Die jährliche Veranstaltungsreihe, welche die Gemeinde Oberuzwil im Rahmen der Wirtschaftsförderung für Unternehmer und Führungspersönlichkeiten durchführt, ist beliebt. Gemeinderat Patrick Schätti, Vorsteher des Wirtschaftsressorts, konnte im Oberstufenzentrum Schützengarten rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen heissen.

Verantwortungsreiche Führungsaufgabe

Manuel Leuthold ist seit dem 1. Januar 2016 Verwaltungsratspräsident der Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO (Compenswiss). Er ist Jurist und Ökonom und verfügt über eine langjährige Führungs- und Managementerfahrung im Bankenwesen und über umfangreiche Kenntnisse des Finanzmarktes.

Der Verwaltungsrat von Compenswiss ist als oberstes Organ verantwortlich für die Führung und strategische Entwicklung der Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO. Er gestaltet, steuert und überwacht deren ertrags- und risikogerechte Vermögensbewirtschaftung.

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Rund 40 Oberuzwiler hörten im Oberstufenzentrum Schützengarten dem Vortrag von Manuel Leuthold zu.


Referat vor «Kunden»

Einen kleinen Heiterkeitserfolg erzielte der Referent gleich zu Beginn, als er die Zuhörer mit den Worten begrüsste: «Sie sind alle meine Kunden». Dann erklärte er plakativ das System mit den drei Säulen. Die erste Säule, die AHV, funktioniert nach dem Umlageverfahren: «Was Herr Müller heute als Beitrag einzahlt, wird morgen an Frau Brunner als Rente ausbezahlt.» In die zweite Säule zahlen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber während der Berufstätigkeit Beiträge. Nach Abschluss der Berufstätigkeit erhält der Arbeitnehmer eine monatliche Pension bis zum Ableben oder das kapitalisierte Geld ausbezahlt. Die dritte Säule ist eine freiwillige private Vorsorge mit Steueranreiz.

Liquidität ist zwingend

Danach befasste sich Manuel Leuthold mit der AHV. Er betonte, dass die Verwaltung der Fonds selbstständig, also ohne Direktiven des Bundesrates oder anderer Amtsstellen erfolge. Die Arbeit sei aber eng überwacht, unter anderem durch eine externe Revisionsstelle. Auf den 1. Januar 2019 werden die drei Fonds finanziell getrennt und auf modernes Management getrimmt.

Der Artikel 108 des AHV-Gesetzes regelt die Anlage- und Rechnungsführung. Er schreibt vor, die Gelder des AHV-Fonds sicher anzulegen, einen marktkonformen Erfolg zu erzielen und jederzeit genügend Barmittel bereitzuhalten.


2030 sind die Kassen leer

Das Vermögen der AHV muss gesetzlich vorgeschrieben ihre Ausgaben für ein Jahr decken. Jedes Jahr werden derzeit von der AHV 54 Milliarden Franken ausbezahlt. Das Vermögen beläuft sich auf 37 Milliarden Franken. Dass die demographische Entwicklung der AHV Probleme bereitet, ist keine neue Feststellung. Immer weniger Arbeitstätige müssen im Umlageverfahren für immer mehr Rentner einzahlen. Das kann ohne Änderungen im System auf die Dauer nicht aufgehen. Das jährliche Defizit dürfte schon bald zwei Milliarden Franken ausmachen. Die düstere Prognose: «Ohne Korrekturen sind 2030 die Kassen leer».

Den gegenwärtigen Zustand der drei Fonds skizzierte Manuel Leuthold folgendermassen: Die AHV weise ein verhältnismässig grosses Vermögen, aber eine düstere Zukunftsperspektive auf, die IV sei mit 10 Milliarden im Minus (dieser Betrage wird der AHV geschuldet), habe aber positive Aussichten, und die EO sei auf eher bescheidenem Niveau stabil.


Grosses Währungsrisiko

Früher habe das Geld nur in der Schweiz angelegt werden dürfen. Seit 2002 gelte diese Vorschrift nicht mehr. Heute müssten zwei Drittel im Ausland investiert werden. Zum allgemeinen Risiko – das grösste bei den Aktien – komme noch das Währungsrisiko. Compenswiss arbeite nur mit renommierten Partnern zusammen und sichere sich gegen Risiken ab. Die Betriebskosten – 800 Beschäftigte – versuche man tief zu halten. Immer neue Vorschriften und Regelungen verteuerten aber den Betrieb.

Stillstand seit 21 Jahren

Ein Punkt muss im oft als vorbildlich bezeichneten Vorsorgesystem besonders zu denken geben. Seit 1997 sind alle Versuche gescheitert, das aus dem Jahr 1948 stammende Pionierwerk zeitgemäss zu verändern oder zu ergänzen. Alle Vorschläge sind entweder schon im Parlament oder dann vom Volk bachab geschickt worden.

Manuel Leuthold warnte vor der Tendenz, den AHV-Fonds statt aus der Arbeitswelt immer stärker aus Steuern zu äufnen, vom Beitragssystem auf das Steuersystem umzuschwenken.