Die Stimmung seitens des Verwaltungsrats und der Bankleitung der Raiffeisenbank Münchwilen-Toben war vor Jahresfrist an der Generalversammlung sehr optimistisch, fast ein bisschen euphorisch hinsichtlich der zur Abstimmung stehenden Fusion mit der Raiffeisenbank Wängi-Matzingen. Gemeinsam mit dem Fusionspartner sollte eine neue Zukunft beginnen, um mit einer idealen Grösse den Herausforderungen des Finanzmarkts, den Regularien der Finma und dem anstehenden Strukturwandel bei der Raiffeisen Schweiz begegnen zu können.

Nach dem Fusionsdebakel durch das Nein an der Generalversammlung von Wängi-Matzingen entschied sich Münchwilen-Tobel – gezwungenermassen – für die Vorwärtsstrategie „Selbständig in die Zukunft“. Um weiterhin auf dem eigenständigen Weg zu agieren, solle das nötige Wachstum durch eine Stärkung der Beratungskapazität, des Vertriebs, sowie der Erschliessung neuer Geschäftspotentiale sichergestellt werden, entschied der Verwaltungsrat. Dafür sei eine Reorganisation der Bankleitung notwendig. Entsprechend gedrückt wirkte die Stimmung an der diesjährigen Generalversammlung. Emotionale Spuren scheint die Zeit nach dem Fusions-Aus bei Bankleitung und Verwaltungsrat hinterlassen zu haben. Verflogen, die nach aussen strotzende Einigkeit und Harmonie. Nichts scheint wie bisher, trotz des weiterhin guten Geschäftsergebnisses im Jahr 2018 mit deutlichem Wachstums-Plus.

Viel frisches Blut in der Leitung

Im Herbst 2018 trat Verwaltungsratspräsident Stefan Blatter aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen zurück. Die Vertretung übernahm Vizepräsident Bruno Flück, der von der Generalversammlung bei zehn Gegenstimmen zum neuen Verwaltungsrats-Präsidenten gewählt wurde. Als Mitglied der Bankleitung bereits zurückgetreten ist Christian Sutter, der zum Ende 2019 seine vorzeitige Pensionierung anstrebt. Christian Konrad wird künftig als Mitglied der Bankleitung den Back-Office-Bereich verantworten. Ab Mai übernimmt Simon Dahinden den Vorsitz der Bankleitung, der die Fokussierung auf die Vermögensberatung bei der Raiffeisenbank Münchwilen-Tobel umsetzen soll. Bei seiner künftigen Tätigkeit wolle er Nachhaltigkeit und Mehrwert für die Bank erarbeiten, erklärte Dahinden an der Generalversammlung. In sämtlichen finanziellen Bereichen wolle die Bank Beratung anbieten, so der künftige Bankleiter. 


Zerfall der Zinsmargen geht weiter

Wie im Vorjahr war der weitere Zerfall der Zinsmargen eine Herausforderung und belaste den Erfolg des Zinsgeschäfts, dem bisherigen Hauptertragspfeiler der Raiffeisenbank Münchwilen-Tobel, erläuterte der amtierende Bankleiter Christian Konrad. Trotz Wachstum der Bilanzsumme um knapp drei Prozent auf knapp 580 Millionen Franken sank der Bruttoerfolg im Zinsgeschäft um 58’000 Franken auf rund 5,9 Millionen. Aufgrund von Wertberichtigungen schloss das Zinsgeschäft dennoch mit einem leichten Plus, erläuterte Konrad. Ebenfalls ein leichtes Ertragsplus erzielte das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft und das Handelsgeschäft. Die Ausleihungen an Kunden nahmen um über 17 Millionen Franken oder 3,5 Prozent zu und liegen über dem angestrebten Wachstum, so Konrad. Der Jahresgewinn sank aufgrund höherer Kosten um rund 10 Prozent auf knapp 909’000 Franken. Das Eigenkapital erhöhte sich auf 55,2 Millionen und übertrifft mit einer Gesamtkapitalquote von 21 Prozent die Basel III-Erfordernisse.

Die Generalversammlung genehmigte die Erfolgsrechnung 2018 und die Verzinsung der Anteilscheine mit 6 Prozent. Wiedergewählt in den Verwaltungsrat wurden die langjährigen Mitglieder Bernadette Camera, Kurt Hinder, Oliver Stöhr und Robert Bachmann. In einer Ersatzwahl wurde Cynthia Brändli aus Münchwilen in den Verwaltungsrat gewählt.

Hayo Eckert