Da kommt einiges zusammen. «Er hat immer und immer wieder delinquiert, bis er schliesslich festgenommen wurde», sagte die Staatsanwältin vor dem Kreisgericht Wil in Flawil. Gleich mehrfach soll der Angeklagte zwischen 2016 und 2019 in Wil ausfällig und gewalttätig geworden sein – wiederholt auch gegen Beamte. So zum Beispiel beim Sportplatz Lindenhof, als es zu einem Faustkampf kam. Dass er dort auch gespuckt und Erniedrigungen ausgestossen haben soll, wies der Angeklagte vor dem Richter von sich. Wie auch so manch anderes bei späteren Zwischenfällen. Diese spielten sich wiederholt auf dem Bahnhofplatz Wil ab.

So zum Beispiel im Oktober 2016, als es unmittelbar vor dem «Avec» zu einer Schlägerei kam. Auf Bildern einer Überwachungskameras ist zu sehen, wie der Beschuldigte mit Faustschlägen und Fusstritten zuschlägt. Dies sei jedoch nur der Schluss der Szene gewesen, hielten Angeklagter und dessen Verteidiger fest. «Ich wurde gewürgt und habe mindestens zehn Fäuste ins Gesicht bekommen, bis ich mich zu wehren begann. Es war wie in einem Film. Ich kann das nicht erklären», sagte der Mann aus Serbien. Der Verteidiger ergänzte: «Alle Schläge meines Mandanten haben innerhalb von vier Sekunden stattgefunden. Er hat sich nur gewehrt.»

Angeklagter hört Stimmen

Später geriet der Beschuldigte mehrfach mit Ordnungshütern in Konflikt. Dabei soll er Polizisten gestossen, beschimpft, bespuckt und gar in den Schritt gefasst haben. An viele dieser Zwischenfälle konnte sich der der 39-Jährige vor Gericht nicht mehr erinnern.

Der Beschuldigte machte vor Schranken einen ruhigen Eindruck. Angesprochen auf ein psychiatrisches Gutachten zu seiner Person, sagte der Angeklagte: «Wenn ich das lese, bekomme ich ein Durcheinander. Ich versuchte, die Symptome zu verdrängen. Durch äussere Einflüsse habe ich aber innerlich zu spinnen begonnen. Ich höre Stimmen, die mich leiten. Leute wollen mir etwas antun.» Er wünscht sich, «dass diese Stimmen endlich aufhören und ich ruhig auf Situationen reagieren kann».

Verteidiger fordert viele Freisprüche

Im Rahmen der Verhandlung hielt die Staatsanwältin an ihren Anträgen fest: Das sind drei Jahre Haft, die zugunsten einer stationären, therapeutischen Massnahme aufgeschoben werden sollen. Neben einer Geldstrafe von 1800 Franken und einer Busse von 150 Franken sollen auch ein Rayonverbot am Bahnhof Wil für fünf Jahre und ein Landesverweis für acht Jahre ausgesprochen werden.

Anders sah es der Verteidiger. Dieser forderte in vielen Punkten Freispruch. Über blieb lediglich bei ihm eine Geldstrafe von 300 Franken und eine Busse von 100 Franken – bedingt. Auf das Rayon- und Landesverbot sei zu verzichten, dafür eine ambulante, therapeutische Massnahme anzuordnen.

Warum es einen Landesverweis absetzt

Das Gericht folgte in fast allen Punkten den Anträgen der Staatsanwaltschaft und sprach eine dreijährige Haftstrafe aus. Ins Gefängnis muss der Mann vorerst nicht, da eine stationäre Therapie angeordnet wurde. Zudem hat er eine Geldstrafe von 1800 Franken und eine Busse von 150 Franken zu bezahlen. Ferner muss der Verurteilte das Land für acht Jahre verlasen, da aus der Sicht des Gerichts kein Härtefall vorliegt. Auf die Verhängung eines Rayonverbots am Bahnhof Wil verzichtete der Richter.

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Vorschau auf die Verhandlung:

Der Bahnhofplatz ist keine gute Visitenkarte für die Stadt Wil. Immer wieder kommt es – vor allem im Sommer – zu Zwischenfällen. Viele Leute fühlen sich nicht sicher. Für einige der Pöbeleien und Schlägereien könnte ein heute 39-jähriger Serbe verantwortlich sein, der sich am Dienstag vor dem Kreisgericht Wil in Flawil verantworten muss.

Lesen Sie hier, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft:

  • 24. September 2016: Beim Sportplatz Lindenhof soll er eine Schlägerei angezettelt haben. Und zwar mit einem Mann, der ihm verbieten wollte, alleine mit der Ex-Freundin zu sprechen. Auch Spucken und Erniedrigungen gehörten dazu.
  • 21. Oktober 2016: Nach einer verbalen Auseinandersetzung im «Kaktus» an der Toggenburgerstrasse verlagerte sich das Geschehen an den Bahnhof. Der Beschuldigte trat einen Mann bewusstlos. «Versuchte schwere Körperverletzung» nennt es die Staatsanwaltschaft.
  • 7. Juli 2017: Der Angeklagte schreit vor dem «Avec» am Bahnhof Wil herum und zeigt anderen Personen den Mittelfinger. Schon am Vorabend war er negativ aufgefallen. Die Konsequenz: Eine schriftliche Verweisung vom Bahnhof Wil.
  • 24. März 2018: Es kommt zu einer tätlichen Auseinandersetzung beim Bahnhof Wil, an welcher der Beschuldigte beteiligt ist. Da dieser sich nicht beruhigen lässt, wird er vorläufig festgenommen. Bei einer durch die Polizei angeordneten Leibesvisitation spuckt er einem Polizisten ins Gesicht.
  • 22. März 2019: Nächste Pöbelei am Bahnhof Wil bei aufgeheizter Stimmung. Der Beschuldigte wird als Folge davon für 24 Stunden vom Bahnhof weggewiesen, da er kein Bahn-Billett dabeihat. Er hatte zuvor Polizisten übel verbal beschimpft und ihnen den Mittelfinger gezeigt. Die Wegweisung vom Bahnhof interpretiert er mehr als Vorschlag denn als Weisung und wird später wieder am Bahnhof angetroffen.
  • 13. Juli 2019: Obwohl der arbeitslose Serbe seit dem 3. Mai 2019 Hausverbot im «Avec» hat, betritt er diesen.
  • 2. November 2019: Der Beschuldigte ist betrunken am Bahnhof Wil. Er wird von der Polizei angehalten und klopft mit den Fäusten auf das Polizeiauto. Die Stimmung schwankt zwischen weinerlich bis aggressiv. Es kommt zum Streit mit der Polizei. Der Beschuldigte fasst einem Polizisten in den Schritt und spricht später eine Morddrohung gegen einen Ordnungshüter aus.

Bahnhofs-Verbot und Landesverweis beantragt

Dies ist die Sicht der Dinge der Staatsanwaltschaft. Wie es wirklich war, soll am Dienstag vor dem Kreisgericht Wil in Flawil herausgefunden werden. Die Hauptverhandlung ist nicht öffentlich und findet im Lindensaal statt, um die Vorgaben des Bundesrates zur Eindämmung des Coronavirus zumindest einigermassen erfüllen zu können.

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Wie schon vergangene Woche wird im für die Öffentlichkeit geschlossenen Lindensaal in Flawil verhandelt.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann aus Serbien eine dreijährige Freiheitsstrafe, die zugunsten einer stationären, therapeutischen Massnahme aufgeschoben werden soll. Zudem soll dem Mann eine Geldstrafe von 1800 Franken und eine Busse von 150 Franken auferlegt werden. Das Wiler Bahnhofareal soll er für fünf Jahre nicht mehr betreten dürfen, ausser er nimmt einen Zug. Auch eine achtjährige Landesverweisung gehört zu den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Bis zu einer allfälligen, rechtskräftigen Verurteilung gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.