Die Oberuzwiler Bundesfeier wird abwechselnd in den drei Dörfern Oberuzwil, Bichwil und Niederglatt durchgeführt. In diesem Jahr war Bichwil an der Reihe. Schauplatz der Feier war der Riethof der Familie Weiss. Der Festablauf war traditionell. Allerdings sorgte ein kurzes, aber heftiges Gewitter eine Stunde nach Festbeginn für einige Aufregung. Vor dem eigentlichen Festakt heiterte sich der Himmel aber wieder auf. Die Festansprache hielt Thomas Franck, der in Oberuzwil wohnhafte Verwaltungsdirektor des Administrationsrates, der Körperschaft der St. Galler Katholiken.Der Festredner begann seine Ausführungen mit Überlegungen zum Stichwort Ausgleich. Mit einem Zitat von Thomas Morus belegte er, dass sich Reiche schon vor 500 Jahren mit allen möglichen Mitteln für die Beibehaltung ihres Besitzes eingesetzt hätten. Was uns zerstöre, habe Mahatma Gandhi so formuliert: Politik ohne Prinzipien, Vergnügen ohne Gewissen, Reichtum ohne Arbeit, Wissen ohne Bewusstsein, Wirtschaft ohne Moral, Wissenschaft ohne Menschlichkeit und Glaube ohne Opfer.

Haben wir die Balance verloren?
Auch wenn das manchmal so scheine, so hätten wir in unserer direkten Demokratie die Möglichkeit, korrigierend einzuwirken und für Ausgleich zu sorgen. Im Bund der Eid-Genossenschaft seien alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, zum Gemeinwohl beizutragen. Die Stärke der Gesellschaft messe sich am Wohl der Schwachen und am Schutz der Minderheiten. Als Schlüssel für Stabilität, Frieden und Wohlstand nannte Thomas Franck Ausgleich, Konsens, Kompromiss und Gerechtigkeit.

Demokratie sei nicht die Macht der Mehrheit über die Minderheit, sondern die Herrschaft des ganzen Volkes, sie gewähre gleiche Rechte und Würde für alle.

Wir sind Glückspilze
Mit der Geburt in unserem wunderschönen Land hätten wir eine einzigartige Ausgangslage bekommen. Wie gut es uns gehe, werde ihm immer wieder bewusst, wenn er in seiner beruflichen Tätigkeit Direkthilfe in Entwicklungsprojekte in den Ländern des Südens leisten dürfe: «Mein Gott, auf welch hohem Niveau jammern wir und um welche kleinen Fragen streiten wir gelegentlich».

Zu unserem Wohl hätten wir zwar einiges beigetragen, aber auch eine grosse Portion Glück beansprucht. Die meisten Länder rund um uns herum seien in den vergangenen hundert Jahren zweimal durch schreckliche Kriege auf den Nullpunkt zurückgeworfen worden.

Grund zur Dankbarkeit
Der Referent listete eine Vielzahl von Errungenschaften und Vorzügen auf, welche Anlass zu einer tiefen Dankbarkeit sein müssten. Leider aber gebe es immer Mitmenschen, welche unser Land und unser Staatswesen schlecht redeten: «Seit ich mich erinnern kann, wird der Niedergang gepredigt, aber wir sind alle noch da, und haben es besser denn je».

Appell: Sorge tragen
Abschliessend appellierte Thomas Franck an die Zuhörer, zu unserem Staatswesen, zu unserem Land, zu unserem funktionierenden System, zu unserer Gesellschaftsordnung und zu unseren Rechten Sorge zu tragen. Dazu brauche es Menschen, die sich tagtäglich dafür engagierten, oft auf freiwilliger Basis oder nur für ein bescheidenes Entgelt. Jeder könne und müsse etwas beitragen, sei es in einem Gremium, einer Kommission, einer Behörde, aber auch in einem der vielen gemeinnützigen Vereine, in der Freiwilligenarbeit, in der Familienarbeit, in der Kindererziehung. All das trage zu unserem guten Leben hier bei.

Gediegene Feier
Der idyllisch im Riet gelegene Hof der Familie Weiss eignete sich vorzüglich für die Durchführung der Bundesfeier. Zahlreiche Besucher aus den drei Dörfern liessen sich trotz problematischer Witterungsverhältnisse nicht an der Teilnahme hindern.

Schon um 18 Uhr lud die von der Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil geführte Festwirtschaft zu Speis und Trank und geselligem Verweilen ein. Hansueli Solenthaler unterhielt sie als Ein-Mann-Orchester.

Den musikalischen Auftakt setzte die Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil unter der Direktion von Dominik Eugster. Sie begleitete auch die von den Besuchern gesungene Landeshymne. Dominik Eugster überraschte zusammen mit Urs Ghirlanda auch mit drei stimmungsvollen Alphornmelodien.

Zahlreiche Kinder beteiligten sich am Lampionumzug, der beim lichterloh brennenden Funken endete.