Der erste Erfolg war ein alter Turm. Der erste Vorstoss, der dank der Überzeugungsarbeit der parlamentarischen Arbeitsgruppe Kulturpolitik durchs Parlament gebracht wurde, war  Sebastian Kollers (Grüne Prowil) Motion zur Umnutzung der Liegenschaft «zum Turm» an der Tonhallestrasse. Als die Parlamentsgruppe vor einem Jahr gegründet wurde, wurden «Ausgewogene politische Vorlagen für die Kultur» als Ziel ausgegeben.  Der politische Vorstoss zum «Turm» beauftragt den Stadtrat, ein Konzept zur Umnutzung des Gebäudekomplexes in ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum zu erarbeiten. «Ich hoffe, dass es da vorwärts geht», sagt Erwin Böhi, Leiter der Arbeitsgruppe. Es sei zudem wichtig, dass mögliche Nutzer des Turms in den Prozess eingebunden werden, so Böhi. Also Kulturschaffende, Vereine, die Musikschule, Chöre, Theater, aber auch mögliche Betreiber einer Beiz. 

Die Arbeitsgruppe ist parteiübergreifend abgestützt. Folgende Politikerinnen und Politiker gehören ihr an: Erwin Böhi (SVP; Leitung), Brigitte Gübeli (CVP), Ursula Egli (SVP), Marcel Malgaroli (FDP), Christof Kälin (SP), Michael Sarbach (Grüne Prowil), Sebastian Koller (Grüne Prowil, Präsident IG Kultur Wil) sowie Adrian Zeller (beratende Funktion). Über den Prozess, die Motion parteiübergreifend mehrheitsfähig zu machen sagt Böhi: «Es war politische Knochenarbeit, auch innerhalb einzelner Fraktionen.» 

Das Engagement lohnte sich: Mit 25 Ja zu 9 Nein wurde die Motion am 12. März an den Stadtrat überwiesen. Wie in allen parlamentarischen Gruppen und Kommissionen sei es auch in der Arbeitsgruppe Kulturpolitik manchmal schwierig, einen Konsens zu finden. «Die SVP hat manchmal eine andere Auffassung von Kultur als die Grünen oder die SP», sagt Erwin Böhm. Und trotzdem: Wenn ein Projekt der Stadt Wil zugute komme, würden die Mitglieder der Arbeitsgruppe jeweils schnell an einem Strick ziehen. «Die Differenzen zeigen sich eher auf der ideologischen Ebene als bei konkreten Sachthemen.»

Post inside
Der SVP-Parlamentarier Erwin Böhi leitet die Arbeitsgruppe Kulturpolitik. Auch Parlamentsmitglieder der Grünen, der CVP, der SP, der FDP und Parteilose sind dabei.


Mehrheiten für Kulturprojekte schaffen

Es habe sich gezeigt, dass sich mit einer parlamentarischen Arbeitsgruppe Vorschläge für kulturelle Anliegen gefunden werden können, die fraktionsübergreifend mehrheitsfähig sind, so Erwin Böhi. «Die Chancen, dass kulturpolitische Vorlagen im Stadtparlament Zustimmung erhalten, steigen, wenn sie bereits im Vorfeld möglichst mehrheitsfähig bearbeitet werden.» Auf diese Weise könnten lange Debatten abgekürzt werden. 

Die positive Erfahrung mit der Motion «zum Turm» habe die Arbeitsgruppe motiviert, weitere Kultur-Anliegen, etwa im Bereich der Infrastruktur, anzugehen. Als Beispiel nennt Böhi eine mobile Tribüne, die Vereine und Kulturveranstalter für Anlässe mieten könnten. Entsprechende Vorschläge des Stadtrats seien vom Parlament schon zwei Mal abgelehnt worden, sagt Erwin Böhi. Diesem oder ähnlichen Themen könnte sich die Arbeitsgruppe annehmen und es so vorbereiten, dass die Chance auf eine Mehrheit im Parlament besteht, «immer vorausgesetzt, es gibt ein Bedürfnis dafür». Die Vorschläge der Exekutive vorgängig zu beraten, sei eine der Aufgaben der Arbeitsgruppe. Dazu befinde man sich in ständigem Austausch mit Kulturschaffenden und Vereinen in der Region. Gemäss Böhi trifft sich das Gremium zwei bis drei Mal pro Jahr, um verschiedene Anliegen in praktikable Anträge vorzubereiten. (pd/red)