Eine kleine Gruppe von Personen aus unterschiedliche Generationen fühlte sich vom Thema angesprochen und nahm am kurzweiligen 90-minütigen Rundung um die Altstadt teil. «Ich stelle ihnen heute verschiedene Frauen aus Wirtschaft, Politik und Religion vor», sagte die langjährige Stadtführerin Monika Käufeler bei der Begrüssung auf dem Hofplatz. Den Auftakt machte sie mit Marie-Alice Bannwart, Arztgattin im Baronenhaus, Mutter von sechs Kindern sowie geschätzte Gastgeberin.

Persönliche Erinnerungen

Einige Schritte weiter wurde die Witwe Schnetzer zum Thema, Mutter von zwei Söhnen des Renaissance-Fürstabtes Ulrich Rösch.

Bei der nächsten Station wurde auf den legendären Badistrum von 1967 verwiesen. Damals erzwang eine Gruppe von Frauen den Zugang zur noch geschlechtergetrennten Badi Weierwise. «Es war sehr mühsam, jeweils an einem Mittwochnachmittag ungeduldig zu warten, bis um 16 Uhr endlich der Wechsel von den Buben zu den Mädchen erfolgte», erzählte Monika Käufeler von ihren eigenen Kindheitserinnerungen.

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Vor dem einstigen Wohnhaus der Juristin Lotti Ruckstuhl-Thalmessinger kamen Erinnerungen an einen leidenschaftlichen Geschlechterkampf ums Frauenstimmrecht auf. 


Frauenmitbestimmung

Beim Haus Frohsinn, an der der Ecke Fürstenland-/ Neulandenstrasse, war mehr über eine Wiler Ikone zu erfahren: die Frauenrechtlerin Lotti Ruckstuhl-Thalmessinger. Sie trug massgeblich zur Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz bei. Die präsentierten Plakatreproduktionen von damals vermittelten einen Eindruck von der Leidenschaftlichkeit, mit der im Abstimmungskampf das Schreckgespenst der politischen Frauenmitbestimmung bewirtschaftet wurde.

Misshandelte Frau

Ein Wechsel auf die andere Strassenseite war zugleich ein Zeitensprung von rund 500 Jahren. Dort steht eine Gedenktafel für eine ehemalige Richtstätte. Hier machte die Stadtführerin auf das Schicksal von Adelheid Silber aufmerksam. Unter Druck gestand sie, mit dem Teufel geschlechtlichen Umgang gehabt sowie Ehemänner und Vieh mit einem Schadenszauber belegt zu haben. Dafür landete die Wilerin auf dem Scheiterhaufen.

Erfolgreiche Medizinerinnen

Danach wurde es deutlich erfreulicher: Thema waren die Ärztin Yvonne Gilli, Präsidentin der Ärzteorganisation FMH, sowie die Medizinprofessorin und Chefärztin Christa Meyenberger. Monika Käufeler beschrieb letztere als engagierte Pionierin, die bereits in jungen Jahren mit innovativen Ansätzen in Wil für frischen Wind sorgte.

Nächste Programmpunkte waren der grosse Beitrag zur Frauenbildung in Wil durch Dominikanerinnen im St. Katharinakloster, die ehemalige sozial engagierte Beginen-Gemeinschaft beim heutigen Kirchplatzschulhaus sowie Hanni Pestalozzi, die ihr Leben der Bildung von Bäuerinnen und den Landfrauen widmete.

Auch die als Stadtoriginal bekannte Wigi Hilber wurde erwähnt. Die humorvolle und vitale Frau führte beim Bärenplatz einen Stoff- und Dessousladen.

Wiler Politikerinnen

Zur Abrundung stellte die Tourleiterin weitere für ihr Wirken bekannte Wilerinnen im Bild vor: Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Regierungsrätin Susanne Hartmann, Nationalrätin und SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi, Alt-Regierungsrätin Kathrin Hilber sowie Textilkünstlerin und Ärztin Dominique Kähler alias Madame Tricot.

Wann die nächste Führung zum Thema «starke Frauen in Wil» stattfindet, steht noch nicht fest. «Wir sind sehr gespannt, wie die Frauenführungen angekommen», sagte Monika Käufeler auf Nachfrage von hallowil. Je nach Interesse beim Publikum wird ein weiterer Termin angesetzt.