«Ja unser kleines Dörfchen heisst Niederhelfenschwil» tönte es im alten Dorflied. Aber diese Idylle ist vorbei. Vor 50 Jahren war Niederhelfenschwil ein kleines, heimeliges Bauerndorf mit diversen Gewerbebetrieben. Die Landwirtschaft hat noch heute einen beachtlichen Stellenwert. Der Wandel im Dorf aber ist unübersehbar und begann mit der Güterzusammenlegung der Bauernbetriebe in den 1970er Jahren. Es entstanden Siedlungen, Bauernhäuser wurden frei – und das lockte potentielle Käufer an.

Vielseitiges Angebot

Die Lage des Dorfes im Fürstenland mit Blick auf den Alpstein zieht vor allem Familien an. Die 3000-Seelen-Gemeinde Niederhelfenschwil bietet den Bewohnern mehr als viele grössere Ortschaften: Bank, Bäckerei, Metzgerei, Dorfladen mit Postfiliale, Arzt, Zahnarzt, vielseitige Gewerbebetriebe und die Oberstufenschule Sproochbrugg. Mit der Eröffnung der Kantonsschule Wil im Jahr 2002 öffnete sich für die Schüler ein weiterer Bildungsweg in der Nähe und ein weiteres Plus für das Dorf. In Primarschule und Kindergarten werden etwa 160 Mädchen und Buben unterrichtet. Mit der barocken Pfarrkirche St. Johannes, die unter dem Schutz der eidgenössischen Denkmalpflege steht, und der Stiftung Kobesenmühle sind auch Kunst und Kultur wesentliche Bestandteile. Vereine in den verschiedensten Sparten tragen zur Zusammengehörigkeit bei. Zudem ist Niederhelfenschwil mit seinen Weilern, Wäldern und der Thur ein beliebtes Wandergebiet.

Förderung der Gemeinschaft

Mit der regen Bautätigkeit entstanden vermehrt Aufgaben und Bereiche, für die sich niemand richtig verantwortlich fühlte. So wurde am 20. August 1979 die Dorfgemeinschaft gegründet. Wichtigstes Anliegen ist die Förderung der Gemeinschaft im Dorf. Weitere Aufgaben sind: Organisation diverser Anlässe, Pflege des Kulturgutes, Erhaltung und Pflege von Bildstöckli, Wegkreuzen, Brunnen, Ruhesitzbänken, Blumenschmuck auf der Friedhofmauer, Adventseröffnung, Brätelstelle auf dem Istelberg, Vereinsempfänge, Vorbereitung von Wahlversammlungen und Wahlen usw.. Viele Arbeiten werden von Dorfbewohnern kostengünstig und freiwillig übernommen. Im kommenden Jahr wird im Zusammenhang mit der Neuuniformierung der Musikgesellschaft, das 40-jährige Bestehen gefeiert. 

Von Beginn an zeigten sich die Verantwortlichen engagiert und setzten sich ein zum Wohle des Dorfes, das dieses «Verwöhnen» schätzt. Seit 2012 liegt das Präsidium bei Albert Bleichenbacher, während fast 30 Jahren Leiter der Raiffeisenbank. Seine Motivation als Dorfgemeinschafts-Präsident: »Mir liegt die Nähe zur Dorfbevölkerung und die Gemeinschaft untereinander am Herzen. Dafür setze ich mich gerne ein. Ich möchte wichtige Anliegen mit Behörden und Mitmenschen diskutieren und Lösungen erarbeiten, zum Beispiel die Beleuchtung des Fussgängerstreifens bei der Primarschule.»

Bürgerversammlungen

Vor wenigen Tagen fand die jährliche Bürgerversammlung statt - vorgängig auchjene von Bürgergemeinden von Kirche und Wasserkorporation. Michael Okle, Präsident des Kirchenverwaltungsrates, betonte die gute Zusammenarbeit im Zweckverband der Seelsorgeeinheit Mittleres Fürstenland SEMF. Der ausführliche Amtsbericht enthält viele Details aus dem vergangenen Jahr. Der neue gemeinsame Standort des Sekretariats ist im umgebauten Pfarrhaus Zuzwil. Zur Sicherheit der Kirchenbesucher wurden an den Treppen aussen und innen Handläufe angebracht. Im April geht die neue Homepage online. In Bezug auf die Wahlen im Herbst gab Okle diverse Rücktritte aus den Kommissionen bekannt. 

Christian Pfister, Präsident der Wasserkorporation, wies auf den trockenen Sommer hin, unter dem nicht nur die Natur gelitten hat, sondern mit dem auch viele Menschen zu kämpfen hatten. Das Trinkwasser ist von hygienisch einwandfreier Qualität, was die 21 in Auftrag gegebenen Analysen bewiesen. Es wird zum Preis von 48 Rappen pro Kubikmeter unbehandelt an die Haushalte abgegeben. Erfreuliches Ergebnis: Das Grundwasser unter der Thur wurde nicht wesentlich beeinträchtigt.