Das ursprüngliche Grobkonzept des Verwaltungsrates der Spitalverbunde, fünf der neun Kantonsspitäler zu schliessen, hat die Behörden der betroffenen Gemeinden Flawil, Wattwil, Altstätten, Walenstadt und Rorschach auf den Plan gerufen. Sie haben die Spitalkonferenz der St. Galler Gemeinden formiert. Zwar betonten sie, die Notwendigkeit von strategischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Reformen bei den öffentlichen Spitälern zu anerkennen. Auch bekundeten sie die Bereitschaft, ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung zu leisten.

Dann aber formulierten die Gemeindepräsidenten der Reihe nach, wieso sie die regierungsrätliche Strategie ablehnen und welche Lösung ihnen vorschwebt. Ruedi Mattle, Gemeindepräsident von Altstätten, kritisierte, dass Verwaltungsrat und Regierung ein Grobkonzept hinter verschlossenen Türen erarbeitet und die Schliessung von fünf Spitälern als alternativlos dargestellt hätten. Die im Rahmen der Detailkonzeptphase gemachten Vorschläge der Standortgemeinden und der Ärzteschaft seien nur oberflächlich geprüft worden. Die von der Regierung vorgeschlagenen Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) könnten kaum wirtschaftlich betrieben werden und werden von den Standortgemeinden als «Beruhigungspille» eingestuft.


Regionale Strukturen nicht berücksichtigt

Der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner kritisierte den fehlenden Einbezug regionalspezifischer Strukturen. Der Vorschlag der Regierung schere alle Regionen über den gleichen Kamm. Damit werde man vor allem dem Toggenburg nicht gerecht. Aus unternehmerischer Sicht würden im Spital Wattwil die vom Volk beschlossenen und verbauten 60 Millionen Franken vernichtet, während am Spital Wil Investitionen von mindestens 170 Millionen Franken anstünden. Mit der 4-Standorte-Strategie werde längerfristig wohl eine vollständige Zentralisierung auf das Kantonsspital St. Gallen angestrebt, befürchtet Gunzenreiner. Auch stuft er die regionalen GNZ weder als zielführend, noch als überlebensfähig ein und lehnt deshalb den Strategievorschlag als untauglich ab.

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Bisheriges Angebot nicht mehr unbestritten: Spital Wil. Eine Toggenburger Gruppe fordert die Schliessung. Dies sei nicht im Interesse der Gemeindepräsidenten, sagt Wattwils Gemeindepräsident Gunzenreiner, sondern eine Folge der 4+5-Strategie des Lenkungsausschusses.


Basisangebot im MedPlus-Spital

Der Flawiler Gemeindepräsident Elmar Metzger stellte schliesslich die Alternative der Spitalgemeinden zum Spitalkonzept der Regierung vor: MedPlus-Spitäler. Sie sollten an den Standorten Flawil, Wattwil, Altstätten, Walenstadt und Rorschach entstehen und mehrere Dutzend Betten aufweisen. Medizinisch und ökonomisch würden sie das Zentrumsspital in St. Gallen und die Mehrspartenspitäler in Wil, Grabs und Uznach ergänzen. Ihr Angebot würde die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Nötig wären ein Operationssaal für ambulante Eingriffe, eine Notfallversorgung rund um die Uhr und das Angebot spezialärztlicher Sprechstunden.

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So stellen sich die Gemeindepräsidenten MedPlus-Spitäler vor. Flawil und Wattwil würden mit je sieben Zusatzangeboten ausgestattet.


Zehn-Punkte-Programm

Die Mitglieder der Spitalkonferenz fordern für die Weiterentwicklung der Strategie der St. Galler Spitalverbunde ein konkretes Zehn-Punkte-Programm. 

1. Verzicht auf die vorgeschlagene Strategie «4plus5». 
2. Verzicht auf minimalistisch ausgestattete und wirtschaftlich nicht überlebensfähige Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ).
3. Erarbeitung einer Strategie mit Blick über die Kantonsgrenzen hinaus. 
4. Einbezug aller Spitalstandorte in die Strategieerarbeitung (keine präjudizierende Festlegung auf vier Spitalstandorte). 
5. Einbezug der Angebote von privaten Klinikgruppen in die Strategieentwicklung. 
6. Schaffung einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung mit einem starken Zentrumsspital für spezialisierte und hochspezialisierte Leistungen sowie mit grundversorgungsorientierten MedPlus-Spitälern. 
7. Nutzung von Kooperationsmöglichkeiten und Synergien mit freipraktizierenden Ärzten, Ärztenetzwerken und/oder privaten Anbietern. 
8. Ausarbeitung von regionalen Versorgungs- und Notfallkonzepten. 
9. Schaffung von MedPlus-Spitälern mit einem medizinischen Basisangebot und regionalspezifischen Zusatzangeboten. 
10. Kein «Ausbluten» von Spitälern auf Kosten der Patientinnen und Patienten oder der Mitarbeitenden.