Die stetig steigenden Gesundheitskosten sind eine Herausforderung für Gesellschaft und Politik. "Das Gesundheitswesen braucht neue Perspektiven", sagte Regierungsrätin Heidi Hanselmann am Informations- und Vernetzungsanlass Gesundheit in Wil. "Der Monismus, wie er aktuell diskutiert wird, ist allerdings der falsche Ansatz.

Statt gespart, wird das Geld nur verschoben." Heidi Hanselmann zählte verschiedene Massnahmen auf, die einen grösseren und schnelleren Spareffekt erzielen: Vorgaben zur ambulanten statt stationären Behandlung, das Vermeiden von unnötigen Eingriffen oder die konsequente Umsetzung von Präventionsmassnahmen.

Leuchtpyjamas für Babys mit Gelbsucht
Professor Gian-Luca Bona, Direktor der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa, gewährte dem Publikum einen exklusiven Einblick in die aktuelle medizintechnische Forschung und präsentierte verschiedene Forschungserfolge, wie einen leuchtenden Baby-Strampler für Neugeborene mit Gelbsucht. Im Pyjama sind optische Fasern eingearbeitet, die dank LEDs blau leuchten und die gleiche Wirkung erzeugen wie die Lichttherapie im Brutkasten.

"Intelligente Textilien können im Bereich der Medizin und der Pflege vielfältig eingesetzt werden. Sie können menschliche Gesundheit erhalten und wiederherstellen, die Lebensqualität verbessern oder die Sicherheit älterer Menschen erhöhen", erklärte Gian-Luca Bona.

Von falschen Vorschriften und heillosen Zuständen
Der bekannte deutsche Wissenschaftsjournalist und Buchautor Werner Bartens zeigte auf, mit welchen Kniffs und Tricks im Gesundheitswesen gearbeitet wird und warum sich das genaue Hinschauen lohnen kann. Werner Bartens führte aus, dass das Gesundheitswesen oft auf Fehlanreizen beruht. So werden Operationen und Therapien durchgeführt, die gemäss dem aktuellen Forschungsstand gar keinen Nutzen bringen.

Auch das "Erfinden" von neuen Krankheiten sei ein beliebter Kniff der Branche, was Bartens am Beispiel der Cholesterin-Grenzwerte aufzeigte. Die Senkung der Grenzwerte generiere auf einen Schlag viele neuen potentielle Patientinnen und Patienten, ohne dass sich die Menschen wirklich schlecht fühlen würden. "Auf diese Weise werden die Menschen krank geredet. Sie fühlen sich nur noch gesund auf Probe - bis zur nächsten Untersuchung", bilanzierte Werner Bartens.

Mit Guides zu Höchstleistungen
Die blinde Marathonläuferin und Ausdauersportlerin Chantal Cavin schärfte den Gästen den Blick fürs Anderssein. Chantal Cavin ist eine der weltweit erfolgreichsten blinden Spitzensportlerinnen. Nach Erfolgen im Schwimmen konzentriert sie sich heute auf Marathon. 

Chantal Cavin schilderte lebhaft, wie sie sich dank Guides auf der Rennstrecke zurechtfindet und mit welchen Herausforderungen sie dabei konfrontiert wird. Sie erzählte auch von ihrer Arbeit als Sachbearbeiterin bei einer Grossbank. Dank Hilfsmittel könne sie den Job problemlos erledigen. "Es gibt ideale Jobs für Menschen mit einer Beeinträchtigung", sagte Chantal Cavin.

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Informations- und Netzwerkanlass Gesundheit
Das Gesundheitsdepartement führt jedes Jahr im Juni in Wil auf dem Gelände der Psychiatrie St.Gallen eine Informationsveranstaltung für das Kader im Gesundheitswesen durch. Die Veranstaltung richtet sich an ein breit gefächertes Teilnehmerfeld aus dem kantonalen Gesundheitswesen und soll den Teilnehmenden eine Plattform für einen unkomplizierten Austausch bieten.