Die Freude ist ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Während der offiziellen Eröffnungsfeier der Umfahrungsstrasse Bütschwil, die nach einer sechsjährigen Bauzeit am Donnerstagabend dem Verkehr übergeben wird, zeigt sich Gemeindepräsident Karl Brändle glücklich und allem voran stolz. «Lange haben wir auf diese Umfahrungsstrasse gewartet», betont er gleich zu Beginn gegenüber hallowil.ch. «Es ist ein historischer Moment», fügt er gleich hinzu. Er selbst sei vom Bau begeistert. Nun blicke er der Zukunft seiner Gemeinde positiv entgegen. Noch mehr freue er sich auch über den prominenten Besuch am grossen Eröffnungstag: Denn Bütschwil feiert nicht alleine – Regierungsrätin Susanne Hartmann mit dem St. Galler Baudepartement, verschiedene Vertreter der Behörden, Politik aber auch Bauunternehmen sind dabei. 

Nach Angaben der St. Galler Staatskanzlei sollen die ersten Fahrzeuge ab 19.15 Uhr über die neue Strasse rollen. Doch was muss man eigentlich alles über die neue Umfahrungsstrasse im Toggenburg, von der sich die Gemeinde Bütschwil vor allem weniger Verkehr erhofft, wissen? Die Umfahrung ist rund 3,8 Kilometer lang und erstreckt sich vom Anschluss Engi bis zum Anschluss Neudietfurt. Nebst dem Trassebau erstellte das Baudepartement vier Tagbautunnel und drei Brücken mit einer Gesamtlänge von rund 1,5 Kilometern beziehungsweise 200 Metern. Laut Gemeindepräsident fuhren bisher jeden Tag durchschnittlich 16 000 Fahrzeuge durch Bütschwil. Beim Kanton, der 200 Millionen Franken in das ganze Bauprojekt investiert hatte, geht man nun davon aus, dass sich diese Zahl künftig «um mehr als 50 Prozent reduzieren wird». Die Umfahrungsstrasse wird in Zukunft nicht nur den Dorfkern vom Durchgangsverkehr entlasten, für die Bevölkerung wird es auch spürbar zu weniger Lärm, Erschütterungen und Luftschadstoffen kommen. 

«Für die Umfahrung wurden 350 000 Kubikmeter Erde ausgehoben, wovon fast die Hälfte wiederverwendet wurde», teilt die St. Galler Staatskanzlei in einer Medienmitteilung mit. Weiter seien 1700 Bohrpfähle und 90 000 Kubikmeter Beton zum Einsatz gekommen. «Bei der Realisierung wurde bestmöglich Rücksicht auf Landschaft, Natur, Gewässer und Umwelt genommen», wird von Seiten des Kantons versprochen. Massnahmen zum Schutz der Umwelt seien zum Beispiel Ersatzaufforstungen, ökologische Aufwertungsmassnahmen entlang der Thur oder Lärmschutzmassnahmen.

 
(Video Magdalena Ceak)

«Am Ende einer sehr belastenden Zeit»

Gemeindepräsident Brändle erklärt, dass er sich nun auf der Strasse sicherer fühlen wird. «Denn ich bin oft mit dem Velo unterwegs», so Brändle. Schliesslich geht man bei weniger Verkehr davon aus, dass das Unfallrisiko für Fussgänger und Velofahrer abnehmen wird. In seiner Ansprache während der Eröffnungsfeier betont Brändle, dass Bütschwil in der seit dem Jahr 2011 geführten Unfallstatistik «die absolute Spitze» ist. Im Unfallatlas gehöre Bütschwil regelmässig zu jenen 25 Schweizer Gemeinden, in der sich insgesamt am meisten Unfälle ereignen. «Nun stehen wir am Ende einer sehr belastenden Zeit», sagt Brändle, der das Projekt seit seinem Amtsantritt im Jahr 2003 begleitet hatte. 

Wie dringlich, die Umfahrungsstrasse für die Gemeinde Bütschwil war, hat auch Regierungsrätin und ehemalige Wiler Stadtpräsidentin erfahren. «Die Strecke von Wil nach Wattwil ist mir vor allem aus meiner Ausbildung zur Primarlehrerin in guter Erinnerung», erzählt sie in ihrer offiziellen Ansprache. Die wartenden Autos an der Bahnschranke in Bütschwil habe sie immer aus dem Zug gut sehen können. Als ehemalige Pendlerin sei ihr der Leidensdruck der Bütschwiler ein Begriff. Eines ist bereits jetzt klar: Mit der Eröffnung der Umfahrung Bütschwil wird das Toggenburg verkehrlich besser erschlossen. «Die letzte Lücke im Toggenburger Umfahrungsnetz kann mit der im Herbst 2022 geplanten Eröffnung der zweiten Etappe der Umfahrung Wattwil geschlossen werden», informiert Hartmann. 

An dieser Stelle wird im Laufe des Abends ein Video mit Interviews mit Bütschwils Gemeindepräsident Karl Brändle und Regierungsrätin Susanne Hartmann erscheinen.