Die Verantwortlichen des neuen Buskonzeptes mussten sich einiges anhören. Von «totaler Fehlplanung» war die Rede. Hände wurden verworfen. Das neue Buskonzept 2021, welches ab dem 13. Dezember dieses Jahres zur Anwendung kommt, sorgt für Emotionen. Doch worum geht es eigentlich? Das heutige System ist anfällig für Verspätungen, da der Bus eine grosse Schlaufe fährt und nirgendwo Zeit hat, um allfällige Verspätungen aufzuholen. Darum werden neu Stichlinien eingeführt. Heisst konkret: Der Bus befährt auf dem Hin- und Rückweg die gleichen Strassen und kann am Wendepunkt Verspätungen abfedern, da einige Minuten Pause einberechnet sind.

Dies hat zur Folge, dass so ziemlich alles neu wird. Die Linie 701 fährt vom Bahnhof via Konstanzerstrasse und Ulrich-Rösch-Strasse ins Neulandenquartier und wieder zurück. Bus 702 zirkuliert vom Bahnhof via Weierdamm, Neualtwil und Städeli hinunter nach Rossrüti und wieder zurück. Und die Linie 703 verkehrt via Bronschhoferstrasse und Höhenstrasse ins Hofbergquartier – und wieder zurück. Zudem fährt künftig ein Bus ab dem Bahnhof via Glärnischstrasse und Rickenbach nach Kirchberg und Gähwil, während ein anderer via Toggenburgerstrasse und Rickenbach ins Industriegebiet Stelz und wieder zurückfährt. Dies bringt neben der erwarteten erhöhten Pünktlichkeit die Vorteile mit sich, dass die Gebiete Stelz und die Glärnischstrasse vom Öffentlichen Verkehr erschlossen werden und Rossrüti an das Wiler Stadtbus-Netzes angeschlossen wird.

Alle 7,5 Minuten kommt ein Bus

Alles paletti also? Mitnichten. An einer Informationsveranstaltung am Montagabend setzte es für die Macher des neuen Buskonzeptes einiges an Kritik ab. Denn der Teufel liegt ja bekanntlich im Detail. Bei detaillierter Betrachtungsweise fällt zum Beispiel auf, dass 14 neue Bushaltestellen errichtet werden sollen, darunter auch erste Kap-Haltestellen in der Stadt Wil (siehe untenstehendes Video). Wer nun eine Haltestelle direkt vor das eigene Haus «gestellt» bekommt, hat keine Freude – zumal nun doppelt so viele Busse verkehren, da diese auf der gleichen Strasse hin und zurückfahren. Da die Busse unter der Woche im Viertelstunden-Takt unterwegs sind, fährt alle 7,5 Minuten ein Bus vorbei.

Erklär-Video: Was ist eine Kap-Haltestelle?

 
Roman Halter von der Geoinfo AG erklärt, was es mit diesen in Wil neuartigen Haltestellen auf sich hat.

Es werden aber auch zwei Haltestellen aufgehoben, nämlich «Scheibenberg» und «Sonnenberg». Vor allem die Streichung der Haltestelle «Sonnenberg» an der Neulandenstrasse unweit das Kapuzinerklosters sorgt für Emotionen. Denn damit wird nun ein Teil eines Quartiers nicht mehr richtig erschlossen. An der neuen Streckenführung dieser Buslinie 701 wurde auch bemängelt, dass sie so quasi um den Kindergarten an der Bienenstrasse geführt wird.

Leer durch Teile von Rossrüti

Aber auch in Rossrüti ist man nicht zufrieden. Denn der Bus wird «nur» bis zum Parkplatz bei der Schule fahren, also nicht durch das ganze Dorf. In einer Leerfahrt ist er dann durch den Rest von Rossrüti unterwegs, um dann schliesslich zu wenden. Auch die Linie 703 kam nicht ungeschoren davon.

Bemängelt wurde zudem, dass es in Wil zu wenige Bus-Häuschen habe, welche vor Regen, Schnee und Wind schützen. «Ein Mangel», sagte auch Marcel Frei, Leiter Tiefbau der Stadt Wil. Gerne hätte die Stadt schon mehr solcher Häuschen. Jedoch würden sie meistens nicht mit offenen Armen von den jeweiligen Grundstückbesitzern begrüsst, wenn sie mit der Idee vorsprächen, ein Bushäuschen zu bauen. Rund zwei bis drei solcher Häuschen werden pro Jahr lediglich errichtet und die Mehrzahl der Haltestellen ist ungeschützt.


Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte

In den nächsten Tagen werden alle Projekte der neuen Haltestellen öffentlich aufgelegt – und Anwohner haben die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Zwischen August und November sollen dann die Arbeiten ausgeführt werden, so dass der Betrieb per Fahrplanwechsel am 13. Dezember aufgenommen werden kann. Zieht sich bei einer oder mehreren Haltestellen ein Rechtsstreit über dieses Datum heraus, kann die Haltestelle vorerst nicht bedient werden.