Im Rahmen einer Tournee kam der Mädchenchor am Dom und St. Quintin Mainz unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach nach Flawil. Auch Lernende von der Musikschule Fürstenland verwöhnten die Gäste auf Harfe, E-Piano und Violine.Die Kirche war – wohl wegen der Ferien - nicht voll besetzt, die Anwesenden aber zeigten ihre Freude an den herrlichen Vorträgen mit einer standing ovation. Es war ein sehr abwechslungsreiches, hochstehendes Konzert, von A bis Z ein musikalischer Hochgenuss. Die Mädels waren sattelfest in allen Tonlagen und die Schülerinnen und Schüler der Musikschule zeigen sich ebenfalls als angehende ausgezeichnete Musikerinnen und Musiker. Die Freude am Musizieren war bei allen spür- und sichtbar. Herrlich, wie der Chorleiter mit Begeisterung und Freude dirigierte.

Junge stimmen begeistern
56 Mädchen zwischen neun und neunzehn Jahren zeigte am Montagabend ihr grosses Können. Erstaunlich, dass sich so viele Mädchen begeistern können für meist geistliche Kompositionen verschiedener Stile und Epochen. Dafür besuchen sie zweimal pro Woche die Probe, jedes Mitglied erhält zudem wöchentlich eine halbe Stunde Stimmbildung - das zeigte sich sehr deutlich in den Vorträgen. Ein voluminöser, homogener Chorklang, ausgezeichnete Solo- und Gruppeneinsätze boten Gesang in Höchstform. Die Soli werden von jedem Einzelnen zuhause einstudiert – ein beachtenswertes Engagement von jungen Menschen in einer Zeit, wo viele Kinder- und Jugendchöre unter dem starken Konkurrenten Sport leiden.

Musik vom 11. bis ins 20. Jahrhundert
Strahlend begannen die Sängerinnen mit «Jauchzet Gott» vom 1983 verstorbenen Schweizer Komponist Walter Schmid. Es folgte ein eindrucksvolles «Kyrie» aus der «Missa a tre voci» von Antonio Lotti. Ein Teil der Mädchen sang dabei von der Empore herab. Es folgte die wunderschöne Schola «Ave generosa», mystische Volksmusik aus dem Mittelalter, komponiert von der Philosophin, Theologin und Heilkundigen Hildegard von Bingen. Herzlich erklang vierstimmig «O salutaris» von André Caplet.

Jubelnd und betend
Beeindruckend hörte sich das «Gegrüsst seist du, Maria» des 1938 geborenen deutschen Kirchenmusikers Erich Schmid an. «Stimmt an den hohen Preisgesang» aus Heiden’s Oratorium die «Schöpfung» klang bis in den hintersten Winkel des Gotteshauses und betend das siebenstimmige «Ave maria» von Franx Xaver Biebl (1906 – 2001). Der dritte Teil gehörte zeitgenössischen Komponisten aus Polen, Spanien, Norwegen und Grossbritanien. Der 130. Psalm «De Profundis» vom Piotr Janczak eröffnete. Drei Solostimmen hatten sich im Gotteshaus verteilt und boten zusammen mit dem vierstimmigen Chor «Magnificat» von Javier Busto. «O come let us sing» von Egil Hovland klang fröhlich in den Raum und in «God be in my head» von John Ruter sangen zwei Mädchen von ganz hinten in der Kirche. Wer selber singt weiss, dass das Einstudieren moderner Kompositionen sehr anspruchsvoll ist, das haben die jungen Leute super gemeistert.

Harfe, Violine, E-Piano
Schülerinnen und Schüler der Musikschule Fürstenland zeigten ebenfalls ausgezeichnete Vorträge. Noch sehr jung ist Aron Lanter, der an der Harfe gekonnt «The trees they grow high» vortrug. Dann spielte Stephanie Trottmann ebenfalls auf der Harfe sehr gehörfällig «My gently harp» aus Irland und das bekannte Beethoven-Stück «Für Elise». Diese Komposition zeigte Anna Lanter anschliessend packend auf der Violine in einer spannenden jazzigen Version, am E-Piano begleitet von Adi Streiff. Im zweiten Teil hiess der Hauptakteur Raphael Eigenmann. Sein Instrument ist ebenfalls die Harfe, auf der bemerkenswert die Melodien «Sonnenaufgang», «South Wind» sowie einen fröhlichen «Harfenjodler» präsentierte. Einen Glanzpunt setzte Svenja Breitenmoser auf der Violine. Sehr kunstvoll spielte sie den ersten Satz der äusserst anspruchsvollen Solosonate 115 von Sergej Prokofjew (1891-1953).

Der Mädchenchor aus Mainz
Der Chor ist das jüngste Mitglied in der Familie der Chöre am Hohen Dom zu Mainz und wurde 1994 von Prof. Mathias Breitschaft gegründet. Zusammen mit Dom und der Domkantorei St.Martin versieht er seinen musikalisch-liturgischen Dienst im Dom. Darüber hinaus singen die Mädchen einmal im Monat in der Stadpfarrkirche St. Quintin. Bereits besteht eine umfangreiche Konzerttätigkeit. Höhepunkt waren «Notre Dame» in Paris, «St. Stephan» in Wien sowie in Barcelona, Valencia, Rom, Ukraine, Chicago, New York, Rotterdam und Haarlem und zahlreiche Aufritte in Deutschland. 2010 nahmen der Mädchenchor als einziger deutscher Chor am 50. Internationalen Chorfestival in Loreto erfolgreich teil. Zur Zeit singen rund 100 Mädchen mit. Im Vorbereitungskurs wird eine umfassende musikalische Grundausbildung vermittelt, ehe es ab dem zweiten Jahr im Hauptchor an die Erarbeitung der Chorliteratur geht. Seit Januar 2015 leitet Domkantor Michael Kaltenbach das Ensemble.

Traumhaft schön und in die Herzen gehend erklang die Zugabe "Hebe deine Augen auf zu den Bergen" aus dem Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy Der begeisterte Applaus wollte nicht enden und so sangen der Chor das Lied noch einmal. Wie kann eine neue Woche schöner beginnen als mit so herrlicher Musik von engagierten Sängerinnen, jungen Musiktalenten und einem einfühlsamen Dirigenten.