Was im Vorfeld bereits angekündigt worden war, ist nun Tatsache: Lucas Keel wird Präsident und somit neues Gesicht der Regio Wil, Zusammenschluss der 22 Gemeinden der Region. Der Uzwiler Gemeindepräsident ersetzt Guido Grütter, der im Oktober überraschend seinen Rücktritt als Gemeindeoberhaupt von Münchwilen publik gemacht hat, was einher geht mit der Niederlegung des Präsidentenamtes der Regio Wil. Da dieses Amt alternierend von einem Thurgauer und dann wieder von einem St. Galler Vertreter ausgeübt wird, konnte schon fast nur Keel in Frage kommen für die Nachfolge. Immerhin ist er aktuell bereits Regio-Wil-Vizepräsident und steht der zweitgrössten Gemeinde der Region vor.

«Kraftvolle Veränderungen» strebe er an, sagte Keel in seiner gewohnt lockeren und pointierten Art. Was er damit meint und was seine Visionen bei der Regio Wil sind, erläutert der neue Präsident im untenstehenden Video-Interview. In Uzwil sieht er sich mit der Frage konfrontiert, ob die Ressourcen für dieses intensive Regio-Wil-Amt ausreichen. «Ich nehme ein Amt an und gebe drei andere ab. Vor allem jenes der Regio Wil-Fachgruppe Mobilität ist sehr intensiv. Ich werde nicht seltener im Büro sein als bisher», sagte Keel.

Keel im Video: «Müssen den Spirit besser entwickeln»

 

«Grosses Risiko»

Auch die Finanzen interessierten bei dieser Versammlung mehr als bei vorangehenden. Dies liegt an der Organisation «Wirtschaftsportal Ost» (WPO), die am vergangenen Freitag mit einem gross aufgemachten Einführungsanlass samt Bundesrätin Karin Keller-Sutter so richtig lanciert worden war. Das Ziel: Die Region soll bekannter werden und sich besser verkaufen. Finanziell ist WPO ein «grosses Risiko», sagte Noch-Präsident Grütter am Donnerstagabend. Nachdem der Voranschlag für das laufende Jahr bereits mit einem Verlust von 407'000 Franken rechnet, sieht jener für 2020 gar einen Fehlbetrag von 455'000 Franken vor. «Ab dem Jahr 2021 muss sich WPO selbst tragen können», sagte Grütter. Ansonsten müssen die Mitglieder-Beiträge pro Einwohner und Gemeinde von derzeit 5 Franken auf womöglich rund 7,50 Franken erhöht werden.

Um sich selbständig finanzieren zu können, braucht WPO möglichst viele Mitglieder. 15 Prozent aller Unternehmen der Region sollen dereinst dabei sein, also über 1000 Organisationen. Das erste Zwischenziel lautet: 200 Mitglieder bis im Mai des kommenden Jahres. «Wir haben heute das 167. Mitglied begrüsst. Ich denke, wir sind auf gutem Weg. Mich freut vor allem, dass alle Branchen und Grössen dabei sind, vom Einmann-Betrieb bis zu Stihl», sagte Standortförderer Robert Stadler im Rahmen der Regio-Wil-Delegiertenversammlung im Restaurant «Toggenburgerhof» zu Kirchberg.

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Trotz tiefrotem Budget gab es durchwegs Zustimmung von den Delegierten.


Erdwärme für Wil West?

Ein wichtiger Punkt der Regio Wil ist der Entwicklungsstandort Wil West, wo zwischen Wil, Münchwilen und Sirnach bis zu 3000 Arbeitsplätze angesiedelt werden sollen. Kommendes Jahr sind zwei wichtige politische Hürden zu nehmen. Denn sowohl im Kanton St. Gallen als auch im Thurgau wird Wil West im Kantonsrat zum Thema. Es geht jeweils um die Erschliessung des Gebiets. Zudem finden Sondierungen statt, ob das Areal mit Erdwärme verssorgt werden kann.