«Liebe Bahnhofstrasse. Eigentlich ist eine Ode an dich geplant gewesen, aber das wird wohl etwas schwierig. Eine vollumfängliche Liebeserklärung jedenfalls wird es nicht, dafür bist du zu widerspenstig und zu sperrig – das macht dich auch wieder ein Stück sympathischer». Die Abschlussrede von Ohm41 Mitglied Franziska Peterli liess gestern Morgen noch einmal aufhorchen. Sie zog damit einen Vergleich zum Wiler Kunstnetzwerk Ohm41. «Uns werden nämlich genau diese Attribute nachgesagt, widerspenstig, sperrig, spröde und charmant zu sein. Aber: Liebe Obere Bahnhofstrasse, dir fehlt die Lust am Fabulieren, Gestalten und der Lebendigkeit, dabei wäre dein Potenzial so gross». Wie gross das Potenzial ist, hat das Kunstnetzwerk in den vergangenen vier Wochen aufgezeigt. Mit 27 Anlässen, Auftritten und Aktionen, hauchten sie der Einkaufsmeile Leben ein – geerntet haben sie dafür zahlreiche positive Feedbacks.

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Ein Shoppinglied mit Franziska Peterli und Markus Eugster, zusammen moderierten sie am Sonntag die Finissage des Kunstprojekts "Uf än art wil i ohm41"

Die Krux mit den Fussballern
Für Aufsehen sorgte etwa die Aktion von und mit Stefan Kreier und seinem Lauchbeet auf dem Schwanenkreisel. Schade bloss, werden solche aufwändigen Aktionen respektlos zerstört. Dass die Fussballfans die Siege ihrer Mannschaft an der Fussballweltmeisterschaft in und auf besagtem Kreisel feiern müssen, muss nicht jeder verstehen. Über 3000 Lauchsetzlinge verschönerten den ansonsten nicht unbedingt für seine Schönheit bekannten Kreisel. Am schlimmsten in Mitleidenschaft wurden die Setzlinge nach dem Spiel der Schweiz gegen Serbien gezogen. Als über 1000 Fans – der Grossteil war albanischer Herkunft – ohne Rücksicht auf die Natur alles zertraten was es zu zertreten gab. «Aber Karma schlug zurück und liess unseren Turbolauch wieder auferstehen. Der grösste Teil der Setzlinge hat überlebt und dürfen sich der Bevölkerung noch eineinhalb Wochen präsentieren, dann muss er nach Vorgabe des Stadtrates entfernt werden», sagte Stefan Kreier an der gestrigen Finissage.

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Der Turbolauch auf dem Schwanenkreisel hat die respektlosen Angriffe der Fussballfans grösstenteils überlebt. Das Lauchbeet war Teil des Kunstprojekts „Uf än art wil i Ohm41“.

Diesmal geht auch ein Dank an die Polizei
„Uf än art wil i Ohm41“ wird in Erinnerung bleiben. All jenen die mitgewirkt haben, all den Musikanten die für Unterhaltung gesorgt haben und all jenen Menschen, die es genossen haben, dass an der Oberen Bahnhofstrasse „mal etwas los“ gewesen ist. Stefan Kreier will auch der Polizei Danke sagen. Sie haben, insbesondere am Schwanenkreisel, enorm deeskalierend gearbeitet, «da darf man auch unseren Freund und Helfer mal loben». Markus Eugster und Franziska Peterli führten gestern durch die Abschlusszeremonie und sangen sich mit ihrem Shoppinglied gar in die Herzen der Besucher. Ohm41 zieht spontan ein positives Fazit, wie Nachhaltig es wirkt, wird sich zeigen. Kulturvermittlung hat stattgefunden – man hat der Oberen Bahnhofstrasse ein Geschenk gemacht und hofft, dass Nachahmer ebenfalls mal etwas Herzblut investieren, um mit unterschiedlichsten, kulturellen Angeboten, der Fussgängerzone Leben einhauchen.

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Anschauliche, aufsehenerregende Objekte gehörten beim Kunstprojekt „Uf än art wil i Ohm41“ dazu.
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Dank, wem Dank gebührt. Markus Eugster von Ohm41 (rechts) bedankte sich bei Tobias Strehler und Jil Zerndt. Sie beide haben sich während den 27 Veranstaltungen um das leibliche Wohl der Besucher gekümmert.
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Stefan Kreier von Ohm41 (rechts) unterhielt sich gestern nach der Finissage von „Uf än art wil i Ohm41“ mit den Besuchern.
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Kunst kann auch rosarot sein

Informationen zum Künstlernetzwerk unter: www.ohm41.ch