Seit einigen Monaten wird am Bahnhof Wil eine neue ÖV-Stimme getestet. Diese wird ab September schrittweise an den Deutschschweizer Bahnhöfen der SBB und der BLS in Betrieb genommen. Später dann auch in den SBB-Zügen. Die Technik gab den Ausschlag. «Im Gegensatz zu den heute verwendeten und nach Bedarf zusammengefügten Audio-Sequenzen sorgt die neue moderne Text-to-Speech-Lösung für besser verständliche Durchsagen sowie einen natürlicheren Sprachrhythmus und erlaubt flexiblere Durchsagen», argumentiert die SBB. Die Vorteile hätten sich in den vergangenen Monaten gezeigt, als Durchsagen in Zusammenhang mit Covid-19 im Nu hätten erstellt werden können. «Das eigentliche Wort Maske hatten wir zwar nicht einmal im Repertoire. Trotzdem konnten wir mit dem neuen System einzelne Wortteile zu Wörtern zusammensetzen und innert kürzester Zeit eine Durchsage zur Maskenpflicht im ÖV generieren», sagt SBB-Sprecherin Sabine Baumgartner zu hallowil.ch.

Das ist die neue Stimme am Bahnhof Wil:

 

Nur zweitrangig ist bei der SBB die Dialekt-Frage. Diese ist am Bahnhof Wil ein Thema, wenn die Stimme mit Zürcher Akzent ankündigt, dass der IC5 nach «Uzwiiil» einfährt. Östlich der Eulach sagt man hingegen Uzwil mit Betonung auf dem U. «Der Dialekt ist Geschmackssache. Die Verständlichkeit ist uns viel wichtiger», sagt Sabine Baumgartner. Und trotzdem gibt es Hoffnung, dass aus Uzwiiiil doch noch Uzwil wird. «Das System lernt laufend dazu. Wenn wir Rückmeldungen zur Phonetik bekommen, sind Anpassungen möglich. In Liestal ist das zum Beispiel schon geschehen», sagt die SBB-Sprecherin.

_______________________________________________________________________________

So hat hallowil.ch am 17.8.20 berichtet:

«Gleis eins, Einfahrt des Intercity 5 nach Uzwil, Flawil, St. Gallen, Abfahrt 15 Uhr 26.» So weit so vertraut, den Text kennt, wer in Wil regelmässig mit dem Zug ostwärts fährt. Und doch ist – oder vielmehr, klingt – seit einigen Monaten alles anders. Schweizweit geben die Lautsprecherdurchsagen an Bahnhöfen derzeit zu reden. Dies, weil die SBB eine neue Stimme testet. Der Grund für die Kontroverse: Anders als die in fast perfektem Hochdeutsch gehaltenen Durchsagen von der alten Sprecherin Isabelle Augustin hat die neue Stimme hörbar Zürcher Dialekt.

Auch in Wil wird die «Text to Speech»-Technologie der deutschen Firma Aristech getestet. Der Vorteil: Mit ihr können Wörter gleich in die Durchsagen aufgenommen werden – etwa, wenn Haltestellen gebaut werden. Zudem erlaubt die digitale Technik gemäss SBB Durchsagen in besserer Tonqualität. Bei Zügen, die ab Wil ostwärts fahren, klingen einige der Ansagen in den Ohren von Pendlern aus der Region aber ziemlich schief. Besonders dann, wenn «Uzwil» und «Flawil» mit langgezogenem «-wil» ausgesprochen werden.

Nach dem mehrmonatigen Testbetrieb teilt die SBB nun mit, dass die neue Stimme nun definitiv in Betrieb kommt. Anfang Juni war noch informiert worden, dass die Stimme noch nicht «fertig» sei. Korrekturen würden, wo nötig, noch vorgenommen. Am kommenden Donnerstag stellt die SBB die neuen Stimmen an einer Medienkonferenz vor. Dann wird vielleicht auch klar, ob «Uzwil» und «Flawil» dank «Text to Speech» bald mit Betonung auf der ersten Silbe durch den Bahnhof hallen.