zur Region
Die Auftritte bei Kultur im Kino (KiK) haben immer einen Bezug zur Region. Diesmal machte diesen die junge Musikerin Enid Becirovic, welche seit einiger Zeit in Oberuzwil als Musiklehrerin unterrichtet. Sie ist auch in Oberuzwil selber schon mehrmals mit ihrer Schülerband aufgetreten und hat gezeigt, wie Musik ganz unterschiedliche Jugendliche zu einem Ensemble zusammenbringen kann. Von den Jugendlichen hört man nur lobende Worte über die Frau. Es sei „cool“ im Unterricht, der Ton nett, und man lerne auch etwas. Sie trat im Kino mit zwei Kollegen auf, Ivo Münger an den Drums, mit welchem sie das Bandprojekt aufgegleist hatte - und Bernhard Düngler – im übrigen Leben Physiotherapeut - an der Bassgitarre.

Spezieller Beginn
Gleich zu Beginn machte Sängerin und Multiinstrumentalistin Enid Becirovic mit einem kleinen Scherz auf ihre spezielle Situation hin. Sie erwartet anfangs April ihr erstes Kind und fragte deshalb als Erstes nach „Arzt oder Hebamme“ – schliesslich weiss man ja nie. Das Publikum lachte – und danach merkte niemand mehr etwas von diesen besonderen „Umständen“. Auch zwischendrin machte sie mit launigen Zwischenbemerkungen gute Stimmung.

„Fangemeinde“
Diesmal waren im Publikum auffallend viele Oberuzwiler Lehrkräfte zu entdecken, auch Schulpräsident Roland Waltert sowie Volksschulleiter Gallus Rieger machten der jungen Musikerin die Aufwartung. Und ganz hinten im Saal sassen verschämt, aber äussert aufmerksam vier junge Girls – denn so rief sie Enid Becirovic gleich mehrmals an, was diese mit typischem Teenager-Gejauchze auch beantworteten. Ein Gekreische wie bei gewissen Popkonzerten von jugendlichen Sängern gab es jedoch nicht.

Einbezug aller technischen Finessen
Bandkollege Ivo Münger habe alle elektronischen Stimmen programmiert und elektronisch verarbeitet und so zur Vielfalt des Programms wesentlich beigetragen, verriet Enid Becirovic. Die Bühne war denn auch mit allerlei Gerätschaften und Mischboxen belegt. Man sah die Sängerin auch immer mal wieder mit einem Fuss einen Sampler bewegen, um eine zweite Stimme oder einen bestimmten „Sound“ abzurufen. So kam das Publikum auch in den Genuss von mehrstimmigen Gesängen, obwohl meist nur die Frau an Gitarre oder E-Piano sichtbar sang.

Instrumentaler Beginn und Schluss
„Talking Trees“ hiess es am Anfang. Man hörte Tierlaute, sphärische Klänge, welche das Publikum auf das Klanggefüge dieser Band einstimmten. Ganz am Schluss gab es unter diesem Titel noch den zweiten Teil des angespielten Titels am Anfang. Diesmal ging die Post aber so richtig ab!

Wuchtige Stimme
Man würde es der nicht unbedingt grossgewachsenen Frau gar nicht zutrauen, mit einer derart starken Stimme singen zu können, wie das im Konzert zu erleben war. Mit viel Emotionalität und einem langen Atem, ausdrucksstark und stimmsicher trug sie ihre Lieder vor. Wie es zu dieser Art Musik gehört, waren alle Titel in englischer Sprache. Ob da das kleine Wesen in ihrem Bauch nicht manchmal fast erschrak, wenn sich seine Mama in einem Lied namens „Lily Monroe“ über einen Typen beklagte, der ins Militär „verduftete“ und die Liebste einfach so daheim stehen liess? Pikant daran war, dass die Frau ihm nachreiste und sich selber in die Armee eingliedern liess…

Es gab überhaupt viel Seelenleid aus den Songs herauszuspüren. „I Think I’m Crazy“ – „ich denke, dass ich verrückt bin“ – tönt ja auch nicht gerade nach einer Idylle. Im Lied „Young Girl“ sang Enic Becirovic die Töne fast endlos lang aus, kein Wunder, dass sie danach kurz etwas ausser Atem war. Sie hatte zudem versucht, auch das Publikum zum Mitsingen zu bewegen, mit eher mässigem Erfolg…

Schlagzeuger
Man sah es dem Drummer Ivo Münger von Weitem an, dass er nichts lieber tut als auf die Töpfe und Deckel zu hauen, gekonnt und mit viel Abwechslung. Er hat ein Lehrdiplom auf diesem Instrument und bildet sich auch ständig weiter, unterrichtet auch an verschiedenen Musikschulen. Er ist auch mit andern Formationen unterwegs. Es war eine Freude, ihm bei der „Arbeit“ zuzusehen. Bei manchen Stücken sang er auch mit, immer völlig dabei.

…und der unverzichtbare Bass
Bernhard Düngler stand immer etwas im dunkleren Teil der Bühne, drängte sich mit seinen Gitarrenriffs auch nicht vor, aber man hörte doch, dass da Boden sei unter den teils besinnlichen, teils äusserst rockigen Harmonien. Die Band liess sich überhaupt sehr viel Raum, sodass auch Bewegung möglich war. Dies nützte aber einzig Enic Becirovic aus, die manchmal einen Liedschluss mit der Gitarre auch optisch gegen alle Seiten hin abschloss.

Erzählte Geschichten
Lieder sind erzählte Geschichten, die in Töne gesetzt wurden. Enid Becirovic erzählte, dass sie ein amerikanisches Kriegsliederbuch gefunden habe und daraus das eine oder andere Stück für sich entdeckt habe. Natürlich wurden alle Weisen auf moderne Art umgeschrieben. Das fiel besonders auch beim Titel „9 Questions“ , im Original als „Devil’s Nine Questions“ bekannt. Eigentlich sei diese Komposition in Dur geschrieben, ihnen gefalle sie aber in Moll besser. Auch eine Eigenkomposition namens „Womans Life“ durfte das Publikum geniessen, zu welcher die Gitarre allerdings erst umgestimmt werden musste. Im Song „Blackberry Stone“ ging es ums Liebesleid und Sehnsucht, aber auch um Selbstbestimmtheit, überhaupt ein Thema in vielen der gesungenen Lieder.

Zugabe
Klar, dass nach diesen energiegeladenen, hie und da auch zärtlich-süssen Darbietungen noch eine Zugabe fällig war. Nach kurzer Absprache spielten die Drei darum nochmals „Young Girl“, heizten auch den in den Stühlen hängenden Fans ein letztes Mal ein. Klar, dass sie auch diesmal in gewissen Passagen zum Mitsingen aufgefordert wurden. Vermutlich musste danach zuhause erst etwas „heruntergefahren“ werden, denn auch das Schlusslied war keineswegs ein Schlaflied gewesen, sondern im Gegenteil so richtig eingefahren mit seinen treibenden Rhythmen und der starken Stimme der Sängerin.



Nächster Anlass bei Kultur im Kino:
13. März, 19:30 – TIGER FREI – DIE SHOW BEGINNT mit Klaus Gremminger und Reto Kunz
Zaubereien

Kultur im Kino

Videoclip mit Enid Becirovic

Musik-Club MEHRSPUR ZH

Ivo Münger – Schlagzeuger

Emanuel Reiter

ZHdK - Hochschule der Künste ZH

9 Questions

Und hier kann dazu der Text nachgelesen werden.

Text zu „Devil’s Nine Questions

Blackberry Stone

Talking Trees