Fast jede Ortschaft besass früher ihre eigene Dorflinde. In ihrer Symbolik fördert diese die friedliche Geselligkeit und die Liebe. Der Platz mit der Dorflinde war das Zentrum der Kommunikation, oft unmittelbar bei der Kirche gelegen, wo man sich allwöchentlich nach dem Gottesdienst traf. Ein solch symbolkräftiger Baum findet sich auch auf dem Sirnacher Kirchplatz – eng angeschmiegt und fast schon verwurzelt mit dem Hotel Restaurant Löwen.

Wer schon einmal sein Fahrzeug in die Nähe der Löwen-Linde parkiert hat, kennt aber auch den durch Blattläuse ausgestossenen klebrigen Honigtau, der die Windschutzscheibe oder den Velosattel verunreinigt. Nebst dem Honigtau, der einen hohen Reinigungsaufwand beim Mobiliar der Gartenwirtschaft erfordert, wächst der Baum immer mehr in den Dachbereich hinein. Das ausladende Astwerk beeinträchtigt die Fahnen vor dem Haus und die kräftigen Wurzeln verursachen Schäden an den Kellerwänden. Darum hat sich der Liegenschaftseigentümer an die Bauverwaltung der Gemeinde Sirnach gewandt, wie diese im aktuellen Mitteilungsblatt verlauten lässt.

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Der Baum wächst immer mehr in Richtung Hotel Löwen.


Was der Schutz des Baumes bedeutet

Gemäss dem kantonalen Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Natur und der Heimat sichern Gemeinden die Pflege erhaltenswerter Objekte durch eine Unterschutzstellung. Durch die Schutzverfügung entsteht für den Besitzer eine Einschränkung in der Ausübung des Eigentums. Das heisst: Der Baum kann nicht einfach auf private Initiative hin gefällt werden. Eine entsprechende Entschädigung regelt das kommunale Reglement über die Ausrichtung von Beiträgen an Natur- und Kulturobjekte. Solche können für die Pflege erhaltenswerter Einzelbäume in besonderen Fällen ausgerichtet werden.

Aus Sicht der Bauverwaltung gilt dies auch für die vor dem Hotel Restaurant Löwen stehende Linde. Sie ist ein wertvoller Baum – einerseits für das Ortsbild, andererseits aber auch für das Klima und als willkommener Schattenspender für die Gäste der Gartenwirtschaft an heissen Sommertagen. Im Sinne des öffentlichen Interesses und weil Grünräume in Siedlungsgebieten für die Lebensqualität der Bevölkerung ein wichtiger Faktor sind, soll die grosse Linde erhalten werden, denn sie bildet eine Fortsetzung der vor dem Gemeindehaus sowie vor der Liegenschaft Kirchplatz 3 stehenden Baumreihe, schreibt die Gemeinde weiter. (gk/red)