Die Nachfolgeregelung sei ein anspruchsvoller Prozess und manchmal sogar die schwierigste Aufgabe, die ein Unternehmer zu lösen habe, stellte Patrick Schiegg, Leiter des Clientis-Beratungszentrums, zu Beginn der Informationsveranstaltung fest. Etliche Inhaber eines KMU nahmen die Gelegenheit wahr, sich durch einen Rechtsanwalt und einen Treuhänder Ratschläge zur Bewältigung dieser Aufgabe geben zu lassen.Die Clientis Bank Oberuzwil mit einem Beratungszentrum in Uzwil führt regelmässig Informationsveranstaltungen für ihre Kunden durch. Der aktuelle Anlass richtete sich an einen speziellen Kundenkreis: an Inhaber von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Thema war die möglichst reibungsfreie Regelung der Betriebsnachfolge.

Für die Allgemeinheit von Bedeutung
Der Kreis der Angesprochenen war damit nicht allzu gross. Wie die Nachfolgereglung erfolgt, ist aber über die Firmen hinaus von Interesse und Bedeutung. Davon können die wirtschaftliche Zukunft und oft der Weiterbestand von vielen Arbeitsplätzen abhangen.

Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet
Patrick Schiegg wartete mit konkreten Fakten und Zahlen auf. In den nächsten fünf Jahren stünden in der Schweiz zwischen 47'000 und 62’500 Unternehmen mit rund einer halben Million Arbeitsplätzen zur Übertragung an. Nur jeder dritte KMU-Betrieb schaffe den Übergang von der ersten auf die zweite Generation. Der Wechsel von der zweiten auf die dritte Generation funktioniere sogar nur noch bei jedem zehnten Unternehmen.

Als konkrete wirtschaftliche Auswirkung dieser Tatsache könnten gemäss den Ausführungen von Patrick Schiegg in den kommenden fünf Jahren wegen gescheiterter Unternehmensnachfolgen rund 70‘000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Rechtzeitig in Angriff nehmen
Was zu einem reibungsfreien Übergang beitragen und Arbeitsplatzverluste verhindern kann, zeigten Rechtsanwalt Dieter Kunz und Treuhänder Martin Brenner auf. Wobei sie allerdings gleich zu Beginn darauf hinwiesen, dass jeder Einzelfall Besonderheiten aufweise und es darum keine Patentrezepte gebe. Einen Tipp aber gaben die beiden Experten übereinstimmend: die Nachfolgeregelung sollte frühzeitig angegangen werden.

Im Alltagsstress scheine dies meist keine vordringliche Aufgabe. Wenn sie dann aber aus irgendeinem Grund überraschend gelöst werden müsse, kämen meistens Probleme zum Vorschein.

Nachfolger muss aktionsfähig sein
Dieter Kunz wies auf die wichtigsten Massnahmen hin, welche bei einer familieninternen oder externen Nachfolge getroffen werden müssten. Familienintern sollte das erbrechtliche Problem so gelöst werden, dass der Nachfolger begünstigt und in der selbständigen Führung des Unternehmens nicht allzu stark eingeschränkt werde. Weitere Erbberechtigte dürfte aber nicht ungebührlich benachteiligt werden.

Martin Brenner beleuchtete die Situation aus finanzieller, rechtlicher und steuerlicher Sicht. Sein wichtigster Hinweis: Einzelunternehmen sollte in eine Kapitalgesellschaft (Aktiengesellschaft oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung) umgewandelt werden. Die Mehrheit der Anteile müsse auf den Nachfolger übergehen.