Die Vereinsdelegationen der Musikgesellschaft und des Turnvereins Niederwil versammelten sich am Samstagabend anlässlich des Turnerabends zum Empfang von Chantal Tanner vor der Mehrzweckhalle Rössliwis. Sie begleiteten den Einmarsch der erfolgreichen Sportlerin in den Festsaal. Auf der Bühne stellte Dorfpräsident Peter Bruhin die Athletin vor und erwähnte dabei die sportlichen Erfolge ihrer noch jungen Karriere. Er gratulierte ihr mit Blumen. Die 21-jährige Niederwiler Leichtathletin gewann nach 2017 auch dieses Jahr bei den Schweizer Meisterschaften in Zürich den Titel im Diskuswerfen. Dies ist umso erstaunlicher, als dass sie erst seit drei Jahren diese technisch anspruchsvolle Einzeldisziplin bestreitet. Vorher war sie als Siebenkämpferin aktiv.


Der Traum vom Profisport

Chantal Tanner wuchs in Niederwil auf und machte dort in der Jugendriege des Turnvereins die erste Bekanntschaft mit dem Sport. Schon in ihren Schülerjahren besuchte sie in Gossau das vielseitig orientierte Leichtathletiktraining der LAG Gossau. Der Einstieg in den Mehrkampf verlief vielversprechend, bevor sie sich definitiv für ihre Lieblingsdisziplin Diskus entschied. Nach ihrer Lehre als Kleinkindererzieherin (FaBe Kinder) wollte sie ihr sportliches Talent nutzen und mehr Zeit in den Sport investieren. So reduzierte sie ihr berufliches Pensum zugunsten der sportlichen Karriere. „Meine Leistungen und Erfolge haben zugenommen und so kam es, dass ich im vergangenen Jahr unverhofft die EM-Limite bei den U23-Leichtathleten erfüllen konnte. Anfangs 2018 verbrachte ich drei Monate in Dublin, um mich technisch vom irischen Nationaltrainer David Sweeny weiterbilden zu lassen“, sagt sie. Nun wolle sie nur noch wenige Prozente arbeiten, um möglichst viel Zeit und Energie in den Sport investieren zu können. Vom Sport könne sie vorläufig noch nicht leben, weil sie noch von zu wenigen Sponsoren unterstützt werde. Sie habe schon immer davon geträumt, Profisportlerin zu werden.


Klare Zielsetzung

„Ich habe ein klares Ziel vor Augen, welches ich durch strukturiertes Planen, eine grosse Leistungsbereitschaft, Begeisterung, Belastbarkeit und bei Gesundheit erreichen möchte“, sagte Chantal Tanner. Der Spass am Sport und die Leidenschaft dazu hätten jedoch oberste Priorität. Vergangenes Jahr habe sie sechsmal die Woche trainiert und noch 80 Prozent in ihrem Beruf gearbeitet. Nun habe sie festgestellt, dass dies nicht mehr möglich sei. Sie habe ihr Training intensiviert und komme nun auf 16 Stunden bei acht Trainingseinheiten. Dieser ausgeprägte Trainingswille ist eine der Stärken der Athletin. Neben dem Sport habe sie weitere Hobbies wie Tanzen, Lesen, Reiten und Rollerbladen. Chantal Tanner trainiert seit drei Jahren beim Leichtathletikclub Zürich unter Trainer Werner Kunz, dem sie viel verdankt. Sie bringt mit ihrer Grösse von 1,83 m und einem Gewicht von 80 Kilo gute Voraussetzungen für die gewählte Disziplin mit. Im Vergleich mit den ausländischen Diskuswerferinnen sei sie allerdings etwas zu leicht, dafür aber weniger massig, meinte sie schmunzelnd. Als nächstes will sie ihre Stellung bei der nationalen Spitze in ihrer Disziplin beibehalten, sowie als bedeutendste Wettkämpfe 2019 die U23-EM in Polen, 2020 die EM Aktive und 2021 die WM in Oregon (USA) bestreiten.

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Chantal Tanner (Mitte) holte an der Schweizermeisterschaft in Zofingen den Titel vor  Pauline Vaglio-Agnes und Céline Müller 

(Bilder zur Verfügung)


Zahlreiche Erfolge

Chantal Tanner bezeichnet als ihren grössten Erfolg im Jahr 2017 die Teilnahme mit dem Schweizer Team an der EM in Vaasa (Finnland), wo der dritte Rang und somit der Aufstieg in die höchste Klasse resultierte. Dann folgten die Qualifikation an der U23-EM in Polen mit Schlussrang 18 und die drei Titel Schweizermeisterin U23, Aktive und Team. In diesem Jahr setzte sie ihre Erfolge fort, so am 7. European Throwing Cup U23 in Leiria (Portugal). Ausserdem wurde sie Diskus-Schweizermeisterin bei den U23 und bei den Aktiven. Aufgrund ihrer Leistungen gehört Chantal Tanner dem Elite-Kader an und wurde mit der Swiss Olympic Card „E-Elite“ ausgezeichnet. Die Swiss Olympic Card ist eine Auszeichnung für Athleten – einerseits für die international erbrachten Wettkampfleistungen, und andererseits für vorhandenes Potenzial. Ihre Stärken liegen bei einer guten Technik und Schnellkraft und dem Vorteil langer Arme. Sie findet bei der Begeisterung für ihren Sport auch einen Zusammenhang mit ihrer zweiten Leidenschaft Tanzen: “Bei der Vorbereitung zum Abwurf des Diskus drehen ich mich um die eigene Achse und hüpfe von einem auf das andere Bein. Dieser rhythmische Ablauf gefällt mir besonders und erinnert mich an das Tanzen», so die junge Sportlerin.

Sportliches Dorf

Der 1968 gegründete Turnverein Niederwil feierte an den diesjährigen Turnshows den 50. Geburtstag. In 15 Nummern präsentierten sich die verschiedenen Riegen von den Kleinsten des Kinder- und Mukiturnens bis zu den Männerriegler mit unterhaltsamen und fantasievollen Darbietungen. Die Beteiligten zeigten dabei turnerische und tänzerische Qualitäten. Zur Abwechslung spielte die junge Pianistin Oriana ein Geburtstagsständchen auf ihrem Instrument. Den krönenden Schlusspunkt setzten die Akronis, die mit einem akrobatischen Feuerwerk das Publikum begeisterten. Zwischen den einzelnen Nummern unterhielten der Moderator Beat Thaler und einige Humoristen mit Sketches und Klamauk das Publikum.