Ohne Freiwilligenarbeit gäbe es zum Beispiel keine Anlässe im Kulturpunkt, keinen attraktiven Ferienplausch, keine Betreuung von Asylsuchenden sowie Flüchtlingen, aber auch keine Flawiler Klausgruppe. Während vieler Stunden arbeiten Personen in ihrer Freizeit unentgeltlich und meist unbemerkt. Sie stellen ihre kostbare Zeit für Einsätze zum Wohle der Allgemeinheit zur Verfügung. Zu diesen Personen gehört auch Albert Tanner, der für die St.Nikolaus-Aktion in Flawil verantwortlich ist. Als Oberklaus kümmert er sich um die Koordination der ganzen Aktion und insbesondere um die Tourenplanung.

Den Brauch weitergeführt

1975 war’s, als in Flawil zwei Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) an Leo Stillhart, den damaligen Leiter der Kolpingfamilie, herantraten und ihn anfragten, ob sie nicht den Nikolausbrauch weiterführen würden. Die Mitglieder der Kolpingfamilie waren junge Familien mit Kindern, wogegen in der KAB kein Nachwuchs vorhanden war. Zu jenen Verantwortlichen der Kolpingfamilie, die schliesslich entschieden, den Brauch in Flawil weiterzuführen, gehörte auch Albert Tanner. Die Anfänge seien nicht einfach gewesen, erinnert er sich. «Denn wir hatten keine Erfahrung, weder als Schmutzli, noch als St. Nikolaus.» Doch sie hätten die Besuche so gestaltet, wie sie es als Familienväter in ihren Familien selber gerne gehabt hätten.

Seit vielen Jahren leitet Albert Tanner nun schon die St. Nikolaus-Aktion in Flawil. Wobei er stets auf sein Team verweist, das derzeit 14 Samichläuse, 15 Schmutzlis sowie 10 Helfer umfasst. Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Klausgruppe sind die Esel, die früher in der Burgau und heute im Botsberger Riet zu Hause sind. Viele Spaziergänger erfreuten sich dort jeweils an den Tieren. «Ich darf seit Jahren auf ein tolles, motiviertes Team im Klausrat und in der Klausgruppe zurückgreifen», sagt Albert Tanner, der 2017 für seine 50-jährige Mitgliedschaft die goldene Kolpingnadel erhielt. Sie seien von Anfang bis Mitte Dezember im Einsatz. Entweder als St.Nikolaus, als Schmutzli, als Helfer oder als Mitglied der Küchencrew, die jeweils für die Verpflegung nach den Einsätzen sorgt.

Ausrüstung wird stetig erneuert

Nicht nur den Einsatz seiner Kollegen in der Klausgruppe schätzt Albert Tanner sehr. Auch das Engagement der Katholischen Kirchgemeinde St. Laurentius erwähnt er ganz speziell. Sie unterstütze die Klausgruppe seit jeher. Seit dem Umbau des Pfarreizentrums 2008 kann die Klausgruppe ihr umfangreiches Material in eigens dafür eingebauten Wandkästen lagern. Das sei eine grosse Erleichterung. «Ohne die verschiedenen Räume und die Küche im Pfarreizentrum wäre die Klausaktion mit ihren über einhundert Besuchen in Familien, Schulen, Kindergärten, im Spital und im Pflegeheim gar nicht zu bewerkstelligen», sagt Albert Tanner.

Wie sehr die Klausgruppe in Flawil geschätzt wird, erfuhren die Mitglieder im Jahr 2010. Dank der finanziellen Unterstützung von Sympathisanten und Institutionen konnte die Klausgruppe damals sieben neue Nikolauskleider und neun Mitras anschaffen. Die Einnahmen aus den St. Nikolaus-Besuchen werden zur Seite gelegt, um die «Ausrüstung» immer wieder erneuern oder ergänzen zu können. Nur eines gönnt sich die Klausgruppe: jeweils ein Nachtessen im Januar – nach getaner «Klausarbeit».

Freiwilligenarbeit sichtbar machen

Die Freiwilligenarbeit soll in Flawil auch im Jahr 2030 immer noch ein wichtiger Pfeiler des Zusammenlebens sein sowie in der Öffentlichkeit wahrgenommen und geschätzt werden. Das ist die Vision des Gemeinderates. Daraus abgeleitet wurde auch ein Legislaturziel für die Amtsdauer 2017–2020. So soll ab 2018 mindestens zwei Mal jährlich ein Beispiel aus der Freiwilligenarbeit gewürdigt und damit die Wertschätzung gegenüber den unentgeltlich geleisteten Einsätzen gesteigert werden. (rkf)