Adi Baumgartner ist glücklich, dass wieder etwas Normalität in seinen Alltag einkehrt. Denn gestern hat er wie viele andere Lehrpersonen den Präsenzunterricht wieder aufgenommen. «Es war keine einfache Zeit», sagt er bei einem Treffen mit hallowil.ch. Er musste nicht nur auf den persönlichen Kontakt zu seinen Musikschülern verzichten, sondern auch von einem auf den anderen Tag ein neues Unterrichtskonzept für sich und seine Schüler erstellen. «Bis zur Corona-Krise kannte ich weder Skype, Zoom noch Facetime», erzählt Baumgartner, der seit 22 Jahren als Schlagzeuglehrer an der Musik- und Kulturschule Hinterthurgau arbeitet. Innert kürzester Zeit habe er diese Apps nicht nur kennengelernt, sondern auch herausgefunden, wie man am besten mit ihnen einen lehrreichen Fernunterricht aufbaut. «Trotz allem haben sich daraus neue Möglichkeiten und Chancen entwickelt», sagt Baumgartner. Er denke nämlich, dass das Thema Online-Unterricht auch in Zukunft bedeutend mehr wahrgenommen werde. 

Wird es zum Einbruch von Neuanmeldungen kommen?

Schwierig und herausfordernd war die Zeit während des Lockdowns aber nicht nur wegen des Fernunterrichts. «Unsere jährlich stattfindenden Instrumentenberatung vor den Sommerferien wurden heuer alle gestrichen», erklärt Baumgartner, der an der Hinterthurgauer Musik- und Kulturschule in einem 40-Prozent-Pensum angestellt ist. Damit fehlen der Schule wichtige Neuanmeldungen, die sonst jedes Jahr nach der Instrumentenberatung erfolgen. «So können sich interessierte Kinder und Jugendliche schwierig über ein Instrument informieren und sich schlussendlich für das passende Instrument zu entscheiden. Vor der Corona-Krise zählte die Schule im Hinterthurgau 50 Lehrer und etwa 1000 Schüler. «Wir haben aber eben jedes Jahr Austritte, aber auch Neuanmeldungen.» Nun hofft Baumgartner, dass ihnen die Neuanmeldungen für das nächste Musikschuljahr nicht komplett wegfallen. «Während der Corona-Krise sind Musikschulen etwas in Vergessenheit geraten», findet er. 

 
(Video: Magdalena Ceak)

Überhaupt findet der erfahrene Musiker und Lehrer, dass in den vergangenen Wochen zu wenig über Musikschulen berichtet wurde. «Dabei ist das Thema Musik – gesellschaftlich und kulturell gesehen – bedeutend», betont Baumgartner. Musik sei genau gleich wie Sport, sie lebe von den sozialen Kontakten.

Krise als Chance sehen

Neben seiner Tätigkeit als Musiklehrer führt Baumgartner ein Fachgeschäft mit Musikinstrumenten an der Toggenburgerstrasse in Rickenbach. «Auch hier hat das Coronavirus alles verändert», sagt der Ladenbesitzer des «Musicum». Er habe trotz einbrechenden Einnahme das ganze positiv gesehen. «In der Not wird man kreativer, innovativer und tatkräftiger», ist er überzeugt. So habe er nicht nur seinen kleinen Online-Shop auf Vordermann gebracht, den zweistöckigen Laden geputzt, sondern auch einen neuen Service für seine Stammkunden angeboten. «Jede Krise bringt uns Menschen weiter», so Baumgartner.