Das war mal ein Schuss vor den Bug: Nach zwei Minuten lag der EC Wil in Rückstand, nach acht Minuten mit zwei Längen. Trainer Kevin Schüepp sah sich bereits gezwungen, sein Time-Out zu nehmen. Doch die Wiler schickten sich an, das Spiel zu drehen. Dank Treffern von Levin Schneider, dem Wiler Wil-Rückkehrer Alec Jäppinen und Yannick Stiefel glückte dies, bevor das zweite Drittel Vergangenheit war. Zwar konnten die Gäste aus Widnau noch vor der zweiten Sirene zum 3:3 ausgleichen. Die Gastgeber liessen sich aber nicht mehr vom Weg abbringen. Claudio Forrer erzielte im Schlussabschnitt einen lupenreinen Hattrick und stellte im Alleingang von 3:3 auf 6:3. Der Mist war geführt und die Wiler konnten sich in der vorletzten Minute einen verschossenen Penalty und einen Doppel-Pfostenschuss leisten. Im Schlussdrittel war Wil deutlich überlegen. Hatten da die Gäste die Kräfte verlassen? Immerhin waren sie bis am vergangenen Dienstag wegen eines Corona-Falls komplett in Quarantäne gewesen und hatten während zehn Tagen nicht trainieren können. Wie auch immer: Die Wiler steigerten sich im Schlussabschnitt. Das war nach harzigen zwei Dritteln aber auch nötig.

Neben dem Sportlichen interessierte der Corona-Rahmen: Die Spieler mussten in den Drittelspausen Masken tragen, die Zuschauer während der ganzen Aufenthaltszeit in der Eishalle Bergholz. Stehen war nicht erlaubt. Die Verpflegungs-Buvette blieb geschlossen, um in jenem Bereich nicht zu viele Leute zu haben. Auch jede zweite Sitzreihe war gesperrt. Dafür konnten sich alle Matchbesucher in der VIP-Lounge verpflegen. Auch dort waren die Zirkulationswege vorgegeben. Gewöhnungsbedürftig zwar. Aber man tut wohl gut daran, sich daran zu gewöhnen, da das Virus so bald nicht verschwinden dürfte.

Im Video: Dreifach-Torschütze Claudio Forrer bleibt bescheiden

 

Resultate, 1. Liga, Gruppe Ost, 1. Runde:
Wil – Rheintal 6:3
Bellinzona – Herisau 1:4
Burgdorf – Argovia 1:2
Frauenfeld – Luzern 11:0
Pikes Oberthurgau – Prättigau-Herrschaft 6:3
Wetzikon – Reinach 6:8

EC Wil – SC Rheintal 6:3 (1:2) (2:1) (3:0)
Tore: 3. Rozajac 0:1. 8. Adam 0:2. 11. Schneider 1:2. 22. Jäppinen 2:2. 36. Stiefel 3:2. 40. Adam 3:3. 46. Forrer 4:3. 54. Forrer 5:3. 60. Forrer 6:3.

Nächste Spiele (2. Runde):
Samstag, 26. September: Herisau – Burgdorf (17.30 Uhr), Luzern – Argovia (17.30 Uhr), Reinach – Pikes Oberthurgau (17.30 Uhr), Prättigau-Herrschaft – Wil (19.30 Uhr), Frauenfeld – Wetzikon (20.00 Uhr), Rheintal – Bellinzona (20.00 Uhr).

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Vorschau:

Die vergangene 1.-Liga-Hockey-Saison musste auf der Zielgeraden abgebrochen werden, weil im März das Coronavirus auch in der Schweiz ausgebrochen ist. Der EC Wil war zu jenem Zeitpunkt bereits ausgeschieden. Wenn er nun heute Sonntag wieder ins Geschehen der 1. Liga eingreift, wird das Virus nach wie vor präsent sein. Vor jedem Training und Spiel müssen die Spieler die Temperatur messen – kontaktlos. Ist alles gut, kann es losgehen. «Während der Vorbereitung mussten vier bis fünf Spieler auf das Coronavirus getestet werden. Nicht wegen Symptomen, aber weil sie im Familienumfeld oder bei der Arbeit mögliche Corona-Fälle hatten», sagt der neue EC-Wil-Sportchef Patrick Hohl. Die Tests fielen in allen Fällen negativ aus.

Nicht so beim SC Rheintal, der am Sonntag um 19 Uhr im Bergholz erster Gegner des EC Wil sein wird. In der Mannschaft der Widnauer gab es einen Corona-Fall, weshalb das Trainingslager in Innsbruck schon nach der Anreise abgebrochen werden musste. Die ganze Mannschaft stand anschliessend während zehn Tagen unter Quarantäne – bis am vergangenen Dienstag. Deshalb stellten die Rheintaler den Antrag, das Start-Spiel in Wil zu verschieben. Der EC Wil willigte ein, weshalb der erste Puck-Einwurf erst am Sonntag und nicht wie ursprünglich geplant am Samstag stattfindet. Ob die beiden Teams vollzählig antreten können, wird sich erst nach dem Temperaturmessen vor dem Spiel zeigen.

Weniger Zuschauer erlaubt

Aber auch während des Spiels ist das Thema Covid 19 präsent. Nur gerade für das Spiel selbst dürfen sich die Spieler der Maske entledigen. Heisst auch: In den beiden Drittelspausen gibt es in den Garderoben eine Maskenpflicht.

Die Zuschauer werden ebenfalls merken, dass das Coronavirus noch nicht verschwunden ist. Denn in der Eishalle Bergholz gilt eine Maskenpflicht für alle Matchbesucher. Zudem dürfen deutlich weniger Fans der Partie beiwohnen als sonst. Jede zweite Zuschauer-Reihe ist komplett gesperrt. Bei jeder weiteren Reihe ist zudem jeder zweite Sitz blockiert. Heisst auch: Das Fassungsvermögen im Bergholz ist deutlich tiefer als gewohnt. Da die Zuschauerzahlen in der vergangenen Saison aber tief waren, dürfte die verbleibende Kapazität in den meisten Fällen ausreichen.

Mannschaft auf 21,6 Jahre verjüngt

Zum Sportlichen: Beim EC Wil hat diesen Sommer ein Strategiewechsel stattgefunden. Das neue Trainerduo Kevin Schüepp/Ivo Frischknecht, welches vom EHC Frauenfeld kam, wurde geholt, um vornehmlich auf junge Spieler zu setzen. Die neue Mannschaft ist im Durchschnitt gerade einmal 21,6 Jahre alt. Ein erwünschter Nebeneffekt dieser Umstrukturierung: Die Lohnkosten konnten gesenkt werden. «Wir wollen Spieler, die in Wil Geld verdienen. Aber nicht mehr in dem Ausmass wie vorher», sagt Sportchef Patrick Hohl. Eine weitere Folge daraus: Es dürfte nicht mehr eine klar überlegene erste Linie geben wie in der vergangenen Saison. Angestrebt werden vier ausgeglichene Blöcke. Darum wurde das Team auf 20 Feldspieler aufgestockt. Ob die vielen Tore von Andreas Ambühl, Elia-Marius Mettler und Co. kompensiert werden können, wird sich weisen. «Wir streben nicht mehr fünf Tore pro Spiel an. Wenn wir aber weniger Treffer kassieren, reicht das trotzdem zu Siegen», sagt Hohl.

Und was ist die Zielsetzung für die neue Saison? Sie lautet schlicht und einfach: Playoff-Qualifikation, also mindestens Platz 8. Und danach ist bekanntlich alles möglich. In den vergangenen beiden Saisons war dann jeweils schon im Playoff-Viertelfinal Schluss – ohne einen einzigen Sieg geholt zu haben. Die Veränderungen dieses Sommers sieht man beim EC Wil als Projekt, das mehrere Jahre umspannt und den EC Wil mittelfristig vorne mitspielen lassen soll in der 1. Liga.