An der Hauptversammlung ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder für die Auflösung der FG erreicht worden. Die verbleibenden Vorstandsfrauen hatten lange nach Frauen gesucht, die Verantwortung übernehmen. Vergebens. Ende Jahr kommt das definitive Aus für den Verein.Es hat sie viel Kraft und Zeit gekostet, eine Lösung für die FG Niederuzwil-Uzwil zu finden. Die vier Vorstandsfrauen Daniela Graber, Heidi Raschle, Pia Metzger und Angela Hugentobler haben alles daran gesetzt, den Vorstand zu besetzen. Schliesslich mussten sie akzeptieren, dass sich niemand mehr engagieren will und haben die Konsequenzen gezogen. Um den Mitgliedern an der HV einen Antrag vorzulegen, den Verein per Ende Jahr aufzulösen, mussten sie nochmals viel Zeit investieren, um auch die rechtlichen Fragen zu klären und statutengemäss vorzugehen. Die Vorstandsfrauen selber empfanden die Annahme ihres Antrags schliesslich als Erleichterung.

Ein Ende und ein Neubeginn
76 Frauen nahmen an der letzten HV der FG statt. Mit ein paar wenigen Enthaltungen nahmen sie den Antrag des Vorstands an, den Verein aufzulösen. Ein zusätzlicher Antrag, der fristgerecht eingereicht worden war, rettet 5000 Franken aus der Kasse als Spende an die Kirchgemeinde mit dem Zweck, es für die verbleibenden selbständigen Gruppen, die aus der FG hervorgegangen sind, zu verwenden. Das restliche Vermögen wird fünf Jahre lang von der Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil eingefroren und im Falle einer Neugründung der FG wieder zur Verfügung gestellt; ansonsten geht es gemäss Statuten an den Katholischen Frauenbund St.Gallen-Appenzell. Die selbständigen Gruppen sind der «Chäferlichöck», die Liturgiegruppe, die Seniorennachmittage und der neu gebildete Spiel- und Plauschtreff, der jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr stattfindet und von 19.30 bis 21.30 Uhr. Zum ersten Mal findet am 1. Juni zudem ein Frauenpilgertag statt, zu dem jedes Jahr eingeladen werden soll. Dieses Jahr werden dabei gleichzeitig für das Gemeinde Duell Bewegungsminuten gesammelt.

Vernetzung erhalten
«Verbundenheit, Visionen gemeinsam verwirklichen, getragen werden, beheimatet sein», sind unter anderem Werte, die sich der Katholische Frauenbund auf die Fahne geschrieben hat. Werte, die in der Gesellschaft zunehmend verloren gehen und weil sie verloren gehen, leiden auch die Vereine darunter. Unverbindlichkeit, Individualismus, Gleichgültigkeit und mangelndes Interesse an der Gemeinschaft greifen um sich. Die Entwicklung hat schon lange begonnen und nach und nach zeigen sich die Resultate davon unter anderem bei den Vereinen, deren Mitglieder davonlaufen, die keinen Nachwuchs finden oder, wie im Fall der FG Niederuzwil-Uzwil, die aufgelöst werden müssen.
«Das soll nicht das Ende der Vernetzung und der Solidarität sein», sagte Präses Daniela Gremminger an der HV in Niederuzwil. Vielleicht liessen sich andere Formen finden, um Gemeinschaft zu pflegen. Die Untergruppen blieben bestehen und die Kirchgemeinde unterstütze diese auch weiterhin, versprach sie. «Es ist jedoch wichtig, sich über die eigene Familie hinaus zu vernetzen und sich gegenseitig zu stützen. Wir wollen den Gewinn der FG erhalten.» Dazu diene auch das Internet, um Informationen zu teilen.

Die Rolle der FG durch Jahrzehnte
Ein letztes Mal berichteten die Untergruppen von ihrer Arbeit. Ansonsten hatten keine Anlässe stattgefunden, weil sich der Verein ein Brachjahr gegeben hatte, um neue Ideen zu finden oder gar Lösungen, um das Vereinsschiff weiter auf Kurs zu halten. Nun läuft es Ende Jahr in den Hafen und der Vorstand geht zuletzt von Bord. «Die FG hat das Gemeindeleben mitgeprägt, sie war eine wichtige Institution, übernahm in früheren wichtige Aufgaben in der Pfarrei und war für die Frauen eine der wenigen Möglichkeiten, sich ausser Haus zu treffen. Die FG hat sich mit der Frauenrolle auseinandergesetzt und sich entwickelt, hat viel Freiwilligenarbeit geleistet und viele Anlässe organisiert», machte Heidi Raschle kurz vor der alles entscheidenden Abstimmung bewusst. Miranda Stäheli, Regionalvertreterin des Kantonalen Frauenbundes, übernahm es, den Antrag zu verlesen. «In die FG ist viel Herzblut gesteckt worden. Wer löst denn schon gerne einen Verein auf», verdeutlichte sie das Dilemma, das an diesem Abend im Raum stand. Niemand äusserte sich in der Diskussion, was wiederum den Präsidenten des Kirchenverwaltungsrates, Paul Gähwiler-Wick, erstaunte und enttäuschte. «Wenn Frauen nicht zusammenstehen, passiert nichts. Die Männer schenken ihnen nichts», meinte er.

Frauenpower weiterhin gefragt
Auch Christine Wirth-Angehrn, Gemeinderätin und Mitglied der FG, bedauerte, dass es zur Auflösung kommt. «Die Frauen haben schon viel erreicht, aber noch nicht genug», betonte sie. Sie ermutigte die Anwesenden, sich selber etwas zuzutrauen und sich zu engagieren, sich gegenseitig zu unterstützen und zu fördern. «Was passiert jetzt mit dem Frauenpower?», fragte sie in den Saal. Die FG Henau habe offene Türen, auch Parteien könnten davon profitieren und viele Vereine. Es laufe viel und man könne sich an verschiedenen Orten einbringen. Schliesslich machte sie auf das Gemeinde Duell von Ende Mai aufmerksam.
Mit Wehmut verabschiedete Daniela Gremminger die vier Vorstandsfrauen. Sie machte nochmals bewusst, welch enormer Effort sie in den letzten Monaten auf sich genommen haben, um alles korrekt zum Abschluss zu führen. Daniela Graber war acht Jahre lang im Vorstand und für das Kurswesen zuständig; Heidi Raschle vier Jahre als Kassierin, Angela Hugentobler vier Jahre als Verantwortliche für jegliche kreative Dekoration und Pia Metzger hat sich während drei Jahren beim Kinderzmorge engagiert. Sie verliess den Vorstand an der HV. Die andern drei Frauen bleiben bis Ende Jahr und bringen die wenigen Anlässe, die noch im Programm sind und nicht von den Untergruppen durchgeführt werden, über die Bühne und schliessen die Arbeiten für den Verein ab. Stehend schenkten die Anwesenden den Vorstandsfrauen einen lang anhaltenden Dankesapplaus. Emotionen spielten da natürlich mit.