«Das Spital Flawil bietet die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung des Fürstenlandes und des unteren Toggenburgs. Die Einbindung an das Kantonsspital St. Gallen garantiert Patienten die spezialisierte Zentrumsmedizin – innerhalb schlanker Strukturen und mit kurzen Wegen.» So liest es sich immer noch auf der Homepage des nun geschlossenen Spitals Flawil.

Es geht in diesem Artikel nicht darum, die Schliessung zu beklagen. Die jüngste Geschichte des Spitals dokumentiert aber augenfällig, wie raschlebig unsere Zeit geworden ist. Manchmal ist fast über Nacht alles anders.

«Angriff abgewendet»

Auch wenn der Kanton St. Gallen stolz auf sein Gesundheitswesen war und ist, gegen Ende des Jahrtausends drohten die Gesundheitskosten aus dem Ruder zu laufen. Die Regierung mit Gesundheitschef Anton Grüninger wollte die Kostenexplosion eindämmen. Erste Massnahme: Die Spitäler Flawil, Wattwil und Altstätten sollten geschlossen werden. Die Regierung hatte aber die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht. Wegen ihres heftigen Widerstandes wurde der Plan aufgegeben. Zwei Jahre später versuchte man es andernorts. Diesmal wollte man die Spitäler Rorschach und Wil aufheben. Dieses Vorhaben stiess sogar auf koordinierte Ablehnung. Die Wiler demonstrierten auch in Rorschach und die Rorschacher in Wil. Als Folge wurde Regierungsrat Anton Grüninger (CVP) 2004 abgewählt.


Erlahmter Widerstand

Seine Nachfolgerin Heidi Hanselmann (SP) stand in der Folge bis 2020 dem Gesundheitsdepartement vor. Unter ihrer Führung wurden das Kantonsspital St. Gallen und die acht Regionalspitäler in vier Spitalverbunde zusammengefasst. Flawil gehörte mit Rorschach zur Spitalregion St. Gallen, Wattwil und Wil zur Spitalregion Fürstenland. Im November 2014, also vor nicht einmal ganz sieben Jahren, hat das St. Galler Volk Investitionen von einer Milliarde Franken in die Spitäler gutgeheissen. Bis heute ist aber noch nicht alles verbaut, und in den Spitälern, die weitergeführt werden, steht der Nutzen nicht infrage. Als die neue Spitalstrategie (vier Spitalstandorte belassen – fünf schliessen) bekannt wurde, wurden in Flawil erneut alle Hebel in Bewegung gesetzt, das drohende Unheil abzuwenden. Die Gemeinde hatte sich sogar erfolgreich um einen neuen Betreiber des Spitals bemüht, war damit aber beim Kanton abgeblitzt.

Akzeptable Lösung

Nachdem die «Taube auf dem Dach» abgeflogen ist, begnügt man sich mit «dem Spatz in der Hand»: Das bestehende Spitalgebäude wird abgebrochen und bis Mitte 2024 durch einen Neubau für ein Kompetenzzentrum Gesundheit, Therapie und spezialisierte Langzeitpflege ersetzt. Diese Lösung scheint auch für die rund 200 Mitarbeitenden des Spitals akzeptabel zu sein. Rund ein Drittel geht freiwillig einen neuen Weg, der Rest wird im Kantonsspital St. Gallen weiterbeschäftigt. Sowohl auf ärztlicher Seite als auch in der Pflege standen viele schon bisher sowohl in Flawil als auch in St. Gallen im Einsatz.