Das Architektenteam hat dem Gemeinderat ein Vorprojekt samt Kostenschätzung mit einer Genauigkeit von plus/minus 15 Prozent abgegeben. Die berechneten Kosten für den Neubau von Markthalle, Kulturhaus und Tiefgarage überstiegen jedoch die Vorstellungen des Gemeinderats deutlich. Grund dafür sind die geologischen Verhältnisse des Marktplatzes. Für die Bauarbeiten muss die gesamte Baugrube mit einem vertikalen Baugrubenabschluss – einer so genannte Rühlwand – gesichert werden. Ausserdem muss das Tragwerk der Tiefgarage zur Gewährleistung der Befahrbarkeit stärker ausgebildet werden als zunächst angenommen.

Die Tiefgarage steht rund drei Meter im Grundwasser. Dies wiederum erfordert entsprechende Abdichtungen sowie eine Mikropfählung und eine Geröllschicht unter der Bodenplatte. Für Markthalle und Kulturhaus mussten die Holzträger neu dimensioniert werden und gegenüber dem ursprünglichen Raumprogramm sind zusätzliche Abstellräume, mehr Toiletten und grössere Technikräume entstanden. Schliesslich haben höhere Anforderungen an den Schallschutz von Fassade und Fenster sowie Massnahmen zur Verbesserung der Raumakustik zu höheren Kosten geführt.

Eigenständiges Bachprojekt

Der Gemeinderat ist mit dem architektonischen Ergebnis und mit der Umsetzung der Bedürfnisse aus dem Mitwirkungsprozess zufrieden, wie er im aktuellen Mitteilungsblatt verlauten lässt. Doch das Projekt habe «zu viel Speck angesetzt» und sei in der aktuellen Form kaum mehrheitsfähig. Der Rat hat deshalb das Architektenteam beauftragt, zusammen mit der Bau- und Infrastrukturkommission das Vorprojekt zu überarbeiten und nach Einsparungen zu suchen. Dabei seien auch konzeptionelle Überlegungen denkbar. Der Gemeinderat hat den für die Überarbeitung notwendigen Nachtragskredit gesprochen.

Das zwingend notwendige Hochwasserschutzprojekt für den Dorfbach und für das Tüfibächli wirkt sich auf die Neugestaltung des Marktplatzes aus. Das mit dem Wasserbauprojekt beauftragte Ingenieurbüro hat dem Gemeinderat aufgezeigt, dass für die Gemeinde Flawil der grösste Nutzen entsteht, wenn das Gewässer im Bereich des Marktplatzes offengelegt wird. Ausserdem verlangt nun das Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen, dass das Hochwasserschutzprojekt von der Reithalle bis zum Bärenplatz als Gesamtprojekt weiterbearbeitet wird. Es wurde deshalb entschieden, das mittlerweile umfassende Wasserbauprojekt von der Neugestaltung des Marktplatzes zu trennen. Dies in Umkehr zu den bisherigen Absichten des Gemeinderats. Voraussichtlich wird die Bevölkerung zuerst über das Hochwasserschutzprojekt befinden. Der Kredit zur Neugestaltung des Marktplatzes kommt anschliessend zur Abstimmung, wenn der zukünftige Verlauf von Dorfbach und Tüfibächli geklärt ist.

Markplatz kommt später

Da das Hochwasserschutzprojekt in erster Priorität bearbeitet wird, gibt es Verzögerungen bei der Neugestaltung des Marktplatzes mit Markthalle, Kulturhaus und Tiefgarage. Die Wartezeit wird zur Überarbeitung des Vorprojekts genutzt. (rkf/red)