Der Hof zu Wil ist ein imponierender Gebäudekomplex; so war es von seinen Bauherren wohl auch gedacht: Wer ihn erblickte, sollte auf den ersten Blick die immense Macht der äbtischen Hausherren erkennen und keine Zweifel an deren Legitimität hegen. 

Anarchische Kreativität 

Vor über zweihundert Jahren endete der Klosterstaat, übriggeblieben ist ein monströses Bauwerk, das von einstigem Prestige kündet. Wie geht man mit einem derartigen achthundert Jahre alten Erbe um? Ohm 41 hat ihren eigenwilligen Umgang mit der Geschichte gefunden: provozierend, hintersinnig, anarchisch, ironisch bis sarkastisch, voller Anspielungen und fantasievoll; so wie man dies seit über zwanzig Jahren von den jeweiligen Aktionen der Künstlergruppe kennt.

Eigenwilliges Lagermuseum

Das Wetter zeigte sich von seiner allerbesten Seite als Markus Eugster am Sonntagmorgen auf dem Hofplatz schätzungsweise sechzig Personen zur Vernissage der neuen Ausstellungen begrüsste. Sie trägt den sperrigen Titel «Ausstellung und Interventionen Zentralbüro mit Lagermuseum für vergangene und zukünftige Vermächtnisse».

Mit einer Wortspielerei erinnerte Eugster an den einstigen Besuch des deutschen Kaisers in Wil. Kurz danach brach der 1. Weltkrieg aus, der unsägliches Leid über die Menschen in Europa brachte und den Kaiser seinen Thron kostete. 

Mit diesem launigen Auftakt des Ohm-41-Sprechers war vorgegeben, dass man Insignien der Macht und ihren Repräsentanten misstrauen sollte.


Machtträger als Lachnummern

Auf dem anschliessenden Rundgang durch die Ausstellung im 3. Obergeschoss des Hofes wurde deutlich, dass sich die Ohm 41-Gruppe bezüglich Macht als Hofnarren versteht. Beleg dafür ist etwa eine Videoinstallation von Renato Müller. Auf einem Bildschirm begrüsste der ehemalige Generalsekretär der SED Erich Honecker das Publikum. Müller hat der virtuellen Kunstfigur eigene Worte in den Mund gelegt.

Weiterer Beleg für den ironischen Umgang mit Machtträgern ist die hingepinselte Darstellung von Fürstabt Joachim Opser, der – angeblich – in der Oberstufe zur Strafe in der Ecke stehen musste. Das Bild steht zusammen mit ähnlichen Karikaturen in einer Vitrine in der ehemaligen Privatkapelle der Fürstäbte.


Imitierte Historie

Diese Vitrine ist kennzeichnend für die aktuelle Präsentation. Sie ist aus Elementen aufgebaut, die auf den ersten Blick in eine museale Einrichtung passen. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass die herumstehenden sperrigen Transportkisten und die Schaukästen keine wertvollen historischen Ausstellungsstücke enthalten, sondern groteske Neuschöpfungen der Künstlergruppe. Ihre Patina ist höchstens wenige Wochen alt.

Weitere Aktionen geplant

Wie von Ohm 41 gewohnt, ist die aktuelle Schau eine Mischung aus Ausstellung, Happening, Installation und Kunstaktion. An ihr haben Renato Müller, Markus Eugster, Roland Rüegg, Stefan Kreier, Thomas Fry Freydl und Werner Warth mitgewirkt.

Die Ausstellung dauert noch ist zum Donnerstag, dem 30. September 2021. Sie wird von verschiedenen Aktionen begleitet.