Es sind happige Sätze und gar Morddrohungen, die unter dem Pseudonym «lini_bini¬_bikini» via Social Media abgesetzt wurden. «Ich werde deine ganze Familie vernichten.» Oder: «Ich werde alles tun, damit du stirbst.» Oder: «Ich werde dir an die Gurgel gehen.» Nicht nur eine Jugendliche wurde mit dem Tod bedroht, sondern deren ganze Familie – und gar der Hund. Diese Einträge sind vor ziemlich genau zwei Jahren verfasst worden und gehen auf Mai 2017 zurück. Zugrunde liegt ein heftiger Streit zwischen zwei Mädchen.

In der Zwischenzeit hat sich die Justiz damit beschäftigt. Vor einem Jahr gab es einen Strafbefehl. Das Gerichts-Urteil hat der Vater des Mobbing-Opfers in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Uzwil wenn ..» vor ein paar Tagen zumindest in Auszügen öffentlich gemacht. Die vermeintliche Verfasserin dieser Mobbing-Nachrichten wurde freigesprochen – in dubio pro reo. Dem Mädchen konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, die Nachrichten selbst verschickt zu haben, da sie ihr Handy nicht gesperrt hatte. Steckt allenfalls ihre Schwester dahinter?

Vater wurde verurteilt

Doch die Sache ist noch nicht ausgestanden. «Die Staatsanwältin gibt mir nun nochmals zwölf Monate Zeit, um neue Beweise oder Zeugen zu bringen, die mehr über die Morddrohungen wissen», schreibt der Vater in der besagte Facebook-Gruppe. Und mehr noch: Er bietet einen Lohn von 2000 Franken, wenn jemand Informationen liefern kann, die schliesslich zu einer Anklage oder eine Verurteilung führen. «So viel Belohnung gibt es nicht einmal bei Aktenzeichen XY für einen Mordfall», schreibt der Vater. Und weiter: «Ich bin es meiner Tochter schuldig, dass der Fall restlos aufgeklärt wird.»

Pikantes Detail: Der Vater selbst wurde vom Gericht unlängst zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er die Feindin seiner Tochter beleidigt hat, wie der «Blick» am Dienstagabend in seiner Online-Ausgabe berichtet. Dieser Zwischenfall ereignete sich nur wenige Stunden, bevor die Drohungen auf Social Media ausgesprochen wurden. «Ich frage mich, wo die Gerechtigkeit bleibt», so der Vater.

Warum die Polizei nicht erfreut ist

Alles andere als glücklich ob dem Vorgehen des Mannes ist die Kantonspolizei. Auf Anfrage von hallowil.ch sagt Polizeisprecher Florian Schneider: «Über private Fahndungsaufrufe auf Social Media sind wir ganz grundsätzlich nicht erfreut. Sie sind Sache der Strafverfolgungs-Behörden. Das Problem ist, dass Privatpersonen unter Umständen nicht adäquat auf Rückmeldungen reagieren können, insbesondere wenn der Fall zeitlich kritisch ist.»