Was es in der Stadt Zürich noch nicht im grossen Stil gibt, wird in der Ostschweiz nun deutlich ausgeweitet: ein einheitlicher Sack für die gemischte Kunststoff-Sammlung. Das hat zur Folge, dass in keinem anderen Gebiet der Schweiz ab 2019 auf einem so grossen Gebiet ein einheitliches System angeboten wird. „In diesem Bereich sind wir in der Ostschweiz führend und der Kuh-Bag wird zum Vorzeigeobjekt“, sagt Claudio Bianculli, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Zweckverbandes Abfallverwertung Bazenheid (ZAB), der zusammen mit dem Verband KVA Thurgau für den Kuh-Bag verantwortlich ist. Nachdem dieser in der Region Wil lanciert worden ist, wird er ab nächstem Jahr auch in der so genannten A-Region (Abfallregion St. Gallen-Rorschach-Appenzell) angeboten.

Bei den gemischten Kunststoffen aus Haushaltungen handelt es sich um klassischen Siedlungsabfall – vergleichbar mit anderen Recyclingstoffen wie Altpapier oder Altglas. Während beispielsweise für Glas- oder PET-Flaschen bereits beim Verkauf eine „vorgezogene Entsorgungsgebühr“ erhoben wird, erfolgt die Finanzierung der gemischten Kunststoffsammlung wie beim Kehricht über eine Sackgebühr. Mit den Gebühren werden insbesondere die Sammellogistik, die Sortierung, die Zuführung des verwendbaren Materials in die Wiederverwertung sowie die thermische Behandlung der nicht verwertbaren Reststoffe und Verschmutzungsanteile finanziert, schreibt der ZAB in einer Mitteilung. Das Sammelgebinde kostet mit 2 Franken für einen 60-Liter-Sack und 1.40 Franken für einen 35-Litersack etwas weniger als ein Kehrichtsack gleicher Grösse.

Verkauf und Rückgabe

Erhältlich ist der Sack auch in der vergrösserten Region an den meisten üblichen Verkaufsstellen für Kehrichtsäcke. Anders als beim Kehrichtsack erfolgt die Materialrücknahme jedoch über ein Bringsystem. Wenn der Sammelsack gefüllt ist, kann man ihn an die Sammel- und Rückgabestellen in den beteiligten Gemeinden zurückbringen. Gesammelt werden alle Kunststoffverpackungen und Getränkekartons, die in einem Haushalt anfallen. Auch Blumentöpfe, Eimer und Kanister sind für das Recycling gut geeignet. Damit bei der stofflichen Verwertung keine Qualitätseinbussen resultieren, sollten jedoch die Verpackungen entleert sein und insbesondere keine Lebensmittelabfälle mehr enthalten.

Nicht geeignet sind Spielzeuge, Rohre, Schläuche, da diese oft aus verschiedenen, teilweise auch nicht stofflich verwertbaren Kunststoffen zusammengesetzt sind. Ebenfalls ungeeignet sind alle PVC-Produkte. Auch Verbundverpackungen, also Verpackungen aus verschiedenen Materialien, gehören nicht in den Kunststoffsack. Aus hygienischen Gründen sollte man verunreinigte Fleischverpackungen weiterhin in den Kehricht werfen.

Positive Erfahrungen

Nach über drei Jahren Erfahrungen mit dem Kuh-Bag können laut dem ZAB durchwegs positive Schlussfolgerungen gezogen werden. Über die ganze Beobachtungsphase konnte je nach Sortierverfahren eine Recyclingquote von rund 50 bis 60 Prozent erreicht werden. Dabei handelt es sich um den Anteil der gesammelten Menge, die stofflich verwertet wird. Rund die Hälfte des gesammelten Kunststoffs konnte somit in der Schweiz oder europäischen Ländern dem Recycling zugeführt und stofflich wiederverwertet werden. Die nicht recyclierbaren Kunststoffe – beispielsweise Verbundkunststoffe wie Fleischverpackungen – werden vorwiegend in der Schweiz energetisch verwertet. Das System wird weiter optimiert, um das Entwicklungspotenzial der stofflichen Verwertung noch besser zu erschliessen und die Recyclingquote stetig zu erhöhen, schreibt der ZAB. Eine Recyclingquote von bis zu 75 Prozent dürfte möglich sein.

Beteiligte Gemeinden

Folgende Gemeinden führen auf den 1. Januar 2019 zusätzlich die gemischte Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag ein: Andwil, Berg SG, Bühler, Gais, Goldach, Grub AR, Häggenschwil, Heiden, Herisau, Horn, Hundwil, Lutzenberg, Mörschwil, Muolen, Rehetobel, Rorschach, Rorschacherberg, Schönengrund, Schwellbrunn, Speicher, Stein, Steinach, Teufen, Trogen, Tübach, Urnäsch, Waldkirch, Waldstatt, Wittenbach, Wolfhalden. Nicht Teil dieser A-Region ist die Stadt St. Gallen. In St. Gallen können zwar an zwei Standorten Kuh-Bags gekauft werden. Eine innerstädtische Rückgebestelle gibt es aber nicht.

Die Verkaufs- und Sammelstellen finden sich unter www.kuh-bag.ch. (pd/sdu)