Gegenseitige Wertschätzung und Achtung waren an der Medienkonferenz deutlich spürbar. Genauso wie die Freude darüber, einen Kandidaten gefunden zu haben, der alle wesentlichen Voraussetzungen erfüllt. So verfügt der neue Direktor, Walter Hugentobler, über einen pädagogischen, didaktischen und methodischen Erfahrungsschatz durch seine verschiedensten Tätigkeiten als Lehrer, Dozent und Schulleiter in unterschiedlichsten Bildungsinstitutionen, amtete an diversen Anlässen als OK-Präsident, brachte sich ehrenamtlich in Projektgruppen, Vereinen und Fachausschüssen ein und wirkte in der Pressearbeit von Kulturveranstaltern, in der Regiearbeit mit Laiendarstellern und in der Theaterberichterstattung mit. 1995, mit 32 Jahren, als Gemeinderat in Matzingen gestartet, wurde er später Kantonsrat, Fraktionspräsident, Kantonsratspräsidenten der SP Thurgau und schliesslich auch Präsident des Grossen Rates Thurgau. Seit Juni 2011 hält er das Gemeindepräsidium in Matzingen inne.

Zum Ausgleich fährt der aktive Mitt-50er Velo sowie Ski und hilft als passionierter Hobbykoch auch mal im Restaurant Schäfli in Wigoltingen in der Küche aus. «Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ins Kloster gehe», so Hugentobler augenzwinkernd. Die Wurzeln sind jedoch durchaus vorhanden, hätte er sich in jungen Jahren doch eine «Karriere» als katholischer Pfarrer zeitweise tatsächlich vorstellen können. Das Stelleninserat als Direktor des Klosters hatte ihn zwar sofort angesprochen. Dennoch liess er die Angelegenheit anschliessend nochmals zwei bis drei Wochen ruhen, bis er sich entschloss, einmal telefonisch nachzufragen, ob es sich denn überhaupt lohne, sich zu bewerben. Keinen Tag zu früh, wie er im Gespräch erfuhr, war doch bereits für den kommenden Tag eine erste Sondierung der Bewerbungen angesetzt.

Kein Grund zur Flucht

Auf die Frage, ob das Aufgeben des Gemeindepräsidentenamt zugunsten der neuen Stelle eine schwierige Entscheidung war, antwortet er lächelnd: «Eine berufliche Veränderung sollte immer ein «hin zu» und niemals ein «von etwas weg» sein. Das hat mich meine 40-jährige Erfahrung gelehrt. Ich wurde vor eineinhalb Jahren von den Matzingern Stimmbürgern wiedergewählt. Es besteht daher kein Grund zur «Flucht.» Doch mit 58 Jahren ist der Zeitpunkt gekommen, für einen letzten Jobwechsel.»

Bruno Hubatka, Präsident des Vereins Kloster Fischingen, ist überzeugt, mit Hugentobler den richtigen Mann gefunden zu haben. Dass es um die Finanzen und somit um die wirtschaftliche Zukunft des Kloster Fischingen schlecht bestellt ist, ist langläufig und natürlich auch dem designierten Leiter durchaus bekannt. Die bereits vor dem Corona-Jahr stets angespannte finanzielle Situation hat sich Corona bedingt 2020 noch drastisch verschlechtert. Schon dieses Jahr geht das Eigenkapital aus und es muss auf die eiserne Reserve eines Baufonds zurückgegriffen werden. Der finanzielle Turnaround muss in den nächsten Jahren gelingen. Sonst müssen die Tätigkeiten im Kloster aufgegeben werden.

Per 1. Juli ist der offizielle Amtsantritt des neuen Geschäftsführers vorgesehen. Sofern Corona es erlaubt, wird dann auch der langjährige Kloster-Direktor Werner Ibig verabschiedet – nach 20 Jahren im Amt.

Weltlich und christlich

Im Kloster Fischingen vereinen sich zwei Welten: Jene des Vereins Kloster Fischingen mit dem Seminarhotel, der Schreinerei und der Schule – dem weltlichen Geschäft. Und jene der Benediktiner, welche die Klosterliegenschaften mit Klosterleben erfüllen. Als Mieter der altehrwürdigen Gemäuer verspüren sie eine spezielle Atmosphäre, die auch immer wieder Interessierte und Pilger aus nah und fern anlockt. Im Corona Ausnahmejahr füllte sich der klösterliche Parkplatz regelmässig, da Gäste aus der ganzen Schweiz den Hinterthurgau als Naherholungsgebiet entdeckten.

Das Zusammenspiel von Geschichte, Geografie, Kultur und Landschaft fasziniert Besucher und Benediktiner seit vielen Jahren gleichermassen. Doch bedingt das Zusammenwirken auch ein grosses Mass an gegenseitiger Rücksichtnahme. So müssen Theaterproben und Gebetszeiten optimal koordiniert werden, um gegenseitige Unterbrechungen zu vermeiden.