Ab dem Fahrplanwechsel in etwas mehr als einem Monat ist in Wil und Umgebung so manches neu. Reisende vom und ins Toggenburg sowie Richtung Weinfelden haben in der Äbtestadt über 20 Minuten Aufenthalt, da die S-Bahnen in einer anderen Taktlage verkehren als bis anhin. Auf die Stadt Wil selber hat das auch darum nicht allzu grosse Auswirkungen, weil mehr Busse unterwegs sein werden. Es wird an den Werktagen ein durchgehender Viertelstundentakt eingeführt. Bis anhin gibt es am Vormittag noch Lücken.

Diese Anpassungen sind längst beschlossene Sache. Der Fokus des Interesses liegt bereits auf den Änderungen, die in zwei Jahren geplant sind. Es sind einige, wie aus dem unlängst veröffentlichten Schlussbericht zum Buskonzept 2021 hervorgeht. Im Kern geht es darum, Verbesserungen vorzunehmen, weil heute wegen der Staus auf den Wiler Strassen die Anschlüsse am Bahnhof nicht gewährleistet sind und oftmals Züge verpasst werden. Zudem sind gewisse Gebiete wie Rossrüti, Maugwil oder Stelz nur ungenügend oder gar nicht mit dem ÖV erschlossen.

Von Thurnsteig: Es braucht Anpassungen

Auf dem Stadtbus-Netz werden Rundkurse durch so genannte Stichlinien ersetzt. Das heisst: Der Bus befährt auf dem Hin- und Rückweg die gleiche Strecke. Am dringendsten ist der Änderungsbedarf auf der Stadtbus-Linie 701 vom Bahnhof ins Neulanden-Quartier. Die einst geplante Variante, die Busse via Fürstenlandstrasse und den steilen von Thurnsteig fahren zu lassen, wird noch nicht umgesetzt. Fahrversuche haben gezeigt, dass der Linienbus beim Einlenken von der Fürstenlandstrasse am Asphalt aufsteht. Es braucht bauliche Massnahmen, die bis Ende 2020 nicht realisiert werden können. Als Ersatz wird nun eine Stichlinie auf der Konstanzerstrasse eingeführt. Die Haltestellen auf der Fürstenlandstrasse sind weiterhin von den Buslinien Richtung Zuzwil bedient.

Die neue Linie 702 führt von Wilen über den Bahnhof Wil und den Hofberg nach Rossrüti. Somit wird Rossrüti mit einem Viertelstundentakt an das Stadtzentrum angeschlossen. Bis anhing gab es für die Rossrütner nur den Bus von und nach Wuppenau-Hosenruck. Allerdings ist die Fahrt von Rossrüti an den Bahnhof Wil im Stadtbus via Hofberg-Quartier relativ weit.

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Für die neuen Buslinien werden zwei zusätzliche Fahrzeuge benötigt, was Mehrkosten auslöst.

Die neue Linie 703 führt von der Reuttistrasse über den Bahnhof via Bronschhoferstrasse und Oelberg zum Städeli. Die Haltestelle Grundstrasse wird wegen mangelnder Übersicht nicht mehr bedient. Stattdessen gibt es in der Nähe eine neue Haltestelle Grundstrasse, welche von der Linie 702 angefahren wird.

Was die Anpassungen kosten

Keine Verbesserungen gibt es ab Dezember 2020 für den beschaulichen Stadtteil Maugwil. Es wird vorderhand darauf verzichtet, die Linie 705 ab Bronschhofen Himmelrich bis nach Maugwil zu verlängern, wie es einst angedacht war. Es sollen zuerst Erfahrungen mit dem Fahrplan 2019 gesammelt werden. Die Erweiterung nach Maugwil soll aber Bestandteil der ÖV-Strategie 2030/35 bleiben.

Alle diese Massnahmen lösen Mehrkosten von rund 700'000 Franken aus, da auf den Linien 701 und 703 je ein zusätzliches Fahrzeug benötigt wird und mehr Kilometer gefahren werden. Auf die Stadt Wil kommen Mehrkosten von 340'000 Franken zu, womit der Beitrag um rund neun Prozent steigt. Dazu kommen Kosten für provisorische Haltestellen in der Höhe von 80'000 bis 100'000 Franken.

Neue Linie ins Industriegebiet Stelz

Änderungen gibt es auch auf dem Korridor vom Bahnhof Richtung Industriegebiet Stelz. Die bereits bestehende Linie 732 Wil – Gähwil verkehrt ab Ende 2020 nicht mehr über die Toggenburgerstrasse, sondern über die parallel verlaufende Glärnischstrasse, womit jenes Gebiet mit dem ÖV erschlossen wird. Gleichzeitig wird eine neue Linie 731 eigeführt, die im Halbstundentakt vom Bahnhof via Toggenburgerstrasse ins Industriegebiet Stelz führt. Somit ergibt sich auf der Toggenburgerstrasse zusammen mit der Linie 730 Wil – Jonschwil ein durchgehender Viertelstundentakt. Voraussetzung für die Realisierung dieser Pläne sind zwei Busbevorzugungsmassnahmen in Rickenbach. Negative Begleiterscheinung: Kirchberg verliert die Direktanbindung an das Bildungszentrum Lindenhof.

Diese neue Linie kostet rund 400'000 Franken im Jahr. Die Stadt Wil und Kirchberg haben sich mit je rund 30'000 bis 45'000 Franken beteiligen. Die Kosten für Wilen und Rickenbach betragen weniger als 10'000 Franken pro Jahr.