Der Saal war gut gefüllt, das Durchschnittsalter war dem Thema entsprechend ein eher gesetztes. Im ersten Teil des Anlasses wurde in den drei Kurzreferaten von Lukas Niederberger (Schweizer Gemeinnützige Gesellschaft), Claudia Kraus (Zeitvorsorge SG) und Ueli Rickenbach (Benevol) die Freiwilligenarbeit aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Es sind deutliche Zahlen und wohl auch Tatsache, dass die Schweiz weltweit das reichste Land an geleisteten ehrenamtlichen Arbeitsstunden ist. Dies entspricht einer Wertschöpfung von 400 Milliarden Franken, was etwa 9 Milliarden geleisteten Arbeitsstunden entspricht und etwa fünf Mal grösser ist, als das Budget des Bundes. Dieses beträgt 80 Millionen.

Dario Sulzer, Wiler Stadtrat, gibt sich überzeugt: «Ohne die Arbeit der Freiwilligen im sozialen, sportlichen, kulturellen und im politischen Bereich würde in der Schweiz fast nichts mehr laufen.» Guido Grütter, Präsident von Regio Wil ergänzt: «Es ist eine Tatsache, dass mit der Freiwilligenarbeit ein riesengrosser Anteil geleistet wird. Die Schweiz wäre ohne diese Arbeit um einiges ärmer und auch herzloser.»

Mehr Wertschätzung

«Es ist wichtig, vermehrt auch die Wirtschaft und die Politik ins Boot zu holen, damit auch von dieser Seite die Freiwilligenarbeit noch mehr Wertschätzung und Anerkennung erhält», so Lukas Niederberger, Präsident der «Schweizer Gemeinnützigen Gesellschaft». Die Freiwilligen würden mit ihren Einsätzen zwar viel bewirken und sie seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber es sei auch ein Trend festzustellen, dass sich gerade die jüngere Generation weniger für Freiwilligenarbeit begeistern lasse. Gründe dafür seien die fehlende Wertschätzung dieser Arbeiten, die Beanspruchung im Berufsleben oder die Abwendung von Vereinen und Institutionen. Man sei immer weniger bereit, Zeit zu schenken.

In seinen Voten motivierte Ueli Rickenbach von «Benevol», die neue online Freiwilligen-Jobbörse zu nutzen: Ehrenamtliche können sich melden oder sich über Angebot und Nachfrage informieren. «Das Interesse ist vorhanden. Es ist wichtig, erste Hemmschwellen abzubauen. Dabei helfen die örtlichen Organisationen oder eben das Benevol-Job-Portal», so Ueli Rickenbach.

Zeitkonto für Hilfeleistungen

Die Idee, für sich selber ein Alterszeitkonto anzulegen verfolgt das Projekt «Zeitvorsorge». Die Stadt St. Gallen führt über die geleistete Freiwilligenarbeit Buch. Sie garantiert, dass man diese Zeit später, wenn man Hilfe nötig hat, quasi als «Entgelt» zurückbekommt. Es reiche nun aber nicht, dass dieses Angebot in Wil als Möglichkeit im Raum steht. «Wir können zwar für uns selber vorsorgen, aber auch hier muss die Politik mitziehen. Diese Zeitvorsorge lohnt sich für den Geldbeutel der öffentlichen Hand sowie für den der Beteiligten direkt», so Claudia Kraus, Geschäftsführerin bei der Zeitvorsorge. So könnten die Menschen beispielsweise länger zu Hause bleiben und möglichst eigenständig leben, und zwar ohne kostenintensive Fremdbetreuung. (pd)