Im Gutachten zur Urnenabstimmung führte der Gemeinderat aus, dass die Neugestaltung des Marktplatzes unabhängig vom Hochwasserschutzprojekt Dorf- und Tüfibach realisiert werden kann. Diese Aussage trifft zu. Dennoch haben die Ablehnung des Hochwasserschutzprojekts und weitere Projektanpassungen finanzielle Auswirkungen auf das Bauprojekt.

Hochwasserschutzmassnahmen

Bis das Hochwasserschutzprojekt Dorf- und Tüfibach realisiert ist, befindet sich das Bauprojekt auf dem Marktplatz gemäss Naturgefahrenkarte des Kantons St.Gallen in einem Gebiet, für das zusätzliche bauliche Schutzmassnahmen getroffen werden müssen, heisst es im aktuellen Mitteilungsblatt. Konkret muss das Niveau sowohl der Tiefgarage als auch der Markthalle und des Kulturhauses um zehn Zentimeter angehoben werden. Weiter wird zum Schutz der Tiefgarage vor Überflutung ein Wasserschutztor notwendig und zum Schutz der Häuser an der Gupfengasse vor Überschwemmungen muss östlich des Kulturhauses zusätzlich ein kleiner Damm ausgebildet werden.

Neue Normen für die Tiefgarage

Seit dem 1. Januar 2022 ist eine neue VSS-Norm (Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute) für den Bau von öffentlichen Parkierungsanlagen in Kraft. Eine vollständige Umplanung der Tiefgarage auf die neue VSS-Norm hätte weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Bauprojekt gehabt. Dennoch hat der Gemeinderat verschiedene Komfortverbesserungen im Sinne der neuen Norm beschlossen. So wird einerseits die Breite der Fahrwege von 4,00 Metern auf 4,50 Meter und die Breite der Rampe von 5,35 Metern auf 6,00 Meter erhöht. Daraus resultiert eine minimale Vergrösserung des Baukörpers. Andererseits werden die Radien der Fahrwege vergrössert. Dies wiederum führt zu einer Reduktion der ursprünglich vorgesehenen Anzahl Parkplätze von 60 auf 56.

Holz aus der Region

Im Vorfeld der Urnenabstimmung wurde von verschiedener Seite der Wunsch geäussert, beim Neubau von Kulturhaus und Markthalle einheimisches oder lokales Holz zu verwenden. Die Baukommission hat ein entsprechendes Beschaffungskonzept in Auftrag gegeben. Dieses sieht vor, dass wesentliche Holzbauteile aus dem gemeindeeigenen Wald beziehungsweise aus privaten Wäldern von Flawil und Umgebung stammen. Das geschlagene Holz wird zunächst gelagert und dann in Zusammenarbeit mit der Sägerei des Klosters Magdenau dem zukünftigen Holzbauer zur Verfügung gestellt.

Keine Photovoltaikanlage

Bei der aktuellen Energiemangellage ist Photovoltaik in aller Munde. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Kulturhauses zu installieren, ist aufgrund von Berechnungen der Technischen Betriebe Flawil wegen der vielen hochstämmigen und grosskronigen Bäume nicht sinnvoll. Der Wirkungsgrad einer solchen Anlage wäre wegen des Schattenwurfs zu schlecht. Die Bäume bilden einen Baumhain und entsprechen dem Kerngedanken des Projekts. Sie leisten einen wertvollen Beitrag gegen die Klimaerwärmung. Statt einer eigenen Photovoltaikanlage prüft der Gemeinderat eine Beteiligung an der neuen Solargemeinschaft.

Von der Cateringküche zum Office

Nach Rücksprache mit Kulturschaffenden und Küchenplanern stellte sich heraus, dass die Bezeichnung Cateringküche beziehungsweise die damit verbundenen Erwartungen an die Einrichtungen die Bedürfnisse des geplanten Kulturhauses übersteigen. In der Folge wurde der vorhandene Raum neu geplant und als Office bezeichnet. Im Kulturhaus finden bei Konzertbestuhlung maximal 150 Personen einen Platz. Bei Bankettbestuhlung sind es maximal 60 Personen. Durch die Umgestaltung der Küche können Einsparungen erzielt werden. Andererseits entsteht Platz, um in der Künstlergarderobe eine Toilette zu integrieren, und es gibt Raum zum Abstellen einer mobilen Bar.

Optimierte Bühneneinrichtung

Die technische Einrichtung des Kulturhauses wurde ebenfalls auf das geplante Angebot abgestimmt. Unter Beizug eines erfahrenen Bühnenplaners wurde ein Konzept erarbeitet, welches eine grosse Flexibilität gewährleistet und die Bedürfnisse vieler Kulturanbieter erfüllt. Es darf weiterhin damit gerechnet werden, dass Beiträge an die technische Einrichtung des Kulturhauses aus dem Lotteriefonds des Kantons St.Gallen gesprochen werden.

Aufwändigere Umgebungsgestaltung

Aufgrund der Urnenabstimmung vom 7. März 2021 wird der Tüfibach nicht über den Marktplatz geführt. Dadurch hat sich die neu zu gestaltende Umgebungsfläche von Kulturhaus und Markthalle markant erhöht. Die bestehenden Wegbeziehungen zur Gupfengasse mussten bearbeitet und neue Verbindungen geschaffen werden.

Höhere Baukosten

Der Kostenvoranschlag des Vorprojekts datiert vom 13. Mai 2020. Zwischenzeitlich ist gemäss Angaben des Bundesamts für Statistik vom Juni 2022 eine Teuerung der Baupreise von rund zehn Prozent eingetreten. Gemäss Anhang «Finanzbefugnisse» zur Gemeindeordnung kann der Gemeinderat dafür einen Nachtragskredit in eigener Kompetenz sprechen. Auch die vorstehend beschriebenen Projektanpassungen führen zu Mehrkosten. Ebenfalls im Umfang von rund zehn Prozent. Der damalige Kreditantrag an die Bürgerschaft hatte eine Kostengenauigkeit von plus/minus 15 Prozent. Für die projektbedingten Mehrkosten ist ebenfalls ein Nachtragskredit notwendig, der aus heutiger Sicht dem fakultativen Referendum unterstehen wird.

Wie geht es weiter?

Das Baugesuch zur Neugestaltung des Marktplatzes ist eingereicht. Es wird voraussichtlich vom 9. Januar bis zum 7. Februar 2023 öffentlich aufgelegt. Gleichzeitig mit dem Projekt zur Sanierung der Magdenauerstrasse, dem dafür notwendigen Teilstrassenplan sowie mit der entsprechenden Verkehrsanordnung der Kantonspolizei. Wenn keine Einsprachen eingehen, kann die Baubewilligung bis Mitte 2023 erteilt werden. In diesem Fall ist ein Baustart im Herbst 2023 oder im Frühjahr 2024 möglich. Die Inbetriebnahme von Kulturhaus, Markthalle und Tiefgarage würde dann im Frühjahr/Sommer 2025 erfolgen.