Es sind die lauen Abende wie in dieser Woche, an denen es sich auch am Bahnhof Wil gut leben lässt. Oder eben nicht. Ein Mann, der seine Freundin auf den Zug bringen wollte, landete in der Nacht auf den vergangenen Samstag im Spital. Er wollte eine sich zuspitzende Situation klären und schlichten. Die Zivilcourage wurde mit einer Flasche über den Kopf «belohnt» - und mit sechs Stichen beim Nähen. Wie das Opfer gegenüber hallowil.ch sagt, sind die sechs jungen Täter betrunken gewesen. Womit die Diskussion um ein Alkoholverbot auf dem Bahnhofs-Areal neu befeuert wird.

Ein solches hat SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi mit einem politischen Vorstoss lanciert. Jedoch gibt es selbst innerhalb der eigenen Partei kritische Stimmen. Auch das Opfer vom vergangenen Wochenende spricht sich gegen ein solches Verbot aus. «Wenn es auf dem Bahnhofplatz verboten wird, dann trinken diese Leute sonst irgendwo. Es gibt genügend Orte in Wil. Wenn sie betrunken sind, kommen sie wieder an den Bahnhof», sagt der angegriffene Mann gegenüber hallowil.ch.

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So hat hallowil.ch über die Gewalttat berichtet (26.8.):

Der Bahnhof Wil kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen. In der Nacht zum Samstag ereignete sich nicht zum ersten Mal in diesem Sommer ein Gewaltdelikt. Ein Mann berichtet auf Facebook, er habe nachts um 23.30 Uhr eine Kollegin an den Bahnhof bringen wollen und dabei beobachtet, wie sechs «Junge Schnaufer» im Alter zwischen 16 und 20 Jahren einen etwa 40-jährigen Mann angepöbelt hätten. «Ich bin dazwischen gegangen und habe eine Flasche über den Kopf gezogen bekommen», schreibt der Mann auf Social Media. Die gewalttätigen jungen Männer seien dann abgehauen – und auch vom 40-jährigen Mann fehle jede Spur. Seine Verletzungen am Kopf, welche die Flasche angerichtet hat, mussten im Spital mit sechs Stichen genäht erden.

Der Zwischenfall wurde bei der Polizei angezeigt. Diese bestätigt einen Zwischenfall. «Es muss sich um eine tätliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen gehandelt haben. Die Ermittlungen nach den Tätern sind noch im Gange», sagt Polizeisprecher Bertrand Hug gegenüber hallowil.ch.

Kommt nun das Alkoholverbot?

Bereits zum zweiten Mal in diesem Sommer kommt es am Bahnhof Wil zu einem Gewaltdelikt. Im Juni war es zu einer Massenschlägerei unter Männern gekommen. Damals waren auch vier Jugendliche involviert gewesen. Ein 50-jähriger Mann hatte mit unbestimmten Verletzungen ins Spital gebracht werden müssen. Vor ziemlich genau einem Jahr war der Avec-Kiosk überfallen worden. Der Mann konnte ermittelt werden und ist mittlerweile vom Kreisgericht Wil zu einer 28-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem muss er das Land für sechs Jahre verlassen.

Die Forderungen nach Massnahmen dürften nun lauter werden. Bis anhin hatte es stets geheissen, lediglich das «subjektive Sicherheitsempfinden» sei tief. Will heissen: Man fühlt sich auf dem Bahnhofsplatz unsicher, aber es passiert nichts. Im Juli hatte sich die SVP kontrovers in die Diskussion eingebracht. Stadtparlamentarier Erwin Böhi fordert in einem politischen Vorstoss ein generelles Alkoholverbot für das gesamte Bahnhofsareal. Diese Forderung dürfte nun neu diskutiert werden. Zumal das Opfer von Freitagabend berichtet, die «Jungen Schnaufer» seien betrunken gewesen.

Die Antwort des Stadtrates auf Böhis Forderung steht noch aus. Geantwortet hat dafür Parteikollege Lukas Reimann. Der SVP-Nationalrat aus Wil hält nichts von dieser Idee und will ein Botellon – also eine öffentlichen Trinkveranstaltung – a uf dem Bahnhofplatz veranstalten, sollte das Alkoholverbot Realität werden.