Die Idee kam von Andreas Signer, Lehrer an der Musikschule Wil: Weil wegen dem Coronavirus derzeit keine öffentlichen Auftritte möglich sind, muss ja nicht auf ein Konzert verzichtet werden, Stichwort Balkon-Konzert. Was sich in unseren Nachbarländern bereits etabliert hat, findet nun auch immer mehr den Weg in die Schweiz.

In Wil hat man sich für den letzten offiziellen Schultag vor den Frühlingsferien entschieden, wobei das mit Schule momentan ohnehin nicht ist. Am Freitagabend pünktlich um 18 Uhr erschallte «Freude schöner Götterfunken» – kurzum «Ode an die Freude» von Ludwig van Beethoven – durch die Strassen und Gassen und selbst vom Turm des Baronenhauses in der Altstadt. Das Stück hat Signer ganz bewusst gewählt, weil es relativ einfach zu spielen ist und aus nur sechs Tönen besteht. So sollte auch manch ein Nicht-Musikschüler motiviert werden, um mitzuspielen.

Im Video: Wil spielt «Ode an die Freude»

 
Video: Mykhailo Zinchenko

Wie der Vater, so der Sohn

Und so war es denn auch. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann griff zur Blockflöte, Stadtparlamentarier Sebastian Koller setzte sich an die Orgel der Niklaus-Kirche – also auf den Kirchen-Balkon. Neben dem Original interpretierte der ehemalige Musikschüler ziemlich frei eine jazzige Version des Stücks. Sebastian Koller scheint einiges von seinem Vater – Kurt Pius Koller ist Organist in Wil – mitbekommen zu haben. Trotzdem habe einiges geübt werden müssen.

Im Video: Sebastian Koller orgelt Beethoven

 
Video: Simon Dudle

Das Ziel das Balkon-Konzertes war, trotz Corona-Krise ein paar schöne Töne und Minuten nach Wil zu bringen – und somit die Äbtestadt kurzzeitig aus dem verordneten Tiefschlaf zu erwecken. Gelungen.