hallowil.ch hat bei Kurt Bloch nachgefragt, inwiefern sich das Jahr 2020 von den vorangegangenen unterschieden hat, welchen Schwierigkeiten man begegnet sei und mit welcher Strategie man sie bewältigt habe.

hallowil.ch: «Herr Bloch, welches waren die grössten durch die Pandemie verursachten Herausforderungen?»

Kurt Bloch: «Äusserlich sicht- und spürbar hat sich der Eingangsbereich verändert. Früher stand die Schalterhalle offen und konnte von mehreren Personen gleichzeitig betreten werden. Zum Schutz von Kunden und Personal ist ausser dem Bereitstellen von Desinfektionsmittel und der Maskenpflicht ein Schleusensystem mit Personenvereinzelung eingeführt worden. Den Kundenkontakten haben wir trotzdem grosse Bedeutung beigemessen. Gespräche wurden nach Wunsch auch am Telefon oder beim Kunden zu Hause geführt.»

hallowil.ch: «Welche Mittel standen Ihnen zur Lösung der Probleme zur Verfügung? Waren Strategieänderungen nötig?»

Kurt Bloch: «Gut gerüstet waren wir hinsichtlich der Informatikmittel. Alle Berater waren schon vor der Pandemie mit Laptops ausgerüstet. Im ersten Lockdown haben wir uns in zwei Teams aufgeteilt, wobei eine Gruppe jeweils im Homeoffice tätig war. Das hat sich allerdings nur teilweise bewährt. Der innerbetriebliche Kontakt ist in einer kleinen Bank besonders wichtig. Zudem müssen Mitarbeitende zu Hause ein Umfeld haben, in welchen sie die Wahrung des Bankgeheimnisses garantieren können. Im zweiten Lockdown haben wir alle zur Verfügung stehenden Räume einbezogen und so die Kontakte unter den Mitarbeitenden vermindert.»

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 Eingangsbereich und Schalterhalle sind pandemiegerecht ausgerüstet.. 

hallowil.ch: «Haben Sie Ihren Kunden, ortsansässigen Betrieben und der Bevölkerung in den drei Dörfern, direkte Hilfe geleistet?»

Kurt Bloch: «Direkte Hilfe beanspruchten vor allem jene gewerblichen Betriebe, welche zur Untätigkeit verurteilt waren. Im Rahmen der Bundesmassnahmen hat die Raiffeisenbank Niederhelfenschwil 20 Covid-Kredite gesprochen. Weil auf die Durchführung der Generalversammlung auch in diesem Jahr verzichtet werden muss, würden wir rund 80'000 Franken sparen. Unsere 3000 Mitglieder sind aufgefordert, ihre Stimme brieflich oder virtuell abzugeben. Dafür erhalten sie einen Gutschein, der bei einem örtlichen Gewerbebetrieb eingelöst werden kann.»

hallowil.ch: «Ergeben sich infolge der Pandemie nachhaltige Veränderungen im Bankgeschäft?»

Kurt Bloch: «Der Trend zur elektronischen Abwicklung von Bankgeschäften, der schon früher feststellbar war, hat einen eigentlichen Schub bekommen. Das zeigt sich besonders bei Twint, einem Geldtransfer übers Handy und bei der Nutzung des Bankomaten. Vormals holten Kunden bei der Bank Geld und zahlten es bei der benachbarten Post ein. Dass die Post mittlerweile geschlossen ist, hat zu vermehrtem ebanking geführt. Die Schalterzeiten haben wir etwas verringert, die telefonischen Beratungszeiten dagegen ausgeweitet.»

hallowil.ch: «Frauen in Führungspositionen ist ein aktuell diskutiertes Thema. Die regionalen Banken werden alle von Männern geleitet. Wird das so bleiben?»

Kurt Bloch: «In den Bankleitungsgremien gibt es durchaus Frauen. Die Leitungsfunktion ist aber kaum mit einem Teilpensum vereinbar, und Frauen sind relativ häufig teilzeitbeschäftigt. Der Frauenanteil bei den Banken ist gross. Mehr Frauen an der Spitze von Banken sind wohl eine Frage der Zeit.»

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Das Gebäude der Raiffeisenbank Niederhelfenschwil, vormals unter einem Dach mit der nun aufgegebenen Post.


Kennzahlen der Bank

Die Raiffeisenbank Niederhelfenschwil bezeichnet 2020 als gutes Jahr trotz anspruchsvollem Umfeld. Der Gewinn ist gegenüber dem Vorjahr um 100'000 Franken geringer ausgefallen und beträgt noch 740’000 Franken. Erwirtschaftet worden ist er mit einer um fünf Prozent von 406 auf 427 Millionen Franken gestiegenen Bilanzsumme. Die Bankgeschäfte sind von 15 Mitarbeitenden bewältigt worden. Die Kundenausleihungen sind um gut sechs Prozent auf 354 Millionen Franken gestiegen. Bei den Hypothekarforderungen betrug das Wachstum 5,3 Prozent. Sie machen neu 350 Millionen Franken aus. Die Kundeneinlagen haben um 3,4 Prozent auf 313 Millionen Franken zugenommen. Mit dem Gewinn werden die Anteilscheine verzinst und das Eigenkapital gestärkt.