Ihres Wissens sei es die erste Zertifizierung von Kunstwerken überhaupt, sagen die sieben Mitglieder der Gruppe Ohm41. Zwanzig Jahre alt ist die Gruppe geworden. Nach der anfänglichen Entrüstung seien sie heute quasi ein Teil der Wiler Familie, die man gewähren lasse, ohne sie allerdings ausdrücklich zu akzeptieren. Ein Zusammenleben vergleichsweise so, wie dasjenige von Bienen mit Varroamilben. Dass sie bei der Kunst am Bau im Sportpark Bergholz übergangen worden sind, wurmt sie noch immer.


Steigbügelhalter für neue Künstler

Sozusagen ins Erwachsenenalter gekommen, schaut man vorwärts und ist um Ideen nicht verlegen. Mit der Zertifizierung wird ein neuer Weg beschritten, der noch unbekannten Kunstschaffenden auf die Sprünge helfen kann. In einem amüsanten Ritual bekommen Kunstschaffende die Möglichkeit, sich und eines ihrer Kunstwerke vorzustellen. Wenn sie die Kunsthalle an der Grabenstrasse betreten, kommen sie gleich vor den Tisch, an dem drei sachkundige, kunstbeflissene und wohlwollende Juroren sitzen. Vor ihnen liegen bereits vorbereitete Zertifikate. Markus Eugster bittet die Antragsteller, ihr Werk vorzustellen. Und je nach Wortgewandtheit der Kunstschaffenden werden sie dann von Markus Eugster, Tuli und Stefan Kreier – Mitglieder von Ohm41 – mit mehr oder weniger ernsthaften, durchwegs humorvollen Fragen gelöchert. Den zum Teil sehr witzigen Gesprächen folgt die Zertifizierung. Das bedeutet, dass das Werk Teil der Ausstellung «sieben mal 20» sein wird, welche in der Kunsthalle Wil am 1. Juni eröffnet und bis zu 14. Juli dauern wird. 


Sind Gartenzwerge Kunst?

Ohm41 geht davon aus, dass jedes Objekt, das von einem Künstler geschaffen wurde, ein Kunstobjekt ist – ganz im Sinne von Joseph Beuys. Schwieriger ist jedoch die Frage nach der Qualität zu beantworten. Im Rahmen der Zertifizierung demonstrierte dies Ohm41-Mitglied Fri. Er brachte zwei Gartenzwerge auf Holzsockeln zur Zertifizierung. Mit witzigen Wortspielereien versuchte er, die Juroren von seinem Werk zu überzeugen. Diese aber verweigerten ihm augenzwinkernd die Zertifizierung, weil sie ja «die reflexiven Durchdringungsparameter kennen und sie anzuwenden wissen.» Ohm41-Mitglied Stefan Kreier ist aber überzeugt, dass es eigentlich keine Antwort darauf gebe, was gute Kunst ist.