Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Niederstetten ist der stetig zunehmende Durchgangsverkehr – vor allem auch die wachsende Zahl an Lastwagen – zur Plage geworden. Eine Kommission hat im Auftrag der Gemeinde Uzwil ein Konzept ausgearbeitet, wie die Verkehrssituation verbessert werden könnte. Zur Präsentation waren die Niederstetter in die Traube eingeladen. Das Interesse war gross, die Gaststube füllte sich bis auf den letzten Platz.Auf der Homepage der Gemeinde Uzwil wird Niederstetten, eines der sieben Dörfer der Gemeinde, folgendermassen beschrieben: «Das Dorf Niederstetten hat seine ländliche Prägung bis heute erhalten. Rund 140 Einwohnerinnen und Einwohner zählt das Dorf. Im Gebiet von Niederstetten - dem westlichsten Dorf der Gemeinde - werden seit Jahrzehnten umfangreiche Kiesvorhaben abgebaut.»

Strassen prägen den Raum
Vor drei Jahren hatte der Gemeinderat Uzwil in Niederstetten getagt und sich anschliessend die Sorgen der dörflichen Bevölkerung angehört. Gemeindepräsident Lucas Keel nahm in seiner Begrüssung darauf Bezug. Dem brennendsten Problem des Dorfes, der Belastung durch den Durchgangsverkehr, hat sich in der Zwischenzeit eine Kommission angenommen. Lucas Keel äusserte einige grundlegende Gedanken zur Raumgestaltung. Strassen käme dabei eine vorrangige Bedeutung zu. Sie seien dauerhafter als Parzellengrenzen, Bauten und Pflanzen.

Gute Struktur stärken
Raumplaner Armin Meier vom Büro Strittmatter in St. Gallen stellte fest, dass sich Oberflächen rasch veränderten. Deshalb müsse der Frage nachgegangen werden, was an einem Dorf spezifisch sei. Für Niederstetten könne diesbezüglich gesagt werden, dass die gewachsene Landschaft einen grossen Anteil habe und dass das Dorf seinen ländlichen Charakter bewahrt habe.

Diese Merkmale müssten nach Möglichkeit noch gestärkt werden. Dazu hätten allerdings die Einwohner im gleichen Mass beizutragen wie die Gemeinde.

Tempo-30-kompatibel
Niederstetten ist nicht gross, setzte sich aber ursprünglich trotzdem aus zwei Dorfteilen zusammen, welche durch ein Tobel getrennt waren. Dieses Tobel wurde aufgeschüttet, und die Strasse führt in einer grossen Kurve darüber. In beiden Dorfteilen erlauben die Nähe der Häuser und unübersichtliche Kurven keine Verbreiterung der Strasse oder gar den Bau eines Trottoirs.

Das Konzept sieht deshalb eine Reduktion der Geschwindigkeit durch Verengung der Fahrbahn vor. Schon vor den eigentlichen Dorfeingängen soll sie durch optisch wirkende Massnahmen wie Bäume oder Gärten erreicht werden. In den beiden Dorfteilen sind einerseits die Hausbesitzer aufgefordert, ihre Vorgärtchen ansprechend zu gestalten. Die Gemeinde sieht ihrerseits vor, das Wasser der Brunnen entlang der Strasse streckenweise oberirdisch in Rinnen am Strassenrand fliessen zu lassen.

Damit hofft man, eine Reduktion der Geschwindigkeit auf 30 km/h zu erreichen, für Lastwagen beim Kreuzen sogar auf 20 km/h. Es ist aber vorläufig nicht vorgesehen, die Durchfahrt als Tempo-30-Zone zu signalisieren. Nach Aussage von Gemeindepräsident Keel ist die vorgesehene Ausgestaltung aber Tempo-30-kompatibel.

Diskussionsgrundlage
Jetzt liegt für Niederstetten ein Verkehrskonzept als Diskussionsgrundlage vor. Die Gemeinde hat der Bevölkerung sozusagen den Ball zurückgespielt. Die Niederstetter sind in doppelter Weise gefordert. Einerseits wird von den Einwohnern, welche entlang der Strasse wohnen, gewünscht, dass sie ihre knapp bemessenen Vorgärten so gestalten, dass sie attraktiv sind und ausserdem zur optischen Verengung der Strasse beitragen. Andrerseits sollen alle das Konzept nun eingehend studieren und diskutieren und bis Ende November Stellung beziehen.

Das Konzept ist auf der Homepage der Gemeinde aufgeschaltet. Ansprechpartner auf der Gemeindekanzlei ist Christoph Paly, Leiter der Bauverwaltung.

Die Gemeinde will sich im Lauf des nächsten Jahres auf der Basis der eingegangenen Vorschläge und Kritik an die Detailplanung machen und auch eine Kostenberechnung und einen Zeitplan für die Realisierung erstellen.