Die Polizeikorps der Schweiz und die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) bündeln ihre Kräfte mit der Schweizer Kleinanzeigenplattform anibis.ch, um die Bevölkerung für Verhaltensweisen zu sensibilisieren, die sie vor den Risiken dieser Form von Betrug schützen, die dramatische Folgen haben kann. Bereits vergangenes Jahr haben die Kantons- und Stadtpolizeien der Schweiz und die SKP eine nationale Präventionskampagne lanciert, «um die Bevölkerung für die möglichen Gefahren im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets zu sensibilisieren», teilen die Schweizer Polizeikorps in einer gemeinsamen Medienmitteilung mit. Im Rahmen der nationalen Präventionskampagne «Und Sie? Hätten Sie ja gesagt?» wurden bis anhin drei Videoclips veröffentlicht, die Betrugsdelikten auf Kleinanzeigen-Plattformen, dem Liebesbetrug im Internet und den Money Mules gewidmet waren. «Diese nationale Präventionskampagne wird nun weitergeführt», heisst es weiter. Am 16. April wird der erste Teil der diesjährigen Kampagne zum Thema Sextortion lanciert. «Im Laufe des Jahres werden zwei weitere Teile folgen, die sich mit neuen Formen von Internetbetrug beschäftigen», wird in der Mitteilung weiter informiert. Parallel dazu werden in den Kantonen verschiedene zusätzliche Sensibilisierungsaktionen durchgeführt. Dazu zählen etwa Plakatkampagnen, Verteilung von Postkarten, Hintergrundartikel auf Präventions-Webseiten und Vorträge.

Erpressungsmethode aus dem Ausland

Doch was ist Sexportion genau? Sextortion bezeichnet eine Erpressungsmethode, bei der eine Person mit Bild- oder Videomaterial erpresst wird, das sie nackt oder bei sexuellen Handlungen – beispielsweise Masturbieren – zeigt. «Die überwiegende Mehrheit der Opfer von Sextortion ist männlich», wissen die Polizeikorps. Bei den Opfer von Sexportion handle es sich dabei sowohl um Jugendliche als auch Erwachsene. «Häufig finden die Chats in gebrochenem Deutsch, Französisch oder Englisch statt», heisst es in der Mitteilung. Die Täter befinden sich im Ausland und auch die Geldzahlungen gehen auf ausländische Konten. «Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Opfer die geforderte Geldzahlung geleistet haben, aber das kompromittierende Material dennoch veröffentlicht wird oder erneute Forderungen gestellt werden», warnen die Polizeikorps. 

Die Geschichte von Leo

Die Kampagne «Und Sie? Hätten Sie ja gesagt?» will die Bevölkerung auf die Gefahren einer Form von Cyberbetrug aufmerksam machen, bei der Kriminelle Personen mit eben Bildern oder Videos erpressen. «In der aktuellen Krise im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie sind die Menschen öfter zu Hause», informieren die Schweizer Polizeikorps, «Sie haben mehr Zeit, mehr Privatsphäre und auch den Wunsch, sich abzulenken» Dieses Bedürfnis, der Realität zu entfliehen, dürfe aber nicht dazu führen, dass sie sich in eine noch schwierigere Lage bringen. Mit der Geschichte von Leo und seinen ernüchternden Erfahrungen mit der fiktiven Anna sollen die vier allgemeinen Botschaften der Kampagne hervorgehoben werden, die das Risiko vermindern, Opfer eines Internetbetrugs zu werden:

• Vertrauen Sie nie jemandem, den Sie nur über Internet kennen.

• Geben Sie nie Ihre Passwörter oder Ihre amtlichen Dokumente weiter.

• Geben Sie nie intime Fotos oder Informationen preis.

• Leisten Sie nie eine Vorauszahlung, wenn Sie dem Gegenüber nicht vollständig vertrauen.

 

«Der Grund, weshalb so viele Leute das geforderte Lösegeld bezahlen, dürfte darin liegen, dass sich Personen, die tatsächlich Pornografie konsumieren, schämen», wissen die Beteiligten der Präventionskampagne. Deshalb lassen sie sich durch solche Erpressungsversuche verängstigen und beschliessen, nicht darüber zu sprechen und die Erpressung auch nicht zu melden. «Es kommt aber immer wieder vor, dass kompromittierendes Material veröffentlicht wird oder erneute Forderungen gestellt werden, obwohl das Opfer die geforderte Geldzahlung geleistet hat», heisst es in der Medienmitteilung weiter. Indem die Betroffenen wiederholt Lösegeld bezahlen, wird diese Masche noch mehr angeheizt. «Es wird deshalb erwartet, dass die Anzahl solcher Erpressungen weiter zunehmen wird», so die Polizeikorps. 

In die Falle getappt: Was tun?

Damit man nicht in eine solche unangenehme Situation erst kommt und man nicht zum Cyber-Betrug-Opfer wird, sollte man folgende einfache, aber sehr effektive Ratschläge beherzigen: 

• Nehmen Sie keine Freundschaftsanfragen und Einladungen in sozialen Netzwerken an, wenn Sie die Person nicht zweifelsfrei identifizieren können oder im realen Leben bereits getroffen haben.

• Machen Sie sich stets bewusst, dass Sie während eines Videochats gefilmt werden könnten, und verzichten Sie deshalb auf Handlungen, für welche Sie sich im Nachhinein schämen könnten.

• Deaktivieren und überkleben Sie Ihre Webcam immer, wenn Sie nicht gerade via Videochat mit jemandem sprechen.

• Halten Sie das Betriebssystem, den Browser und den Virenschutz Ihrer elektronischen Geräte immer auf dem aktuellsten Stand, um sich vor Malware zu schützen

•  Informieren Sie Ihr Umfeld über diese Erpressungsmethode.

Sollte man aber trotzdem in eine Sexportion-Falle tappen, dann raten Experten folgendermassen zu reagieren: 

• Gehen Sie nicht auf die Forderung der Erpresser ein: Zahlen Sie nicht!

• Brechen Sie den Kontakt zur Frau und zu den Erpressern sofort ab. Löschen Sie sie aus Ihrer Freundesliste und reagieren Sie nicht auf ihre Nachrichten.

• Falls die Erpresser Bild- und Videomaterial veröffentlicht haben, wenden Sie sich so schnell als möglich bei der betreffenden Plattform und verlangen Sie umgehend die Löschung der sexuellen Inhalte. 

• Richten Sie einen sogenannten Google-Alert mit Ihrem Namen ein. Auf diese Weise werden Sie über neue Videos und Fotos, die mit Ihrem Namen im Internet hochgeladen werden, informiert.

• Sichern Sie alle Beweise und erstatten Sie Anzeige bei Ihrer Polizei.

• Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über den Vorfall oder suchen Sie sich psychologische Hilfe. 

• Überprüfen Sie Ihren Computer auf Malware oder lassen Sie ihn von einer Fachperson überprüfen und gegebenenfalls neu aufsetzen.

• Ändern Sie alle Ihre Passwörter und achten Sie darauf, gute und verschiedene Passwörter zu wählen. (kapo)

Weitere Informationen zu diesem Thema und der Präventionskampagne, findet man unter folgender Webseite: www.skppsc.ch