Seit Beginn der Coronavirus-Krise befinden sich Betreuungseinrichtungen für Kinder in einer schwierigen Situation: Sie müssen als systemrelevante Einrichtungen den Betrieb aufrechterhalten. Gleichzeitig sind die Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder zuhause zu betreuen. Um Eltern und Einrichtungen finanziell zu entlasten, übernimmt die Stadt Wil die Kosten für die nicht genutzten Betreuungsplätze für Wiler Kinder. Die Finanzierung gilt rückwirkend ab Mitte März und erfolgt vorerst bis Ende April. Die betroffenen Eltern werden von ihren Betreuungseinrichtungen in den nächsten Tagen direkt informiert.

50'000 Franken stehen zur Verfügung

Die Unterstützung der Stadt Wil erlaubt es den Kitas und Tagesfamilien, den Eltern, die ihre Kinder aufgrund der Coronavirus-Krise selber betreuen, die Kosten für die Betreuung zu erlassen. Das Finanzierungsmodell gilt für subventionierte Plätze jener Einrichtungen, die eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt Wil haben. Kitas, die über keine Leistungsvereinbarung verfügen, können vorerst keine Finanzierungshilfen der Stadt in Anspruch nehmen. Bei Bedarf werden aber auch für diese Anbieter Lösungen geprüft.

Die Finanzierung der vollständigen Ertragsausfälle erfolgt im Sinne einer Vorfinanzierung und subsidiär. Es steht ein Betrag von 50‘000 Franken zur Verfügung. Allfällige übergeordnete finanzielle Unterstützung von Bund oder Kanton werden entsprechend verrechnet.

Offner Brief an den Stadtrat

Bereits am Dienstag hatte der Kanton St. Gallen informiert, dass Kitas nun auch beim Bund und Kanton finanzielle Hilfe als Überbrückung beantragen können, zum Beispiel mit zinslosen Darlehen. Zuvor hatte sich Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli (CVP) in dieser Thematik mit einem offenen Brief an die Stadtregierung gewandt. Auch die SP-Vertreterinnen Dora Luginbühl und Susanne Gähwiler hatten sich dafür eingesetzt. (sk/red)

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Wiler Kitas brauchen dringend Hilfe (6.4.)

Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli wählt in ihrem Offenen Brief an den Stadtrat deutliche Worte. Sie schreibt: «Die Stadt muss baldmöglichst Farbe bekennen und unbürokratisch helfen. Sonst dürfte sie bald vor der Situation stehen, die ausserfamiliäre Betreuung in Zukunft selbst auf die Beine stellen zu müssen. Die Betriebe auf dem Platz Wil benötigen jetzt ein Zeichen.»

Auslöser für diesen Brief ist die aktuelle Situation bei den Kindertagestäten (Kita). Sie sind systemrelevant und wurden darum vom St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker wiederholt aufgefordert, den Betrieb auch während der Corona-Krise fortzuführen. Das Problem: Kranke Kinder werden nicht mehr aufgenommen – oder Eltern wollen ihre Kinder nicht mehr in die Kita schicken. Recherchen von hallowil.ch zeigen, dass derzeit bei Wiler Kitas nicht einmal mehr die Hälfte der üblichen Betreuungszahlen erreicht werden.

«Baldmöglichst Farbe bekennen»

Dies bringt die Kitas in die Bredouille. Um den Betrieb abzusichern, sind Löhne und Mieten weiterzubezahlen. Die Eltern müssen sich auch finanziell beteiligen, wenn ihr Kind derzeit nicht fremdbetreut wird. Das sorgt bei diesen für Unmut, weil sie für etwas zahlen, das sich gar nicht in Anspruch nehmen. Die Argumentation der Kitas: Der Platz sei fix reserviert und könne nicht kurzfristig an ein anderes Kind vergeben werden. Auch berufstätige Personen würden bei Krankheit ihren Lohn bezahlt bekommen, obwohl sie dann keine Leistung erbringen können. Kündigen nun aber die Eltern die Verträge, sind die Existenzen der Kitas bedroht. Brigitte Gübeli schreibt im offenen Brief: «Dies führt zur gesellschaftlich inakzeptablen Situation, dass Eltern, die aktuell vielleicht auch stark belastet sind, die Aufrechterhaltung einer Grundversorgung finanzieren.»

Der Hilfeschrei nach staatlicher Unterstützung wird immer lauter. Am vergangenen Freitag hat es der Bundesrat aber unterlassen, den Kitas finanziell unter die Arme zu greifen – und den Ball den Kantonen und Gemeinden zugespielt. Das ist denn auch der Grund, warum Brigitte Gübeli nun den offenen Brief verfasst hat. Sie schreibt: «Da ich seitens Kanton bis anhin keine Anzeichen in diese Richtung vernommen habe, bitte ich unsere Stadt eindringlich und rasch, mit den paar wenigen Betrieben und Organisationen auf dem Platz Wil das Gespräch zu suchen und zumindest einen Unterstützungsbeitrag oder eine Defizitgarantie für die ausfallenden Einnahmen zu übernehmen. Wie wir alle wissen, war genau diese Branche schon vor der Krise nicht auf Rosen gebettet und das Wasser steht nun buchstäblich bis zum Hals.» Auch andere Massnahmen seien denkbar. «Kommt jetzt keine rasche finanzielle Unterstützung oder Absicherung seitens Stadt, sind auch alle Investitionen, die man vor der Krise in diese Betreuungsinstitutionen gesteckt hat, verloren», schreibt Brigitte Gübeli.

Stadt mit Kitas im Gespräch

Und was sagt die Stadt Wil? hallowil.ch hat im Zuge einer Recherche bereits Mitte vergangener Woche – also vor dem neuesten Bundesrats-Entscheid und auch vor dem offenen Brief Gübelis – beim zuständigen Stadtrat Dario Sulzer nachgefragt. Dieser sagte damals: «Die Stadt Wil ist mit den Kitas, die mit der Stadt eine Leistungsvereinbarung haben, im Gespräch bezüglich finanzieller Unterstützung. Dass Kita-Angebot ist sehr wichtig und muss auch nach der Krise bestehen können.» Die Massnahmen müssten aber mit allfälligen Unterstützungen von Bund und Kanton abgeglichen werden.