Nachdem uns User via Facebook darauf aufmerksam gemacht haben, dass ein Luftfilter nicht im Auspuff montiert wird (siehe unten «so hat hallowil.ch bisher berichtet»), hat hallowil.ch bei der Kapo SG nachgehakt. Polizeisprecher Pascal Häderli gibt Auskunft: Es sei in der Tat nicht korrekt, dass der Filter «im Auspuff» montiert würde, vielmehr habe es sich um einen «typenfremden Sportluftfilter» gehandelt, der beim Fahrer beanstandet worden war. Daneben sei er eben durch seine Fahrweise auf der Weststrasse bereits aufgefallen.

So gibt es denn auch den Grundsatz im Strassenverkehrsrecht, dass man gerade innerorts keine unnötigen Fahrten unternehme. Pascal Häderli: «Die Fahrten müssen auf ein Minimum beschränkt werden und dürfen nicht ohne konkretes Ziel erfolgen.» Häderli beruhigt aber: «Hat man sich verfahren, wird man natürlich nicht belangt.» Es werde bei Abklärungen schnell klar, ob sich jemand verirrt habe oder ob man die x-te Runde extra fährt, etwa um sich zu präsentieren.

Ebenfalls untersagt ist es, «vermeidbaren Lärm zu verursachen», so Häderli weiter. Lässt man beispielsweise den Motor aufheulen, kann dies zu einer Busse führen. Dies sei denn auch ein häufiger Verstoss bei Autoposern. «Auch werden häufig typenfremde oder unerlaubte technische Änderungen am Fahrzeug festgestellt.» Auch grundsätzlich zulässige Änderungen seien ohne Eintragung im Fahrzeugausweis verboten, führt Häderli aus.

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (29.7.21)

Wiler Verkehrsrowdys: Hoffnung auch auf den Bund und auf Technik

Autoposer machen seit Jahren in Wil unangenehm auf sich aufmerksam. Bei der Politik besteht Handlungsbedarf: In einer Anfrage verlangen 19 Angehörige des vierzigköpfigen Stadtparlaments vom Stadtrat Auskünfte zum Thema. Auch auf Bundesebene werden Massnahmen gefordert, eine Petition mit 17 000 Unterschriften wurde beim Departement von Bundesrätin Sommaruga eingereicht.

In den sozialen Medien beschwerte sich kürzlich ein junger Mann, Polizeibeamte in Zivil hätten ihn in Wil in der Bahnhofsregion wegen einer kleinen Plüschschildkröte auf dem Armaturenbrett verzeigt. Er fühlte sich von der Obrigkeit schikaniert. «Was lauft do falsch i üsere Stadt?» fragt der verärgerte User.

Illegal abgeändertes Auto

Das Magazin «20 Minuten» griff die Geschichte auf. Durch die Recherchen präsentierte sich eine veränderte Version des Sachverhalts: Die Autofahrer war der Polizei durch eine sehr forsche Fahrweise auf der Weststrasse aufgefallen; und auch durch das Nicht-Betätigen des Blinkers.

Bei der Analyse des Autos stellten die Beamten auch falsche Felgen sowie einen typenfremden Sportfilter* fest. Das Plüschtier war ein weniger gewichtiges Detail. Eine allfällige Busse wird von der Staatsanwaltschaft festgelegt werden.

Damit wurde einmal mehr die Aufmerksamkeit auf die Wiler Poserszene gelenkt, die seit Jahren durch dröhnende Beschleunigungen und riskantes Fahrverhalten in der Innenstadt negativ auffällt.

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Nicht immer entsprechen Fahrzeuge den gesetzlichen Vorschriften, zum Teil wurden nachträglich unerlaubte Teile verbaut.  

Kein Poser-Brennpunkt erwünscht 

Am 20. Mai 2021 wurde die Politik zum Thema aktiv, der Fraktionspräsident der SVP, Benjamin Büsser, reichte einen parlamentarischer Vorstoss zur Poser-Plage in Wil ein. 19 Parlamentsmitglieder aus unterschiedlichen Parteien unterzeichneten die Interpellation, die vom Stadtrat Auskünfte zum Thema verlangt. Unter anderem wollen sie wissen, auf welche Weise der Stadtrat verhindern will, dass Wil zu einem Autoposer-Brennpunkt wird. 

Im Weiteren fragen sie, ob der Stadtrat bereit sei, ein wirkungsvolles Konzept zur Eindämmung der häufigen Belästigung durch entsprechende Verkehrsteilnehmende auszuarbeiten. Bisher ist die Reaktion der Stadtregierung ausstehend.

Bundespolitik gefordert

Für die Einwohner verschiedener Städte und Gemeinden wird die Lebensqualität immer wieder von quietschenden Reifen, dröhnenden Soundanlagen und aufheulenden Motoren reduziert. Die Lärmliga Schweiz hat am Internationalen Tag des Lärm, am 28. April 2021, beim Eidgenössischen Departement Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK eine Petition mit 17 000 Unterschriften eingereicht.

In der entsprechenden Medienmitteilung heisst es: «Die Bevölkerung hat das über hundert Dezibel laute Gedröhne von Motorrädern, schweren SUVs und Sportwagen satt. Inzwischen wird jedes zweite schwere Motorrad mit Auspuffklappen verkauft, viele SUVs und Sportwagen zusätzlich mit völlig unnötigen Klangverstärkern. Bundesrat und Parlament müssen diesen Lärmexzessen einen Riegel schieben.»

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Knapp die Hälfte des Wiler Parlaments will vom Stadtrat wissen, wie er das Poserproblem in den Griff bekommen will. 

Hoffnung auf Technik

Gemäss Lärmliga müssen über eine Millionen Menschen an Schweizer Strassen mit zu viel Lärm leben. Sie tragen das Gesundheitsrisiko. Lenkerinnen und Lenker von Autos und Motorrädern sollen nicht mehr als 81 Dezibel Lärm produzieren dürfen.

Zwei Schweizer Firmen entwickeln zusammen mit der ETH Lausanne (EPFL) entsprechende Messgeräte. Mit ihnen sollen zu viel Krach machende Auto- und Motorradfahrer einfacher sanktioniert werden können.

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Verkehrslärm verschlechtert die Gesundheit

Im Auftrag des deutschen Umweltbundesamtes sollten Wissenschaftler herausfinden, ob zwischen Verkehrslärm und hohem Blutdruck einen Zusammenhang besteht. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Menschen, die Lärm ausgesetzt sind, vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen neigen. Die Forscherinnen und Forscher des Robert-Koch-Institutes untersuchten darum 1700 Berliner Strassenanwohner regelmässig auf ihren Gesundheitszustand. Auf den Punkt gebracht lautet das Ergebnis ihrer Erhebung: Wer permanent Verkehrslärm ausgesetzt ist, steht gehäuft wegen Bluthochdruck in ärztlicher Behandlung. Menschen, vor deren Fernstern der Lärmpegel 55 und mehr Dezibel erreicht, haben ein doppelt so hohes Risiko, zu hohe Blutdruckwerte aufzuweisen als Personen, bei denen der durchschnittliche Schallwert unter 50 Dezibel liegt. Schlafen bei offenem Fenster erhöht das Erkrankungsrisiko deutlich. Die Studie gab auch Hinweise darauf, dass Migräneattacken und erhöhte Blutfettwerte ebenfalls mit Strassenlärm in Zusammenhang stehen könnten.

* In der früheren Version haben wir vom «Sportfilter im Auspuff» gesprochen, was gemäss Auskunft des Polizeisprechers so nicht korrekt ist. (Anm. der Redaktion)