Die SP Oberuzwil setzt sich engagiert für die beiden Vorlagen zur Rentenreform ein. Trotzdem liess sie eine Befürworterin und einen Gegner kontradiktorisch zu Wort kommen. SP-Kantonsrätin Laura Bucher aus St. Margrethen setzte sich für die Vorlagen ein, SVP-Kantonsrat Mike Egger aus Berneck vertrat den ablehnenden Standpunkt. Aus dem Publikum wurden viele Fragen gestellt und auch unmissverständlich Position bezogen.Moderator der in Anbetracht der Bedeutung der Vorlagen nicht sehr gut besuchten Veranstaltung im Rösslisaal war Roland Bischof. Er ist Präsident der SP-Ortspartei, gehört dem Gemeinderat an und ist als AHV-Revisor mit der Abstimmungsmaterie bestens vertraut.

Änderungen im Überblick
Roland Bischof gab einleitend einen Überblick, was sich bei Annahme der beiden Vorlagen ändern würde. Dabei wies er auf die Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre hin. Sie erfolgt abgestuft bis zum Jahr 2021. Neurentner erhalten ab 2019 eine fixe Rentenerhöhung von 70 Franken pro Monat. Für verheiratete Rentner gilt ab 2018 eine Plafonierungsgrenze von 155 Prozent. Die bisherigen Ehepaarrenten bleiben bei 150 Prozent plafoniert.

Der Vorbezug der AHV-Rente ist neu drei Jahre vor dem Erreichen des Referenzalters möglich. Wer nach dem Erreichen des Referenzalters weiterarbeitet, muss weiter volle AHV-Beiträge zahlen, kann aber eine Rentenneuberechnung verlangen. Ab 2021 sind ausserdem eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,3 Prozent und eine Erhöhung des AHV-Abzugs um 0,3 Prozent zur Sicherung der AHV-Beiträge vorgesehen.

In der 2. Säule, der beruflichen Vorsorge, wird der Umwandlungssatz reduziert, und zwar schrittweise von 6,8 auf 6 Prozent.

Erfolgsmodell AHV erhalten
Die AHV sei ein Erfolgsmodell, hielt Kantonsrätin und Rechtsanwältin Laura Bucher einleitend fest. Da die Zahl der Pensionierten überproportional steige, werde das Reservekapital in absehbarer Zeit aufgebraucht. Bei der Einführung der AHV sei man von einer Rentenbezugsdauer für Männer von 12 und für Frauen von 13 Jahren ausgegangen. Heute lägen die Werte bei 19,8 und 22,7 Jahren.

Probleme gebe es aber auch bei der beruflichen Vorsorge. Bei der Einführung habe mit Zinserträgen von 7 Prozent gerechnet werden können. Heute könnten auf dem Kapital noch 3 Prozent erreicht werden. Zur ausreichenden Finanzierung der Pensionskassen wären aber 5 Prozent nötig. Die Pensionskassen bezeichnete Laura Bucher als unsicheres System.

Deshalb gelte es, die sichere, solidarische und gerechte AHV auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Dies sei besonders auch für die Frauen wichtig. Rund 500'000 Frauen oder 40 Prozent müssten ausschliesslich mit der AHV und ohne Pension auskommen. Abschliessend appellierte Laura Bucher an die Anwesenden, sich nicht kleinlich auf eigene Vor- oder Nachteile zu konzentrieren, sondern dem Solidarwerk als Ganzes zuzustimmen.

Ausbau statt Einsparungen
Mike Egger, Kantonsrat und technischer Kaufmann, beteuerte, dass auch sein Ziel die Sicherung der Altersvorsorge sei. Allerdings fehlten ihm in der Vorlage Einsparungen. Das Parlament habe im Gegenteil einen Ausbau vorgelegt. Die 70 Franken zusätzlich an die Neurentner ergäben jährliche Mehrkosten von 2,5 Milliarden Franken. Zudem würden die 70 Franken nach dem Giesskannenprinzip an alle verteilt. Die Frage nach einem allfälligen Aufteilungsschlüssel konnte er allerdings nicht beantworten.

Speziell kritisierte er auch, dass durch die Reduktion des Umwandlungssatzes auch viele Rentner Verluste erleiden und dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer die Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen würde. Seiner Ansicht nach würde die vorgelegte Revision das Drei-Säulen-Prinzip schwächen.

Engagierte Voten
Das Publikum war diskussionsfreudig und einzelne Votanten durch den Moderator kaum zu bremsen. Vor allem musste Roland Bischof die Diskussion immer wieder auf die Rentenrevision zurückbringen. Das Temperament ging mit wenigen Versammlungsbesuchern durch, und dann wurde über Gelder an Asylbewerber über Bundes-Bern oder über fehlende Stellen für über Fünfzigjährige geklagt.