Schon am Samstag, 15. Juni, ging es los. Auf dem Rasenplatz unter der Mehrzweckanlage stellte die Pfadi einen Holzturm auf. Im abgetrennten hintersten Teil der Turnhalle standen junge Pfala-Team-Mitglieder bereit, um mit interessierten Kindern zu spielen, ganz auf deren Vorlieben abgestimmt. Am Sonntag stillte eine Hüpfburg den kindlichen Bewegungsdrang.

Der unterdessen etablierte und  jugendliche JaSoRo-Chor aus Oberuzwil eröffnete den Abend mit energiegeladenen Liedern, von Chorleiterin Yasmin Stadler auch entsprechend dirigiert. Wenn auch nur 50 Prozent der Männerstimmen mitsingen konnten – normalerweise sind es vier –, klang der Chor dennoch voll und kräftig. Besonders waren ihre afrikanischen Lieder, die mit vollem Körpereinsatz vorgetragen wurden. 

Das Patronat über den ganzen Abend hatte das Freiwillige Rettungscorps Oberuzwil übernommen. Sie richteten die Halle ein und räumten spätnachts auch wieder auf. Ihre Theatertruppe bot den Einakter «D’Geister vom Lindehof», der die Lachmuskeln beanspruchte und zeigte, was Fluchen alles bewirken kann – so beispielsweise die Entlarvung einer Erbschleicherin. Später spielte die Konzert-Band «Endlich» auf und die lautstarken «Gräppele-Schränzer» setzten den abendlichen Schlusspunkt, erst in der Halle, später im Foyer.

Ökumenischer Gottesdienst

Vor dem offiziellen sonntäglichen Festakt luden die beiden Kirchgemeinden zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Unterkirche ein. «Viele Wege führen uns zusammen» hiess das Motto. Der durch einen Projektchor verstärkte katholische Kirchenchor erfreute die Gemeinde mit Gesängen aus der Jazzmesse, von Hannes Steinebrunner getextet und von Roman Bislin vertont. Hier kam das Motto gleich als fugenartiges Lied zum Zug, begleitet von einer vierköpfigen Band. Pfarreileiterin Ingrid Krucker-Manser und Pfarrer René Schärer nahmen in ihren Wortbeiträgen idyllische Aussagen aus der Apostelgeschichte auf, die von einer stets nur harmonischen jungen Christengemeinde berichten. Dies sei ein Ideal, dem nachzustreben sei, auch wenn die Realität oft ein anderes Bild zeige. Im Hinblick auf den Frauenstreik bekamen alle ein schön eingepacktes Willisauerringli. «Hart, aber doch mit Geduld aufzulösen» – was sich hoffentlich auch auf die gleichgestellte Mitwirkung von Frauen im gesellschaftlichen, politischen und religiösen Leben auswirkt. Die Kollekte wurde für die Markthalle Uzwil gesammelt. 

Offizieller Festakt mit Brunch und vielen Gästen

Johannes Gunzenreiner aus dem Ortsmuseumsteam eröffnete den offiziellen Teil. Er berichtete über einen Gerichtsprozess im Jahre 899, an welchem vier Brüder im Streit um ein Grundstück eine gerechte Lösung erfahren durften. Das Dokument dazu wurde genau am 16.Juni vor 1200 Jahren verfasst.

Darauf traten verschiedene musikalische Formationen auf, so der Good-News-Chor, aber auch die Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil, der Chuba-Chups-Chor unter Leitung von Oberstufen-Musiklehrerin Enid Münger sowie das Jungbläser-Ensemble, verstärkt mit bewährten Oldies aus der MGBO. Alle Vorträge gefielen. Das Publikum hatte während dieser Darbietungen die Möglichkeit, sich an verschiedenen Fassstrassen mit Brunch-Köstlichkeiten einzudecken. Hier standen Mitglieder des Frauenvereins und der Gourmet-Häfi für den Service bereit. 

Festreden

Gemeindepräsident Cornel Egger tauchte in seiner Kurzansprache ins Mittelalter ab. Als Kind erbte man damals den sozialen Status der Eltern. Grundbesitz war das Mass des Reichtums. Die Verhältnisse haben sich seither geändert, Leibeigenschaft gibt es in Oberuzwil nicht mehr. Doch auch heute muss zur Gemeinschaft Sorge getragen werden. Er bedankte sich auch ausdrücklich bei den unzähligen Helfern, die an den zwei Tagen unentgeltlich zum guten Gelingen beigetragen hatten.

Regierungsrat Martin Klöti begann in Anlehnung an das berühmte Kennedy-Zitat «Ich bin ein Berliner» mit den Worten «Ich bin ein Oberuzwiler» und unterstrich das mit seinem Wirken im ehemaligen Bezirk Untertoggenburg auf verschiedenen Ebenen. Er würdigte mehrere Oberuzwiler Pioniere und Institutionen, unterlegt mit den dazu passenden Jahrzahlen. Dazu hat er im Stiftsarchiv gründlich recherchiert. Dort lagert auch das Original der Ersterwähnung von Oberuzwil. Einen Abdruck in Originalfaltung übergab Klöti anschliessend dem überraschten Oberuzwiler Gemeindepräsidenten. 

Unterdessen hatte sich der Männerchor Frohsinn auf der Bühne aufgestellt. Noch selten hat man diesen so rockig und bewegt erlebt wie hier, was natürlich auch seiner Dirigentin Heidy Gerber zu verdanken ist. Zum Schluss fanden sich alle Musiker zu einem riesigen Ensemble auf der Bühne zusammen, um gemeinsam mit dem Saalpublikum das von Werner Baumgartner komponierte Oberuzwiler Lied – auf einen Text des verstorbenen Hansjörg Näf – zu singen. Mit diesem emotionalen Höhepunkt schloss der Festakt.


Neuer Brunnen im Schoren

Wer mochte, spazierte danach zum Schoren in der Nähe des Bettenauer Weihers. Dort war der alte Holzbrunnen entfernt und an dessen Stelle ein hölzerner Kaskadenbrunnen aufgestellt worden. Das kantonale Forstamt hatte diesen mit einheimischem Holz geschaffen. Auch hier kam der Gedanke der Bescheidenheit zum Tragen. Nachhaltigkeit und eine Ausstrahlung für die Öffentlichkeit waren die Vorgaben. Für die Einweihung war ein Apéro vorbereitet worden. Schnell waren die Festbänke besetzt. Spontan stimmten ein paar Männer aus der Bürgerkorporation heimatliche Klänge an. Das herrliche Oberuzwiler Wasser kann nun dank dem neuen Brunnen bei einem Spaziergang zum Betti oder zum Märliweg noch mehr genossen werden.