William Shakespeare schrieb das berühmte Drama um die zwei Liebenden, die aus verfeindeten Familien stammen, vor über vierhundert Jahren. Es hat aber nicht an Zauber und Aktualität eingebüsst. Das Stück befasst sich mit aktuellen Fragen:

Wie wollen wir leben und wen dürfen wir lieben? Im Bekannten verharren? Die hassen, die unsere Eltern hassten, die heiraten, die die Freunde unserer Eltern sind? Oder alles neu? Freie Liebe, selbstbestimmtes Leben, unabhängiges Modell? 

In Shakespeares wohl meistgespielter Tragödie reisst die Liebe eines jungen Paares alte Wunden auf, die nie geheilt waren, bloss überdeckt – und bringt so zum Vorschein, was möglich wäre, nämlich die Annäherung der verfeindeten Familien. Aber Frieden ohne Opfer scheint unmöglich zu sein. So prallen in diesem Stück Utopie und Illusion grausam aufeinander. Der Kampf der jungen Generation dafür, dass dies nicht so sein muss, dass Utopien sich auch ohne Verluste verwirklichen können, zieht das Publikum in seinen Bann und berührt versteckte Sehnsüchte. Doch wer wird am Ende siegen? Die Alten oder die Jungen? Die Utopie oder die Illusion?

Die Inszenierung des Regisseurs Christian Leonard greift Lebenshunger, Forschergeist und Aufbruchsstimmung der Renaissance auf und überträgt diese in ein Theatererlebnis für die Gegenwart. Ein Schauspiel in bester Volkstheatertradition, von einem wandlungsfähigen Ensemble auf die Bühne gebracht, voller Sprachreichtum, rasanter Kampfszenen und berauschender Musik.

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