Zwei Gemeinden an der Peripherie des Regio-Wil-Einzugsgebiets waren nicht einverstanden. So etwa Tobel-Tägerschen. «Wir könnten dieses Geld gut für dringendere Sachen brauchen», so das Argument. Fischingen stiess ins gleiche Horn: «Randgemeinden müssten anderes beurteilt werden, weil sie nicht Teil des Agglomerationsperimeters sind.» Doch diese Stimmen waren dann schliesslich doch deutlich in der Minderheit und hatten bei der Abstimmung keine Chance.

Das deutliche Mehr der Regio-Wil-Delegierten stimmte der Erhöhung der Mitgliederbeiträge um 50 Prozent von 5 Franken auf 7,50 Franken pro Einwohner zu. Kirchbergs Gemeindepräsident Roman Habrik sagte: «Wir liegen nicht am Gebiet Wil West, würde aber davon profitieren.» Jonschwils Gemeindepräsident Stefan Frei doppelte nach: «Die Pflege des Standorts ist enorm wichtig.»

Niederbüren bei Regio Wil aufgenommen

Eine Erhöhung des Mitgliederbeitrag wurde nötig, weil die Jahresabschlüsse des Vereins Regio Wil seit dem Jahr 2017 rot sind. Wäre nichts unternommen worden, hätte man Ende des Jahres 2021 das Eigenkapital aufgebraucht. Dies alles steht auch in Zusammenhang mit der Lancierung der Organisation Wirtschaftsportal Ost (WPO). Diese hat sich zum Ziel gesetzt, die Region Wil zusammenzukitten, ihr mehr Selbstbewusstsein einzuhauchen und so auch über die Grenzen der Region hinaus bekannt zu machen. Ohne Erhöhung der Mitgliederbeiträge wäre die Unterstützung von WPO in Frage gestellt gewesen und auf der Regio-Wil-Geschäftsstelle hätte es deutliche Abstriche gegeben. So aber können nun auch die Planungen von Wil West mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen zwischen Wil, Münchwilen und Sirnach vorangetrieben werden.

Die anderen Traktanden gaben zu keinen Diskussionen Anlass. Einstimmig wurde die Gemeinde Niederbüren als 23. Mitglied in den Verein aufgenommen – per 2021. Bis dahin ist das 1500-Seelen-Dorf noch bei der Regio Appenzell-St.-Gallen-Bodensee dabei. «Wir sind eine Thur-Gemeinde und gehören darum zur Regio Wil», sagte Gemeindepräsidentin Caroline Bartholet. Nach der unstrittigen Aufnahme bedankte sich der neue Regio-Wil-Präsident Lucas Keel mit einem Schmunzeln «für die Vergrösserung des Budgets».

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Lucas Keel führte zum ersten Mal als Präsident durch eine Regio-Wil-Versammlung. (Bild: Simon Dudle)

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Mitglieder-Beiträge sollen erhöht  werden (21.11.20)

Seit dem Jahr 2011 gibt es den Verein Regio Wil. Ihm gehören die Äbtestadt selbst und 21 weitere Gemeinden im Umland an. Alles in allem liegen 9 Gemeinden auf St. Galler Kantonsgebiet, 13 im Kanton Thurgau. Niederbüren soll als 23. Mitglied dazukommen. Der Zweck ist in den Regio-Wil-Statuten wie folgt definiert: «Der Verein fördert die nachhaltige Entwicklung der Region durch die Verbindung von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Interessen. Er bildet die Plattform zur Koordination und Abstimmung der kommunalen Planungen. Durch gemeinsame Anstrengungen und eine regionale Denkweise soll die Region umfassend gestärkt und ihre Position als zukunftsgerichteter Raum im überregionalen Standortwettbewerb gefestigt werden.»

Zwischen 2011 und 2017 resultierten jeweils positive Rechnungsabschlüsse und es konnten Reserven gebildet werden. Doch vorab die Realisierung von Wil West mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen, die Erarbeitung des Agglomerationsprogramms vierter Generation und das Aufgleisen der regionalen Wirtschaftsorganisation WPO brauchten und brauchen Geld. Die Budget- und Finanzplanung zeigen auf, dass die Eigenmittel per Ende 2021 aufgebraucht sein werden.

Entscheid am Donnerstag

Die Vorstandsmitglieder der Regio Wil haben sich mit der finanziellen Zukunft auseinandergesetzt. Ihr Fazit: «Ohne Generierung zusätzlicher finanzieller Mittel kommt es zu einem drastischen Abbau in der Organisation und im Leistungsangebot des Vereins Regio Wil. Einsparungen bei den Ausgaben würden nebst dem Abbau des Leistungsangebotes zwar das Defizit reduzieren, aber nicht eliminieren.» Darum soll der Mitgliederbeitrag von aktuell 5 Franken auf 7,50 Franken pro Einwohner jeder Gemeinde erhöht werden, was einer Anpassung gegen oben um 50 Prozent entspricht. Für Körperschaften und Organisationen soll der Jahresbeitrag bei 500 Franken belassen werden.

Ob es dazu kommt, entscheiden die Regio-Wil-Delegierten am kommenden Donnerstag (26. November) an der Delegiertenversammlung im Stadtsaal.