Am 11. Juni war der Zirkus Stey verspätet in die spezielle Tournee 2020 gestartet. Bis auf wenige Vorstellungen waren alle ausverkauft, der verordneten Kapazitätsgrenze entsprechend, mit Abständen. An verschieden Gastspielorten mussten Zusatzvorstellungen gegeben werden, um allen Gästen einen Besuch im Zirkus Stey zu ermöglichen.

Doch nun muss sich der Zirkus dem Coronavirus beugen. «Die hohen Infektionszahlen und Meldungen auf verschieden Kanälen haben zu einer grossen Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt, welche sich im Zirkus durch einen grossen Besucherschwund auswirkte. Die Direktion hat daher entschieden die Tournee 2020 per sofort zu beenden und die beiden Gastspiele in Aadorf sowie Neuhausen am Rheinfall abzusagen», schreibt der Zirkus Stey am Montag in einer Mitteilung. Somit waren die Vorstellungen in Wil, welche vergangene Woche stattgefunden haben, die letzten des Jahres. «Die im Kanton St. Gallen verordnete Maskenpflicht zeigte den Verantwortlichen, das dies für viele Besucher ein Hindernis ist und keine Lust auf Zirkus macht. Unzählige Anfragen für Stornierung der bereits gekauften Tickets erreichten den Zirkus bereits am Freitagabend. Trotz behördlich und ausreichendem Schutzkonzept kann die Direktion die Verantwortung in der aktuellen Situation mit vermehrten Infektionen nicht übernehmen», so der Zirkus Stey weiter. (pd/red)

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Bauchredner Marco Knittel zum Zirkus-Leben (15.10.20)

«Wir Artisten und Künstler brauchen die Bühne sowie das Publikum», sagt Marco Knittel, Wiler Bauchredner, Entertainer und Pressesprecher des Zirkus Stey, der nun von Donnerstag, 15. Oktober, bis Sonntag, 18. Oktober, Halt in Wil macht und auf dem Allmendplatz täglich jeweils zwei Vorstellungen zeigt. Ein Zirkus ohne Publikum? Das gebe es ja nur im Fernsehen. Umso glücklicher seien die Familie Stey und ihre Angestellten gewesen, als sie ihre diesjährige Tournee nach dem grossen Lockdown am 11. Juni fortsetzen konnten. «Die ersten Wochen im Lockdown waren dramatisch», erzählt Knittel, der sich nun vor allem über die sechs Aufführungen in seiner Heimatstadt Wil freut. Schliesslich seien alle Artisten und Künstler bereits für die Saison angereist und plötzlich seien sie in einem leeren Zirkuszelt gestanden. «Und dann kam das grosse Warten», so Knittel, der seit seiner Jugend mit dem Zirkus Stey unterwegs ist. Ein Artist könne nicht ohne die Manege. 

Auch wenn der Zirkus Stey von den 900 Sitzplätzen in seinem Zelt gerade einmal 270 Zuschauer pro Vorstellung hereinlassen darf, lässt sich der gesamte Zirkusbetrieb nicht unterkriegen. «Natürlich ist es diese Saison alles ein bisschen anders, aber unser Zirkus hat auch mit den ganzen verordneten Corona-Schutzmassnahmen einen guten Weg gefunden», ist Knittel überzeugt (mehr zum Thema Schutzmassnahmen im Zirkus siehe Artikel unten). So ist der Zirkus Stey heuer in jedem Ort von Mittwoch bis Sonntag sesshaft. «Das ist natürlich etwas stressfreier wie in den Jahren zuvor», erzählt Knittel offen. So mache der Zirkus pro Woche nur einen Halt in einem Ort. «In den Saisons davor haben wir unser Zelt an mehreren Orten auf- und wiederabgebaut», erzählt der Wiler Entertainer weiter.  

Mehr zur diesjährigen Zirkussaison im Video-Interview: 

 

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Heimspiel: Wiler Bauchredner Knittel gastiert mit Zirkus Stey in Wil (8.10.20):

«Stey bleibt Stey» – so heisst das aktuelle Programm des Schweizer Zirkus Stey. Und dieses verspricht bereits im Programmheft eine bunte Aufführung mit den unterschiedlichsten Showeinlagen. «Wir sind für unser internationales und abwechslungsreiches Zirkusprogramm bekannt», sagt Marco Knittel – Wiler Bauchredner und Entertainer –, der sich unter anderem auch um die Kommunikation des Traditionszirkus kümmert. Man setze vor allem auf Traditionen. So seien selbstverständlich Ponys, die zu den Lieblingen der Kinder zählen würden, auf dem Programm der Familie Stey. «Natürlich dürfen die Clowns im Zirkus Stey nicht fehlen», betont Knittel, «diese sind eine lange Tradition in unserem Zirkus.» So sei es der Direktion gelungen mit Luc aus dem Berner Oberland einen jungen Spassmacher zu engagieren. Dabei erklärt Knittel, dass es dem Zirkus Stey besonders «in diesem aussergewöhnlichen Corona-Jahr» wichtig ist, die Lachmuskeln der Menschen anzuregen. «Zu den Highlights gehören dieses Jahr sicher Yuri Veronica als Kunstschützen und Messerwerfer», ist Knittel überzeugt. Bei diesem Showakt handle es sich um eine alte Tradition, die nach Jahren wieder einmal im Stey zu sehen sei. 

Knittel selbst bedeutet der Auftritt in Wil besonders viel: «Wil ist meine Heimat, bei diesen Auftritten bin ich besonders nervös.» Gerade weil er hier so viele Menschen kenne und bei einem Besuch im Stey wieder treffe. Er freue sich aber auf diese Tage, weil seine Gastauftritte in Wil etwas Spezielles für ihn seien. 

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Marco Knittel, Wiler Bauchredner und Entertainer, freut sich darauf, dass er mit dem Zirkus Stey Halt in Wil macht. (Archivbild Magdalena Ceak)


So hat sich das Zirkusleben verändert

Auch wenn der Traditionszirkus seit dem 11. Juni wieder auf Tournee ist, hat sich – coronabedingt – einiges im Zirkusalltag verändert. «Wir durften während des Lockdowns nicht auftreten, also haben sich die Tourneedaten komplett verschoben», berichtet Knittel. Schliesslich sei man am 7. März in die aktuelle Saison gestartet, kurz danach kam der Lockdown. Die Artisten standen in der Manege und durften nicht auftreten. «Und ja, das Zirkusleben hat sich in den letzten Monaten verändert», erzählt der Wiler Entertainer. Man müsse ständig an die verordneten Schutzmassnahmen und die maximale Besucherzahl denken. «Die neue Organisation und Orientierung waren die grössten Herausforderungen.»

Aufgrund der Abstandregeln, die selbstverständlich auch im Zirkus eingehalten werden müssen, ist das Platzangebot im Zelt stark eingeschränkt. So wird interessierten Besucher empfohlen, unbedingt zu reservieren. Im Zirkus Stey gibt es zwar 900 Plätze, aktuell dürfen aber nur 270 Personen eine Aufführung sehen. «Es ist nicht einfach, wenn Zuschauer an der Kasse stehen und wir erklären müssen, dass wir komplett ausverkauft sind.» Auch ist der Zirkus verpflichtet die Kontaktdaten ihrer Besucher aufzunehmen. «Spontane Besucher werden aufgefordert, je Gruppe eine Kontaktkarte zu hinterlegen», heisst von der Kommunikationsabteilung. Hinzukommt, dass die Besucher ihren Platz im Zelt nicht selber wählen können. Alle Plätze seien nummeriert. Dafür herrscht während der Zirkus-Show keine Maskenpflicht. «Aber ein Abstand von zwei Metern muss eingehalten werden.» So dürfte von jeder Besuchergruppe jeweils nur eine Person vor der Show und in der Pause am Buffet anstehen.

Das Beste aus der Situation machen

Trotz der vielen Veränderungen und Corona-Schutzmassnahmen lassen sich die Artisten des Zirkus Stey nicht den Spass nehmen. «Nach dem Lockdown sind wir glücklich, dass wir die Tournee überhaupt fortsetzen dürfen», sagt Knittel. Alle Stey-Artisten machen aus der aktuellen Situation das Beste. «Egal, ob in einem vollen Zelt oder nur mit einem Dutzend Besucher – alle treten mit einer grossen Leidenschaft auf», so Knittel. Ihnen liege es am Herzen die Besucher zu unterhalten und vor allem: «zum Lachen zu bringen.» Dem Zirkus Stey liege es am Herzen, ein Zeichen zu setzen: Unter den Schutzmassnahmen und -regeln können wieder grössere Veranstaltungen stattfinden. Man merke, dass viele Menschen unsicher seien und vor der Pandemie Angst hätten.