Freitagnachmittag, ein Nebenplatz im Sportpark Bergholz. Der FC Wil und Austria Lustenau treffen in einem Vorbereitungsspiel aufeinander. 0:0 endet die Partie. Das Bemerkenswerte an diesem Test-Kick ist aber etwas ganz anderes: die Spielleitung. Nikolaj Hänni heisst der Schiedsrichter. Der Gamser gab 2007 sein Debüt in der Super League und ist seit 2011 FIFA-Schiedsrichter.

Seit vergangenem Oktober fehlt er aber auf den Schweizer Fussballplätzen, obwohl der 44-Jährige nicht zurückgetreten ist. Denn am 10. Oktober 2019 traf ihn aus heiterem Himmel die Diagnose Darmkrebs. «Sofort ist man im Rad», sagt Hänni rückblickend. Die Bestrahlung sei schmerzhaft gewesen. Die Chemotherapie, die bei ihm noch immer läuft, habe zwar Müdigkeit und körperliche Einbussen mit sich gebracht, sei sonst aber kein Problem gewesen. Geholfen hat ihm, dass bald die Kunde kam, der Krebs sei heilbar.

Noch fehlt es an Kondition

Keine elf Monate ist es her, seit Hänni die Diagnose Darmkrebs erhalten hat. Kurz zuvor hatte er das Auswärtsspiel des FC Wil in Vaduz gepfiffen. Es war sein bis dato letzte Spiel im Profifussball. Doch der 44-Jährige steht bereits wieder auf dem Rasen. Er pfiff vergangene Woche das Testspiel wischen dem FC Wil und Schaffhausen, und nun eben auch Wil gegen Lustenau. «Die Kondition ist noch nicht wie früher. Aber für ein Testspiel genügt sie», sagt Hänni.

Ein Jahr werde er brauchen, um den Krebs zu besiegen, hatte man ihm gesagt. Darum fasste und fasst Hänni ins Auge, im Oktober oder spätestens November wieder auf in den höchsten beiden Ligen des Landes im Einsatz zu stehen. Allzu viele Partien werden es aber nicht mehr auf höchster Stufe. Denn im nächsten Sommer hat er das Schiedsrichter-Pensionsalter erreicht. Der Werdenberger will dem Fussball als Video-Schiedsrichter erhalten bleiben. Als Abschiedsspiel wünscht sich Hänni zuvor explizit nicht ein ganz grosses Spiel wie Basel gegen YB. Da wäre ihm die Gefahr zu gross, noch einen dummen Fehler zu machen, der dann für immer haften bleibt. Bis es soweit ist, will er vor allem eines: die Spiele geniessen.

Erst in fünf Jahren Gewissheit

Ist Hänni mittlerweile geheilt? Auch wenn es gut aussieht, so wird es noch eine ganze Weile dauern, bis er den Krebs offiziell besiegt hat. Die Ärzte geben jeweils erst fünf Jahre nach der Gesundung offiziell Entwarnung.

Sehen Sie im grossen hallowil.ch-Video-Interview, was Nikolaj Hänni die Kraft gegeben hat, schnell auf die grosse Fussball-Bühne zurückzukehren.

Im Video: Nikolaj Hänni über seine Krankheit