Gespräche über konfessionelle und religiöse Grenzen hinweg.Die katholische Pfarr- und Kirchgemeinde, die evangelische Kirchgemeinde und die albanische Gemeinschaft haben zum gemeinsamen Besuch ihrer Kirche und Moschee eingeladen. In der Kirche St. Peter empfing Stadtpfarrer Roman Giger die grosse Schar interessierter Kirchgänger, danach folgte der Marsch zur Kreuzkirche mit Pfarrer Christoph Casty und Pfarrerin Greet Egli, und zuletzt lud uns Imam Bekim Alimi in die Moschee ein.

Gemeinsames Gebet
Aus der «Wiler Erklärung 2007» ist ein gemeinsames Gebet für Christen und Moslems entstanden, das an diesem Abend in den beiden Kirchen und in der Moschee von den Besuchern und den Religionsführern gemeinsam gelesen wurde.

Das Gemeinsame, das uns verbindet
In der Eröffnungsrede zum interreligiösen Dialog betonte Stadtpfarrer Roman Giger: «Wir schauen nicht auf das, was uns trennt, sondern auf das, was uns verbindet». Die Barmherzigkeit ist in der Bibel und im Koran ein zentrales Anliegen. Im Islam ist im Tiefsten die Barmherzigkeit Gottes. Im Christentum stand im Jahr 2016 die Barmherzigkeit im Zentrum. Im Evangelium stehen genau in der Mitte das Gleichnis vom verlorenen Schaf, das Gleichnis vom verlorenen Sohn und das Gleichnis von der verlorenen Drachme, denen die Barmherzigkeit Gottes mit der Vergebung der Sünden gemeinsam ist.

Die zehn Gebote
In der Kreuzkirche nahm Pfarrer Christoph Casty die Rolle der zehn Gebote auf, die einst auf Steintafeln geschrieben wurden und bei der Eroberung von Jerusalem verloren gingen. Auf die Frage, welches das Wichtigste Gebot ist, gibt das Markus Evangelium Antwort: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen. Und ebenso wichtig: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Die zehn Gebote im Koran
In der Moschee knüpfte Imam Bekim Alimi an die zehn Gebote an. Die zehn Gebote aus dem Alten Testament sind im Koran an verschiedenen Stellen mit vergleichbarem Sinn enthalten. Der Islam ist eine Religion mit wichtigen Werten und mit denen des Christentums vergleichbar.

Der Besuch der Moschee ist für diejenigen, die sie erstmals besuchten, eine ungewohnte Situation, da die Moschee ohne Schuhe betreten wird. Die Gläubigen treten gereinigt in den Gebetssaal ein uns beginnen mit dem Gebet. Die Schrift, die Sprache und die Rituale sind vielen christlich erzogenen Besuchern fremd. Es ist wichtig, sich gegenseitig kennen zu lernen um zu verstehen, dass wir ähnliche Werte mit ähnlichen Ritualen pflegen, und dass die Unterschiede keine Gegensätze oder Grenzen sind, sondern dass für alle gilt: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst».