Seit dem 1. Juni des vergangenen Jahres dürfen sich in der Stadt Wil auch Menschen in die politische Diskussion einbringen, die eigentlich kein Stimmrecht haben. Gemeint sind Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, die in Wil wohnen. Sie dürfen sich dank des so genannten Partizipationsartikels an den Präsidenten des Stadtparlaments wenden. Unterstreichen sie ihre Forderung mit mindestens zehn Unterschriften, so muss das Präsidium auch effektiv aktiv werden. Nachdem über ein Jahr niemand von diesem Artikel Gebrauch gemacht hatte, bekam Wils Stadtschreiber Hansjörg Baumberger am Mittwochnachmittag zum ersten Mal einen solchen Antrag überreicht.

Initiantin ist Mara Stolz, die in der Mädchenschule St. Katharina die zweite Oberstufe besucht. Sie würde gerne ihr Sackgeld aufbessern, tut sich aber schwer, einen entsprechenden Job zu finden. Zwar existiert im Berufsinformationszentrum BIZ eine Liste mit Ferienjobs. Aber: «Nicht alle Jugendlichen können oder wollen in den Ferien arbeiten. Sie suchen nach Jobs, die sie zum Beispiel am Mittwochnachmittag oder am Wochenende verrichten können. Leider gibt es keine Liste oder sonstige Plattform für solche Jobs», sagt die 14-Jährige.

In Eschlikon bereits Realität
Von ihren Eltern auf den Partizipationsartikel aufmerksam gemacht, schickte sich die engagierte Sekundarschülerin an, möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Sie liess die Bögen nicht nur im Kathi zirkulieren, sondern auch an den anderen drei Wiler Oberstufen Lindenhof, Sonnenhof und Bronschhofen. Waren anfangs dieser Woche rund 100 Unterschriften beisammen, so konnten am Mittwochnachmittag über 150 Stück an Stadtschreiber Baumberger übergeben werden. Nachdem die Signaturen kontrolliert sind, hat sich Parlamentspräsident Luc Kauf mit dem Antrag zu befassen und zu entscheiden, ob darauf eingetreten wird.

Abwegig ist der Vorstoss keineswegs. In mehreren Gemeinden der Schweiz gibt es bereits solche Plattformen. So auch in Eschlikon. Dort wurde eine «Koordinationsstelle Sackgeldjobs Eschlikon» ins Leben gerufen. Auch die Jugendkommission der Gemeinde ist involviert. Diese verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen und beschränkt sich auf die Vermittlungstätigkeit. Sowohl Firmen wie Private können Jobs anbieten. Jobsuchende melden ihr Interesse mittels Anmeldeformular an. Zu beachten ist, dass für Nicht-Volljährige beim Geldverdienen spezielle Regeln gelten. So dürfen sie unter anderem nur leichte Arbeiten verrichten und während der Schulzeit höchstens neun Stunden pro Woche arbeiten. Die Leistung in der Schule darf nicht beeinträchtigt werden.

Vom Erfolg überzeugt
Der Antrag an die Politiker ist im Partizipationsvorstoss klar und deutlich formuliert: «Wir wünschen uns eine Plattform, auf der sowohl Ferien- als auch Freizeitjobs angeboten werden. Diese Plattform soll auf einem aktuellen Stand gehalten werden. Stellenangebote sollen im Gewerbe und in der Bevölkerung aktiv gesucht werden» Mara Stolz sagt: «Ich glaube fest daran, dass mit diesem Vorstoss etwas bewirkt wird.»